Kalifornien: Biber im Einsatz gegen Waldbrände

Im US-Bundesstaat Kalifornien werden Biber gezielt geschützt und wiederangesiedelt, um Waldbrände zu verhindern. Mit ihren Dämmen erschaffen sie Feuchtgebiete, die das Feuer stoppen können.
07.09.2026 – Biber bauen Dämme, um ihr eigenes Überleben zu sichern. In flachen Bächen stauen sie Wasser auf, sodass ein Teich entsteht. Dieser Teich schützt sie vor Feinden, erleichtert den Transport von Ästen und Nahrung und sorgt dafür, dass die Eingänge zu ihren Wohnräumen unter Wasser liegen. Diese Wohnräume werden auch Biberburgen genannt, befinden sich am Rand der Bäche, werden aus Ästen, Steinen und Schlamm gebaut und haben oftmals getrennte Bereiche zum Fressen und Wohnen, die über dem Wasser liegen, der Eingang aber eben unter Wasser. So können Fressfeinde wie Kojoten und Wölfe nicht einfach in die Burgen gelangen.
Auch die Dämme erschaffen die Biber aus vielerlei Materialien. In ein Grundgerüst aus Stämmen und Ästen, kommen Rinde, Schlamm, Erde, Kies, Steine und Pflanzenmaterial. Das hat enorme Auswirkungen auf das umliegende Ökosystem. Biberdämme bremsen den Wasserabfluss, erhöhen den Grundwasserstand, schaffen Teiche, Feuchtflächen und verzweigte Wasserläufe. Davon profitieren viele Pflanzen und weitere Tiere. Und eben auch die Resilienz gegenüber Dürrezeiten.

Ein Biberdamm aus verschiedensten natürlichen Materialien (Foto von Derek Otway auf Unsplash)
„Green belts“ entstehen
In den USA erklärte der damalige Direktor des kalifornischen Department of Fish and Wildlife (CDFW), Charlton H. Bonham, bereits 2023 im Zuge der Veröffentlichung eines Policy-Papers: „Biber helfen, Lebensräume und Wasserqualität zu verbessern, Ökosystemprozesse wiederherzustellen und die Widerstandsfähigkeit gegen Waldbrände zu stärken.“ Durch die Biber bleiben Bach- und Flussuferzonen in Trockenzeiten länger grün. Wasser würde so in der Landschaft gehalten, die Grundwasserneubildung, Sommerabflüsse und die Brennstofffeuchte während der Waldbrandsaison erhöht. dadurch würde „green belts“ entstehen, die als Puffer oder Brandriegel dienen, so das CDFW.
Seit 2023 hat das Department ein „Beaver Restoration Program“ aufgebaut. Im Dezember 2023 setzte das CDFW gemeinsam mit dem Maidu Summit Consortium erstmals seit fast 75 Jahren wieder eine Biberfamilie zu Naturschutzzwecken in Kalifornien aus. Laut einem im Juli erschienen Statusbericht des CDFW, wurden bis Januar 2026 insgesamt 42 Biber an 10 Standorten in Kalifornien umgesiedelt, So wurden sie aus einem Gebiet entfernt, wo sie Konflikte verursachen – etwa durch Überflutung von Straßen, Feldern oder Infrastruktur – und in ein geeignetes Renaturierungsgebiet umgesetzt, wo sie durch Dammbau Feuchtgebiete schaffen sollen.
Die Wiederaussiedlung und Nutzen für die lokalen Ökosysteme gestalteten sich derweil unterschiedlich. Während sich an einem Standort über die Jahre die Reproduktion der Biber fortsetzte und die von Wasser überflutete Oberfläche um mehr als 30 Prozent zunahm, wanderten in einem anderen Gebiet Biber wieder ab oder verstarben. Das CFDW führte dies auch auf dortige Waldbrände und Flutereignisse zurück. Die Biber hatten den Naturkatastrophen offensichtlich nicht genug entgegenzusetzen. Für die Zukunft sollen verstärkt Wassereinzugsgebiete identifiziert werden, in denen Biber den größten ökologischen Nutzen bringen könnten.
Potenzial in der Sierra Nevada
In einer 2025 erschienen Studie untersuchten US-Forscher:innen das Potenzial von Biberaussiedlungen in der kalifornischen Sierra Nevada, um die Resilienz gegen Waldbrände zu stärken. Die Sierra Nevada ist besonders stark von Dürre und Waldbränden betroffen. Die Autor:innen der Studie errechneten rund 159.000 Kilometer Fließgewässer in der Sierra Nevada. Diese hätten 897.000 Biberdämme tragen können. Aktuell seien es noch etwa 440.000 Dämme. Das entspricht 51 Prozent der historischen potenziellen Dammkapazität.
Daraus leiteten die Forscher:innen zunächst zehn Wassereinzugsgebiete ab, die sowohl ein hohes Wassersicherheitsproblem als auch hohe Brandgefährdung aufweisen. Von diesen zehn Gebieten hätten fünf besonders stark überlappende Potenziale für Wasserspeicherung und Feuerresilienz durch Biber. Die Studie plädiert für eine räumliche Priorisierung: Biber-Umsiedlungen sollen demnach besonders sinnvoll dort sein, wo drei Dinge zusammenkommen – geeignete Gewässer, hoher Bedarf an Wasserrückhalt und hohe Brandgefährdung.
Und in Deutschland?
Hierzulande ist der Biber eine streng geschützte Tierart. In Bayern und Baden-Württemberg aber dürfen Biber gefangen und zum Teil getötet werden, wenn sie schwere wirtschaftliche Schäden mit ihren Dämmen verursachen oder die Sicherheit bedrohen. Andere Bundesländer dagegen betonen vorwiegend die positiven Effekte von Bibern.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer nannte die Rückkehr des Bibers 2025 „überwiegend eine Bereicherung“ für die Gewässer, auch wenn man mögliche Probleme an Hochwasserschutzeinrichtungen und landwirtschaftlichen Flächen beachten müsse. Der Biber schaffe durch seine Bautätigkeit Lebensräume, unterstütze den Wasserrückhalt und die Renaturierung und könne „wertvolle Beiträge zur ökologischen Resilienz der Landschaft“ leisten – ein Aspekt, der im Klimawandel wichtiger werde. mg






















































