Gesunder Boden: Böden besser schützen

Zum Welttag des Bodens ruft der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zu mehr Bodengesundheit auf. Das neue EU-Bodenüberwachungsgesetz ist ein erster Schritt für mehr Transparenz, aber auch Bodenschutz muss verbindlich werden.
05.12.2025 – Gesunde Böden sind die Lebensgrundlage aller Menschen – für Ernährungssicherheit, Wasserhaushalt, Biodiversität und Klimaschutz. Gleichzeitig sind sie inzwischen eines der am stärksten gefährdeten Ökosysteme der Erde.
Der heutige Tag des Bodens macht sichtbar, wie ernst die Lage ist. Ausgelaugte Böden liefern weniger Ernten, sind anfälliger für Extremwetter und können von CO2-Speichern zu CO2-Emittenten werden. Gesunde Böden sind damit eine zentrale Voraussetzung für eine widerstandsfähige Zukunft.
Die EU hat mit dem Mitte Dezember in Kraft tretenden Bodenüberwachungsgesetz einen ersten Schritt für mehr Transparenz gemacht, nun muss verbindlicher Bodenschutz folgen. Die richtige Behandlung und Bewirtschaftung der knappen Ressource nützt allen.
Das EU-Bodenüberwachungsgesetz ist ein Anfang
Mit dem Bodenüberwachungsgesetz schafft die EU erstmals einen verbindlichen Rahmen für die umfassende Bewertung des Bodenstatus in allen Mitgliedstaaten. Ziel ist es, den Zustand der Böden transparent zu erfassen und frühzeitig auf Verschlechterungen reagieren zu können.
Das Gesetz legt einheitliche Methoden zur Messung von Parametern wie Humusgehalt, Kontamination, Verdichtung oder Biodiversität fest. Dadurch entsteht ein europaweit vergleichbares Bild der Bodengesundheit – und eine Grundlage, um Böden bis 2050 in einen „guten Zustand“ zu versetzen.
„Das Gesetz schafft Transparenz, aber keinen Schutz“, gibt Tobias Witte, BUND-Experte für Bodenschutz zu denken. „Ohne Schutzvorschriften mit verbindlichen Schwellenwerten und Maßnahmen bei deren Überschreitung sowie einem umfassenden Wiederherstellungskonzept werden wir unsere Böden nicht angemessen schützen können.“
Der BUND fordert ein europaweites Konzept zur Bodenwiederherstellung und verbindliche Reduktionsziele für Bodendegradation, klare Schwellenwerte und verpflichtende Maßnahmen bei Überschreitung, Netto-Null-Flächenverbrauch bis 2030 entsprechend den UN-Nachhaltigkeitszielen, Schutz besonders wertvoller und seltener Böden wie Moore, Schwarzerden und Archivböden, sowie eine gesicherte Finanzierung für Monitoring, Schutz und Wiederherstellung.
Die wachsende Bodenkrise weltweit
Weltweit gilt ein Viertel aller nicht von Eis bedeckten Landflächen und sogar ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen als degradiert. Bis zum Jahr 2050 könnte bis zu 95 Prozent der Erdoberfläche degradiert sein, wenn der Umgang mit den Böden sich nicht ändert.
Humusverlust, Erosion, Verdichtung, Versalzung und Verschmutzung haben viele Böden an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht. Nährstoffkreisläufe geraten ins Stocken, Bodenleben geht verloren und Erträge sinken. Die Fähigkeit der Böden, Wasser zu speichern oder Kohlenstoff zu binden, nimmt ab – mit direkten Auswirkungen auf die Klimaresilienz.
Böden sind die zweitgrößte terrestrische Kohlenstoffsenke nach den Wäldern. Wird Boden fruchtbar gehalten, speichert er große Mengen CO₂. Degradierter Boden emittiert hingegen CO₂ und verstärkt den Klimawandel. Da die Böden Wasser schlechter speichern können, nehmen Überschwemmungen und Dürren zu, und Pflanzen werden anfälliger für Stress.
Schreitet die Degradierung noch weiter voran, bilden sich Wüsten. Mit dem Schwinden der Vegetation verliert der Boden zunehmend auch seine Deckschicht, dann seine Struktur. Regenfälle spülen den verbliebenen Oberboden fort, Wind trägt lockeren Sand ab. Versteppung und Austrocknung betreffen nicht nur die globale Südhalbkugel, sondern zunehmend auch Europa. Teile Südspaniens, Italiens oder Griechenlands zeigen bereits deutliche Anzeichen von Desertifikation.
Auch in Deutschland zeigen sich deutliche Spuren: Mindestens ein Fünftel der Ackerflächen ist stark erosionsgefährdet. Besonders anfällig sind Regionen, in denen Böden häufig offenliegen oder intensive Bearbeitung ihre Struktur schwächt.
Was Böden zerstört – und was sie stärkt
Intensive Landwirtschaft gilt als einer der Haupttreiber der Bodendegradierung. Hohe Düngergaben, chemische Pflanzenschutzmittel, schwere Maschinen und monotone Fruchtfolgen belasten die Bodenstruktur und das Bodenleben.
Eine bloße Reduktion von mineralischem Stickstoffdünger reicht nicht aus, um Böden nachhaltig zu schützen. Erst tiefgreifende Veränderungen schaffen Widerstandskraft und Fruchtbarkeit. Nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken, etwa aus der ökologischen, konservierenden oder regenerativen Landwirtschaft, erhöhen die Resilienz der Böden gegenüber Extremwetter, fördern Biodiversität und verbessern langfristig die Erträge.
Zu den wirksamsten Methoden gehören minimale Bodenbearbeitung, um die Bodenstruktur zu erhalten, permanente Bodenbedeckung durch Zwischenfrüchte oder Mulch, vielfältige Fruchtfolgen mit Einbindung von Leguminosen, Förderung des Bodenlebens durch organische Bewirtschaftung, Humusaufbau mittels Kompost, Agroforst oder vielseitiger Begrünung, und Reduzierung schwerer Maschinen, um Verdichtung zu vermeiden.
Unklare Perspektiven für den Bodenschutz in der GAP-Reform ab 2028
Für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 plant die EU, die bisherigen Mindestanteile für Umweltleistungen zustreichen. Damit besteht die Gefahr, dass der Bodenschutz an Bedeutung verliert, wenn ökologisch wertvolle Maßnahmen nicht ausreichend vergütet werden.
Viele Fachgremien und Umweltorganisationen plädieren deshalb für eine klare Verknüpfung öffentlicher Mittel mit echten Gemeinwohlleistungen – darunter Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau, Biodiversität und Wasserschutz. jb



















































