Projekt gegen Trockenheit: Der Schwammwald

Ausbleibender Regen und trockene Böden setzen den Wald in vielen Teilen der deutschen Mittelgebirge unter Stress. Mit dem Projekt Schwammwald erproben Fachleute im Kreis Soest eine vielversprechende Form der Therapie.
26.05.2026 – Rund 480 Quadratkilometer – damit ist der Arnsberger Wald das größte zusammenhängende Waldgebiet in Nordrhein-Westfalen. Und wie alle Wälder in den deutschen Mittelgebirgen ist er dem Wandel der Zeit ausgesetzt. So bringt die Erderhitzung zunehmende Dürren, häufigere und stärkere Orkane, eine größere Anfälligkeit gegenüber Schädlingen mit sich, vor allem dem Borkenkäfer. Die Folgen sieht man mehr als deutlich südlich von Haarstrang und Möhnetal: Seinen früheren Charakter mit hohem, dunklen Fichtenbestand hat der Wald wegen der großen Schäden nahezu vollständig eingebüßt.
Aber: Was tun, wenn der Wald zu großen Teilen platt am Boden liegt?
Klar, aufräumen, aufforsten, diversifizieren. Aber ein Teil der Antwort liegt auch im Stichwort „Boden“. Denn der wurde schon vor Jahrzehnten durch künstlich angelegte Wasserrinnen erheblich dehydriert. „Das begann schon im späten Mittelalter“, erklärt Jennifer Weber von der Kreisverwaltung Soest.
Ziel war damals, das Wasser verstärkt oberirdisch abfließen zu lassen, um den Boden für den in Monokultur bewirtschafteten Fichtenwald besser befahren zu können. 90 Prozent des Waldes habe man auf diese Weise drainiert, also trockengelegt, so die Projektleiterin, mit – in Zahlen – 483 Kilometer Entwässerungsgräben allein im zum Kreis Soest gehörenden Teil des Arnsberger Waldes.

Jennifer Weber, Kreisverwaltung Soest, im Dezernat Regionalentwicklung für Umwelt und Wasserwirtschaft verantwortlich (Bild: © Schulte-Nölle, Kreis Soest, bearbeitet)
Heute ist der Schaden größer als der Nutzen: Aufgrund des Klimawandels und der daraus resultierenden Trockenheit ist jeder Tropfen Wasser, der im Bestand bleibt, wichtig. Deswegen hat sich die Kreisverwaltung Soest gemeinsam mit Akteuren von Forst, Wasserwirtschaft und Naturschutz zum Projekt Schwammwald entschlossen.
Bis Ende 2027 werden insgesamt 48 Kilometer dieser Entwässerungsgräben zurückgebaut – eine ordentliche Strecke, die etwa der Längsausdehnung des Bodensees zwischen Bregenz und Konstanz entspricht. Im Dezember 2025 startete der erste von vier Bauabschnitten. Schon im Juni folgt Bauabschnitt II, mit Arbeiten an einem Nebenfluss der Heve, die neben der namensgebenden Möhne den Stausee mit Wasser speist.
Bund und Land unterstützen das Projekt finanziell
Die betreffenden Bereiche werden zunächst vom Oberboden befreit, mit mineralischem Boden, teilweise auch mit zuvor entferntem Gehölz verfüllt, danach wird der zwischengelagerte Oberboden wieder aufgebracht. Zentrales Anliegen sei die Aktivierung der natürlichen Versickerungsprozesse im Boden, erklärt Jennifer Weber. „Dies soll dazu beitragen, den Grundwasserspiegel in der Region wieder anzuheben, was nicht nur der Stabilität des Waldes zugutekommt, sondern auch langfristig positive Auswirkungen auf die gesamte Umwelt hat.“ Knapp 900.000 Euro haben der Bund (etwa 50%), das Land NRW (30%) und der Kreis Soest in dieses Projekt investiert.
Erste Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung. In einigen Au-Bereichen stehe das Wasser wieder an der Erdoberfläche an, die Versickerung in den Boden gehe spürbar verzögert vonstatten, sagt Jennifer Weber. Messstellen, um die Veränderung zu quantifizieren, werden in Kürze noch installiert. Fachleute der Fachhochschule Soest erheben zudem Daten wie Wasservolumen, ph-Wert, Nährstoffgehalt sowie den Grad der Durchwurzelung im Boden.
Gut möglich, dass dem Pilotprojekt am Möhnesee weitere folgen. Es gebe einige Anfragen von Kommunen oder Naturschutzverbänden, auch von privaten Waldbesitzern, berichtet die Projektleiterin. Offensichtlich kennt man nicht nur im Arnsberger Wald die Folgen der Erderwärmung und sucht nach Instrumenten, das ökologische Gleichgewicht und den Wasserhaushalt zu verbessern. Jennifer Weber empfiehlt, vergleichbare Projekte bewusst als Gemeinschaftswerk anzulegen, an dem alle relevanten Akteure sich beteiligen. Im Arnsberger Schwammwald, größtenteils in staatlichem und kommunalem Besitz, hat dies gut funktioniert. Benedikt Brüne























































