3. World Ocean AssessmentDer Zustand unserer Meere

Delphin mit Fischen
Foto: Getty Images / Unsplash+ Lizenz

Die Ozeane leiden unter den Folgen der Klimakrise, Überfischung und fossiler Infrastruktur. Neben ökologischen Schutzmaßnahmen nimmt die Wissenschaft nun auch die Rechte von Küstenregionen und indigenen Völkern in den Blick.

11.06.2026 – Der dritte UN-Bericht zum Zustand der Meere (WOA) kommt zu keinem positiven Ergebnis. Über 600 Wissenschaftler:innen aus aller Welt haben den Bericht über fünf Jahre erarbeitet. Die Ozeane bedecken rund 70 Prozent der Erdoberfläche und sind sowohl für die Tier- und Pflanzenwelt als auch für die Wirtschaft unverzichtbar. So sichern die Weltmeere direkt den Lebensunterhalt von über drei Milliarden Menschen.

Neben einer enormen Artenvielfalt erfüllen sie eine entscheidende Funktion im globalen Klimasystem, indem sie große Mengen der Wärme aufnehmen, die durch den Treibhausgaseffekt entsteht. Allerdings steigen so auch die Wassertemperaturen und die Meere übersäuern zunehmend. Mit fatalen Folgen: Seit 1870 wurden bereits rund die Hälfte aller lebenden Korallenriffe zerstört. Zusätzlich zur Klimakrise werden die Ökosysteme der Meere durch Überfischung und Verschmutzung bedroht.

Wirtschaftliche Nutzung und ökologische Belastungen

Die sogenannte blaue Wirtschaft wächst, allerdings steigen parallel dazu die Umweltbelastungen und die sozialen Probleme in den Küstenregionen. Die Vereinten Nationen warnen vor einer tiefen Krise der Weltmeere, da lebenswichtige marine Ökosysteme kurz davor stehen, unumkehrbare Schwellenwerte – sogenannte Kipppunkte – zu erreichen oder diese bereits überschritten haben. Ein deutliches Warnsignal für diese dauerhaften Veränderungen ist der Meeresspiegelanstieg, der sich von jährlich 2 Millimetern vor 2015 auf 4,3 Millimeter im Jahr 2023 mehr als verdoppelt hat.

Die Offshore-Öl- und Gasförderung wächst und macht inzwischen fast ein Drittel der weltweiten Produktion aus. Ölunfälle werden zwar seltener, verursachen jedoch weiter langfristige Schäden in den Nahrungsketten. Auf der anderen Seite tragen Offshore-Windkraft-, Gezeiten- und Wellenenergiesysteme zur globalen Energiewende bei. Auch bei diesen Technologien müssen die ökologischen Folgewirkungen allerdings weiterhin genau geprüft werden, heißt es im Bericht.

Mehr zum Thema

Riff in Malaysia
Milliardenrisiko im Riff

Fossiler Ausbau bedroht das Korallendreieck

Ein zivilgesellschaftliches Bündnis warnt Versicherer vor der Absicherung neuer LNG-Projekte im südostasiatischen Korallendreieck. Die industrielle Expansion gefährdet den artenreichen Amazonas der Meere und birgt erhebliche finanzielle Risiken.

Zusätzlich belastet Plastikmüll, vor allem in Form von Mikroplastik, die Ozeane massiv und gefährdet inzwischen über 4.000 Tier- und Pflanzenarten, was weltweite Kosten in Billionenhöhe verursacht. Um dieser Krise entgegenzuwirken, wird derzeit an einem globalen Plastikabkommen gearbeitet, das den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen sowie schädliche Zusatzstoffe regulieren soll.

Über 80 Prozent des weltweiten Handelsvolumens wird per Schiff transportiert. Der Sektor ist für rund 3 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich – und eine Dekarbonisierung zeichnet sich kurzfristig nicht ab. Rund 90 Prozent der Schiffe nutzen fossile Kraftstoffe, ein Trend, der sich auch bei Schiffsneubauten fortsetzt. 

Hochseeschutz und Tiefseegefährdung

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: Die  Integration von indigenem und lokalem Wissen gewinnt an Bedeutung. Dieses über Generationen gewachsene Erfahrungswissen wird zunehmend als gleichwertige Ergänzung zur klassischen Naturwissenschaft anerkannt. Unter dem Konzept Blue Justice wird in dem Bericht zudem betont, dass Geschlechterperspektiven und die Rechte marginalisierter Gruppen konsequent einbezogen werden sollten. 

Weiterhin trat nach 20 Jahren Verhandlungen Anfang des Jahres das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft. Leitziel ist, bis 2030 30 Prozent der Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Das Abkommen gilt unter Umwelt- und Klimaexperten als Meilenstein. Auch die Erforschung mariner genetischer Ressourcen, etwa für Medikamente oder technologische Innovationen, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Tiefsee, deren Ressourcenausbeutung in den vergangenen Jahren zunehmend diskutiert wird, fällt nicht unter das Abkommen. jb

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen