Kritik an Agrarpolitik-Plänen der EU-KommissionDeutsch-französisches Bündnis fordert Kurswechsel bei der GAP

Maisfeld
Deutsche und französische Verbände warnen vor Abbau der Umweltschutzvorgaben in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU und fordern grundlegende Änderungen(Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz)

Ein deutsch-französisches Bündnis fordert die Umgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Um Höfe und Ökosysteme zu schützen, braucht es faire Erzeugerpreise, verlässliche Umweltstandards und einen gezielten Generationenwechsel.

08.06.2026 – In einer gemeinsamen Erklärung fordern Verbände aus Deutschland und Frankreich die Institutionen der Europäischen Union auf, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) grundlegend umzugestalten. Die Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Klima, Verbraucher- und Tierschutz fordern, dass die nächste GAP die bäuerlichen Betriebe spürbar unterstützt, landwirtschaftliche Ökosysteme schützt und die Einkommen der Erzeuger sichert. Nur so könne langfristig die Ernährungssouveränität gesichert und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen erhöht werden.

„Angesichts der sich häufenden aktuellen Krisen fordern wir die Vertreter*innen der europäischen Institutionen dringend auf, sich dieser Herausforderung zu stellen.“, kommentiert Mathieu Courgeau, Co-Präsident des Collectif Nourrir. „Unser gemeinsames Handeln ist notwendiger denn je, um unser Agrar- und Ernährungssystem zu stärken statt zu schwächen.“

Sorge vor dem Abbau von Umwelt- und Klimastandards mit der GAP-Reform

Das französische Collectif Nourrir und die deutsche Verbände-Plattform warnen, dass die gemeinsamen Fundamente der europäischen Agrarpolitik untergraben werden. Die im vergangenen Juli vorgelegten Gesetzesvorschläge der Europäischen Kommission befinden sich derzeit im Rat und im EU-Parlament in der Abstimmung. Das Problem: Sie verankern keine konkreten Umwelt- und Klimaziele mehr in der nächsten GAP. Diese Entwicklung gefährdet die Natur und die langfristige Basis der Nahrungsmittelproduktion, die Gesundheit von Erzeugern und der gesamten Bevölkerung. Statt den Zusammenhalt angesichts geopolitischer und ökologischer Krisen zu stärken, drohe ein verschärfter Wettbewerb zwischen den Mitgliedstaaten, der zu einem schrittweisen Abbau von Standards führen könnte.

Ein verbindlich gesichertes Budget für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen und europäische Mindeststandards sind auch notwendig, um die EU-Naturwiederherstellungsverordnung umzusetzen. Diese verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, geschädigte Ökosysteme schrittweise zu verbessern und ihre ökologische Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Die Naturwiederherstellungsverordnung bietet eine Chance, Umwelt- und Klimaschutz mit Land- oder Forstwirtschaft zu verbinden.

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Naturschutz ist kein Luxus, sondern die wirtschaftliche Existenzabsicherung für die Landwirtschaft. Wie die WVO und die GAP ab 2028 durch einkommenswirksame Anreize statt Verbote verbunden werden können, zeigt die Stellungnahme von SRU und WBBGR.

Deutsche Klima- und Umweltverbände äußern sich bereits seit längerem besorgt über den Abbau von Naturschutz in der GAP. Kürzlich stellte zudem der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) und der Wissenschaftlichen Beirats für Biodiversität und Genetische Ressourcen (WBBGR) in einer gemeinsamen Stellungnahme klar, dass eine intakte Natur kein Luxus ist, sondern die wirtschaftliche Existenzabsicherung für die Höfe.

Ungerechte Verteilung gefährdet den ökologischen Wandel

Ein zentraler Kritikpunkt ist die wirtschaftliche Situation der Landwirtinnen und Landwirte. Eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln setzt eine faire und transparente Vergütung voraus. Die aktuellen Entwürfe verpassen jedoch die Chance, kleinere und mittlere Betriebe durch eine gezielte Einkommensstützung zu entlasten.

Da das GAP-Budget ungewiss ist und die Reform der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) als wenig ambitioniert gilt, droht eine Beibehaltung der bisherigen, ungleichen Verteilung der Förderung. Dies gefährdet die Planungs- und Einkommenssicherheit jener Betriebe, die den ökologischen Wandel vorantreiben wollen. Zudem droht der Sektor dadurch noch abhängiger von umweltschädlichen Praktiken und importierten, fossilen Betriebsmitteln zu werden.

Die vier Kernforderungen für eine zukunftsfähige EU-Agrarpolitik

Um die GAP an die anstehenden Herausforderungen anzupassen, fordern das Collectif Nourrir und die Koordinatoren der deutschen Verbände-Plattform, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der BUND, umfassende Nachbesserungen in vier Kernbereichen.

Zunächst fordern die Verbände eine echte Reform der GMO, um die Marktposition und das Einkommen der Landwirte durch faire Preise zu stärken. Die bisherigen flächenbezogenen Zahlungen sollen gemäß den Vorschlägen des Strategischen Dialogs schrittweise abgeschafft werden.

Zweitens müssen Agrarumwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen ausgebaut werden. Hierzu fordern die Organisationen ein Mindestbudget, das über den aktuellen Anteil hinausgeht, sowie attraktivere Finanzierungssätze. Bestimmte Maßnahmen sollten, vergleichbar mit den aktuellen Ökoregelungen der ersten Säule, vollständig durch die Europäische Union finanziert werden.

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Drittens werden europaweit einheitliche Bedingungen für die Betriebsführung gefordert. Durch anspruchsvolle ökologische und soziale Kriterien im Rahmen des sogenannten Farm Stewardship soll ein verlässlicher Standard etabliert werden. Zu einem entsprechenden Standard gehört unter anderem der flächendeckende Schutz von Dauergrünland in allen Mitgliedstaaten.

Viertens müsse die Agrarpolitik den Generationenwechsel gezielt fördern. Die Verbände fordern, dass Niederlassungsbeihilfen für Jung- und Neulandwirte sowie allgemeine GAP-Zahlungen konsequent an nachhaltiges Wirtschaften gekoppelt werden. Antragsteller sind nicht mehr nur traditionelle Betriebe, sondern auch Personen, die in alternativen Betriebsstrukturen arbeiten sowie Betriebe im Umstellungsprozess. Beihilfeangebote müssen sich an all diese Gruppen richten.

„Um die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern, brauchen wir eine wirklich europäische politische Antwort und einen Governance-Rahmen, der diejenigen in den Vordergrund stellt, die soziale und ökologische Leistungen erbringen. Wir brauchen keinen renationalisierten Ansatz, der die Agrarpolitik zu einer Nebensache degradiert, unsere kollektive Handlungsmacht schwächt und Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen ausbremst“, so Ottmar Ilchmann, agrarpolitischer Sprecher der AbL & Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND. Die Nachbesserungsvorschläge sind im Detail in einer umfassenden Stellungnahme nachzulesen. jb

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