Tag der ökologischen Vielfalt: Die Biene ist wieder da

Blühflächen, Nisthilfen, Wildsträucher und Hecken: Ein Gemeinschaftsprojekt am Bodensee zeigt, wie bei den Bienen die Artenvielfalt zurückkehren kann.
22.05.2026 – Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai machen die Vereinten Nationen auf den weltweit dramatischen Rückgang der Tier- und Pflanzenwelt aufmerksam. Zwei Tage vorher, am 20. Mai, feiern die UN seit 2018 den Welttag der Bienen. Botschaft: Die natürliche Artenvielfalt ist Voraussetzung für intakte Ökosysteme, nachhaltige Landwirtschaft, für Ernährung und Gesundheit – und damit schützenswert.
Wer dies betont, hat allen Grund dazu: Allein in den vergangenen 50 Jahren seien die Wirbeltierbestände um 73 Prozent dezimiert worden, teilt der WWF mit. Und nur bei den Fluginsekten konstatierten die Autoren der Krefelder Studie einen Rückgang von rund 76 Prozent der Biomasse im Zeitraum von 1989 und 2016.
Dass sich langfristiges Engagement auszahlt, zeigt ein Biodiversitätsprojekt der in Radolfzell ansässigen Bodensee-Stiftung. Aufgrund des Engagements der teilnehmenden Obstbaubetriebe im Städtedreieck Tettnang/Ravensburg/Sipplingen hat sich die Zahl der Wildbienenarten nördlich vom Bodensee seit Projektstart nahezu verdoppelt – von 56 Arten im Jahr 2010 auf zuletzt 112 Arten. Darunter gelten 26 Arten als landesweit im Bestand bedroht, oder sie sind in der Vorwarnliste aufgeführt.
Die Initiative war vor 16 Jahren von der Bodensee-Stiftung, der Obst-Vertriebsgesellschaft OvB, der REWE-Group und dem Kreisimkerverein Tettnang-Friedrichshafen ausgegangen. Die Erfolge sprechen für sich: Im Jahr 2025 haben 91 Betriebe mit mehr als 900 Hektar Gesamtobstbaufläche an dem Projekt teilgenommen.
Auf mehr als 300.000 Quadratmetern haben sie einjährige Blühflächen und auf rund 130.000 Quadratmetern mehrjährige Blühflächen angelegt. 437 Nistkästen wurden für Singvögel, knapp 100 Wildbienen-Nisthilfen und 14 Nistkästen für Fledermäuse installiert sowie 1410 Wildsträucher/Hecken angepflanzt. Ziel: ein reichhaltiges Nahrungsangebot, Rückzugsgebiete und charakteristische Habitate für die Wildbienen zu schaffen und die Biodiversität im Obstbau zu stärken.
Teamwork der Schlüssel zum Erfolg
Der Anstieg bei den nachgewiesenen Bienenarten entlohnt die Akteure für ihre Bemühungen. „Unser Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass es gelingen kann, einen Beitrag zur Stärkung der Biodiversität zu leisten, wenn mehrere Partner wie hier an einem Strang ziehen und die Umsetzungsschwelle eher gering ist“, erklärt Sabine Sommer, Projektleiterin bei der Bodensee-Stiftung.
Ein Wildbienenmonitoring ist fester Bestandteil des Projekts. Nach den Jahren 2010, 2013, 2017 und 2021 wird es aktuell zum fünften Mal durchgeführt. „Eindrücklich zeigen die Ergebnisse, dass auch intensiv bewirtschaftete Erwerbsobstanlagen durch die Umsetzung von entsprechenden Maßnahmen einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Biodiversität leisten können“, sagt Sabine Sommer.
Für das Land Baden-Württemberg sind das gute Nachrichten: Denn nachdem Anfang des Jahres die Halbzeitbilanz bei der Umsetzung des (mindestens) auf zehn Jahre angelegten Biodiversitätsstärkungsgesetzes eher mäßig ausfiel, liefert das Monitoring einen Hinweis darauf, wie die Ergebnisse besser ausfallen könnten – mit gemeinschaftlichem Teamwork unterschiedlicher Partner. Am Bodensee freuen sich darüber nicht nur die schlauen Flugobjekte. Sabine Sommer: „Wenn es den Wildbienen gut geht, geht es auch anderen Arten gut.“ Benedikt Brüne





















































