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Klimaklage




Grüne Hauptstadt Europa 2021Die finnische Stadt Lahti will bis 2025 klimaneutral sein

Blick von der Skisprungschanze auf die Grüne Hauptstadt Europas 2021 Lahti.
Ainoastaan hyppääjille – Nur für Springer: Blick von der Skisprungschanze auf die Grüne Hauptstadt Europas 2021 Lahti. Hier liegt im Winter noch echter Schnee, und so soll es auch bleiben. (Foto: Maasaak / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Die Grüne Hauptstadt Europas des nächsten Jahres Lahti strebt an, schon 2025 zu den ersten klimaneutralen Städten Finnlands zu gehören. Das ist ambitioniert, doch die Zusammenarbeit von Industrie, Wissenschaft und Bürgern treibt die Ziele voran.

15.12.2020 – Lahti ist die erste Grüne Hauptstadt Europas in der Arktisregion – einem Gebiet, das sich gemessen am globalen Durchschnitt fast doppelt so schnell wie andere Regionen erwärmt. Bereits vor zehn Jahren beschloss die südfinnische Stadt mit rund 120.000 Einwohnern ihre Pro-Kopf-CO2-Emissionen bis zum Jahr 2025 zu halbieren. 2018 lag die CO2-Reduktion pro Einwohner schon bei 70 Prozent, verglichen mit 1990. Das nächste Ziel heißt Klimaneutralität bis 2025, ohne den Kauf von Emissionsgutschriften – das wären 25 Jahre früher, als es der von der Europäischen Kommission entworfene „European Green Deal“ vorsieht.

Die Kraft der Gemeinschaft

Der Titel Grüne Hauptstadt Europas wird Städten von der Europäischen Kommission verliehen, die eine Vorreiterstellung beim Klimaschutz und der Energiewende einnehmen und für andere Städte als Vorbild in der Entwicklung von innovativen Lösungen für Umweltprobleme stehen.

Bereits vor vielen Jahren hat Lahti die Aufmerksamkeit auf Umweltprobleme fokussiert und eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Verwaltung, Unternehmen und Einwohnern forciert. „Wir haben gute Ergebnisse erzielt, obwohl dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht immer einfach und unkompliziert war“, sagt Saara Vauramo. Die Ökologin arbeitet in der Stadtverwaltung an dem Klimaschutz-Plan. „Es liegen schwere Jahre hinter uns, aber wir konnten anderen Städten beweisen, dass auch mittelgroße Städte – gestützt auf die Kraft der Zusammenarbeit – als Vorbild für die Entwicklung der Umwelt dienen können.“

Umweltschutz als Maßstab

Die achtgrößte Stadt Finnlands liegt ca. 100 Kilometer nördlich von Helsinki am Vesijärvi-See. Bekannt ist Lahti vor allem als ein Zentrum des nordischen Skisports und den drei markanten Skisprungschanzen hoch über der Stadt. 2017 hatte die Stadt bereits zum sechsten Mal die Nordischen Skiweltmeisterschaften ausgerichtet.

Lahti ist aber auch eine Industriestadt. Deutliche Spuren der Industrie fanden sich vor einigen Jahren noch im Vesijärvi-See, der sich bis in die Stadt hinein erstreckt. Der See wurde über die Jahre stark verschmutzt und mit der Zeit eutroph. Über die im Jahr 2007 gegründete Vesijärvi-Stiftung wurde gemeinsam mit Industrie, Universität und Einwohnern die Sanierung des Sees finanziert und schrittweise vorangetrieben. Der Vesijärvi-See gilt nun als Paradebeispiel dafür, was Verwaltung, Industrie, Wissenschaftler und Bürger im Zusammenschluss bewirken können.

Energiewende auf lokaler Ebene

Auch in der Abfallwirtschaft nahm Lahti eine Pionierstellung ein: Es war die erste Stadt Finnlands, deren Einwohner bereits in den 1990er aktive Mülltrennung betrieben. Dank einem hochwertigen Abfallbewirtschaftungssystem und Energierückgewinnung werden heute mindestens 97 Prozent der Haushaltsabfälle verwertet.

Die Stadt hat ihre Fernwärmeproduktion auf Erneuerbare Energien und Recyclingbrennstoffe umgestellt. Die zuvor verwendete Kohle wurde durch Holzbiomasse ersetzt: Dabei handelt es sich größtenteils um Abfallholz aus der Industrie, das für die Wiederverwendung nicht geeignet ist. „Wir können unsere Abfälle in außergewöhnlichem Umfang als Energie nutzen, da wir bei fast allem, was wir verbrennen, auf die neuesten Technologien zurückgreifen“, erläutert Vauramo. Es werde eine innovative und umweltfreundliche Technologie eingesetzt, sagt die Ökologin. „Diese Technologie wandelt Abfälle in Gas um, das verbrannt und wiederrum in thermische und elektrische Energie umgewandelt wird.“ Mithilfe der Energierückgewinnung aus Abfall und der Verwendung von Holzbiomasse konnte Lahti sich bereits im letzten Jahr vollständig von der Kohle verabschieden.

Persönlicher Emissionshandel per App

Um die Einwohner Lahtis zu animieren, sich umweltbewusst und möglichst emissionsfrei zu bewegen, hat die Stadt in Zusammenarbeit mit Universitäten eine persönliche Emissionshandels-App entworfen. Damit lässt sich spielerisch per Smartphone der eigene CO2-Fußabdruck überwachen. Grundsätzlich sollte jeder Bürger nicht mehr als 25 Kilogramm CO2 pro Woche ausstoßen, je nach Lebensumständen. Wer den Wert einhält oder unterschreitet, bekommt eine kleine Prämie, etwa ein Busticket oder eine Fahrradreparatur.

Zusammenarbeit verschiedener Akteure führt zum Erfolg

In Lahti sind es vor allem die die großen Unternehmen, die früh schon ihr Interesse an Umweltfragen gezeigt haben und sich nun aktiv an der Zusammenarbeit beteiligen. Um auch kleinere Unternehmen ins Boot zu holen, wurde die für die Verwirklichung des Umwelthauptstadtjahrs verantwortliche Stiftung Kestävä Lahti (Nachhaltiges Lahti) ins Leben gerufen. Darin sollen große und kleine Unternehmen sowie Akteure der öffentlichen Verwaltung zueinander finden. Im Rahmen der Stiftung soll auch geprüft werden, wie man innovative Technologien und neue Arbeitsweisen hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz in Zukunft noch besser nutzen kann.

Ecocity Forum 2021

Zum Grüne-Hauptstadt-Jahr sind in Lahti internationale Veranstaltungen zu Umwelt- und Klimaschutz geplant. Das Ecocity Forum ist als Hybrid-Veranstaltung konzipiert, bei der man physisch in der aus Holz konstruierten Sibelius-Halle oder virtuell über das Internet an der Veranstaltung teilnehmen kann. Experten aus aller Welt stellen dann ihre Forschungsergebnisse vor, die zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels beitragen können. na

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