Oder-Katastrophe: Drei Jahre nach dem Fischsterben

Zum dritten Mal jährt sich das Fischsterben an der Oder. Zwischen Juli und September 2022 verendeten unzählige Fische, Muscheln und Schnecken – als Folge einer Algenblüte. Naturschutzverbände wenden sich mit einer Vision für die Oder an die Politik.
30.07.2025 – Das katastrophale Fischsterben an der Oder hat gezeigt, wie schnell ein Ökosystem in die Krise geraten kann. Die Ursache für das Fischsterben 2022 war ein Zusammenspiel aus Hitze, Dürre und hohen Salzeinleitungen aus polnischen Bergwerken. Schätzungsweise 1000 Tonnen Fisch sowie unzählige Muscheln und Schnecken im polnischen und deutschen Teil des Flusses verendeten. Die Umweltbedingungen hatten die massenhafte Blüte einer für die Weichtiere giftigen Algenart befeuert.
Die Auswirkungen auf die Ökologie des Flusses sowie den regionalen Tourismus waren groß. Zwar haben beide betroffenen Anrainerstaaten einige Maßnahmen ergriffen – etwa eine bessere internationale Kommunikation im Katastrophenfall oder Sanktionen gegen verbotene Einleitungen in den Fluss. Dennoch haben sie den Ausbau der Oder weiter vorangetrieben.
Damit sich eine solche Umweltkatastrophe nicht wiederholt, fordern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und EuroNatur die Bundesregierung sowie die polnische und tschechische Regierung dazu auf, sich ihrer „Vision für die Oder“ anzuschließen. Die Verbände setzen sich dafür ein, dass die Flusslandschaft widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen wie Dürre und Hitzestress und auch gegenüber Nährstoff- und Schadstoffeinträgen gemacht wird. Dazu zählen konkrete Naturschutzmaßnahmen sowie eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Theresa Wagner, beim BUND-Koordinatorin für den Oderschutz, resümiert: „Selbst im Angesicht der Katastrophe hat kein Umdenken stattgefunden. Noch immer wird Salz in die Oder geleitet und am Ausbau festgehalten. Das alles schadet dem Fluss. Wir müssen die Oder als naturnahen, artenreichen Ort für die Anwohner:innen und uns alle erhalten.“ Der BUND und andere Umweltorganisationen haben zuletzt im Januar eine Klage am Woiwodschaftlichen Verwaltungsgericht Warschau zur Aufhebung der Genehmigung des Oder-Ausbaus in Polen gewonnen. Das Klagebündnis, darunter der BUND Brandenburg, erwartet jetzt den Rückbau von illegalen Bauten beziehungsweise ökologische Ausgleichsmaßnahmen.
Die Vision ist, die Oder als natürliches Flussökosystem zu erhalten und nachhaltig zu entwickeln. Dazu zählen beispielsweise nachhaltige Tourismusinfrastrukturen wie die Aufwertung des Oder-Neiße-Radweges. Annette Spangenberg, Programmleiterin Fließgewässer bei EuroNatur, ergänzt: „Zudem müssen wir den Fluss klimafit für zukünftige Hitzesommer machen; Renaturierungsmaßnahmen wie die Wiederherstellung natürlicher Wasserrückhalteflächen tragen dazu bei. Zudem wollen wir die Menschen emotional wieder näher an den Fluss heranbringen – die Oder ist entgegen ihrem Image ein Fluss voller Leben.“
Das internationale Bündnis „Zeit für die Oder“ ist eine Koalition aus zehn deutschen, neun polnischen und sieben tschechischen Umweltorganisationen und Flüssebündnissen , die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass die Oder und ihr Umfeld wieder zu einem lebendigen Flussstrom entwickelt werden. Mitglieder im deutschen Teil des Bündnisses sind: Bund für Umwelt und Naturschutz Brandenburg (BUND), BUND Deutschland, Deutscher Naturschutzring (DNR), Deutsche Umwelthilfe (DUH), EuroNatur, Heinz Sielmann Stiftung, Michael Succow Stiftung, Rewilding Oder Delta, Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal, WWF Deutschland. pf
















































