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Biologische VielfaltEin düsteres Bild unseres Planeten

Feuerwehrleute, mit Atemschutzmasken, löschen die letzten Reste eines Waldbrandes
Wälder, die aus Monokulturen bestehen, sind ein besonders leichtes Opfer für die Flammen (Foto: Andreas Trojak / flickr.com, CC BY 2.0).

Am Montag wird der Weltbiodiversitätsrat seinen Bericht zum globalen Zustand der biologischen Vielfalt veröffentlichen. Bereits im Vorfeld warnen Umweltverbände vor den massiven Folgen unseres Handelns und zeigen gleichzeitig Lösungswege auf.

04.05.2019 – Was der IPCC, der Intergouvernmental Panel on Climate Change, für den Klimaschutz ist, ist der IPBES – die Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services – für die biologische Vielfalt unseres Planeten. Und dieser Weltbiodiversitätsrat tagt noch bis heute in Paris, um am Montag seinen aktuellen Bericht zu veröffentlichen. Und dieser Bericht wird schockierend sein und ein düsteres Bild unseres Planeten zeichnen, da sind sich Umweltverbände sicher, die im Vorfeld zu einer Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum eingeladen hatten.

Denn während weite Teile des Berichts noch unter Verschluss sind, ist eine Zahl bereits sicher: Wenn wir weiter so Handeln wie bisher, dann könnte die Erde bis zu einer Millionen Arten im kommenden Jahrzehnt verlieren. „Die Maßnahmen, die bisher ergriffen wurden, reichen einfach nicht aus“, erklärt Georg Schwede, von der Campaign for Nature, eine globale Initiative, die auf die Biodiversität unseres Planeten und deren Zerstörung aufmerksam macht. „Das ist eine Bankrotterklärung der internationalen Politik“, so Schwede weiter.   

„Die immer intensivere Landwirtschaft ist der Haupttreiber für das Artensterben“

Als einer der Treiber dieser Biodiversitätskrise machen Experten, wie Konstantin Kreiser vom NABU, die Landwirtschaft und Landnutzung aus. „Die immer intensivere Landwirtschaft ist der Haupttreiber für das Artensterben, nicht nur in Europa. Die Bundesregierung muss sich endlich auf EU-Ebene für eine andere Agrarpolitik einsetzen“, so Kreiser. Dabei könne die Rettung der Biodiversität nicht vom Mut einzelner abhängen, die sich bereits für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen.

Vielmehr brauche es nun in der Europäischen Union verschärfte Regeln und zum Teil Verbote, damit eine Agrarwende gelinge. Als zusätzliches Mittel sieht Kreiser die Möglichkeit eines Fonds für Naturschutz, durch den Landwirte für nachhaltiges Wirtschaften belohnt werden. Im gleichen Zuge müsste die EU auch außerhalb ihrer Grenzen aufhören, Naturschutz zu konterkarieren.

Mindeststandards für Importe in die EU gefordert

Denn bislang fehlen Mindeststandards für Güter, die in die EU eingeführt werden, wie Jörg-Andreas Krüger vom WWF kritisiert. Dabei bezieht er sich insbesondere auf Palmöl und Mineralien, deren Förderung auf anderen Kontinenten weitab von jeglichen Nachhaltigkeitsaspekten stattfindet. Neben Mindeststandards für entsprechende Güter fordert Krüger auch verbindliche Standards für die Finanzmärkte und deren Investments. Dabei gehe es vor allem um eine Abkehr von Investitionen in fossile Energien.

Stattdessen müsse die Finanzwelt verstärkt in die Wiederaufforstung der Wälder investieren und bestehende schützen. Michael Brombacher von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt sieht hier die Möglichkeit durch den Aufbau von Stiftungen, in denen attraktive Instrumente für private Geldgeber geschaffen werden könnten. Denn bislang fehle das Geld für viele der weltweiten potenziellen Schutzgebiete. Brombacher rechnet dabei vor, dass pro Schutzgebiet ca. eine Millionen Euro für dessen Erhalt zur Verfügung stehen muss.

Bei der Wiederaufforstung wiederum sei es wichtig, keine massive schnelle sogenannte „afforestation“ mit Monokulturen zu vollziehen, warnt Christoph Ties von Greenpeace und verweist auf die Waldbrände im Osten Deutschlands letztes Jahr. Dort brannten vor allem Monokulturen, bestehend aus Fichtenwäldern. Stattdessen sei Reforestation das Schlagwort, also der Aufbau natürlicher Waldgebiete, mit verschiedensten Pflanzen, die die natürliche Artenvielfalt der Region wiederspiegelt.

Indigene Völker sollten ein Vorbild sein

Beim Umgang mit den natürlichen Ressourcen sollten indigene Völker ein Vorbild für uns sein, meint Thies. Denn diese würden es schaffen in einer intakten Umwelt mit großer biologischer Vielfalt zu leben. Deren Lebensraum und Überleben gelte es deswegen ebenso zu schützen. Und um die Erde vor dem biologischen Kollaps zu retten müssten für Thies auch irgendwo die Freiheiten des einzelnen gedeckelt werden, mit einer Mischung aus Anreizen, Regeln und Verboten. mf