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Deep Sea MiningEin guter Tag für die Tiefsee

Walfinne im Wasser
Keine Gelder für Tiefseebergbau in Norwegen (Bild: Unsplash+ Community / Unsplash+ Lizenz)

Kehrtwende in Norwegen: Die Regierung legt die Lizenzvergabe für Tiefseebergbau auf Eis. NGOs sehen darin ein starkes Signal für den Schutz der Arktis und gegen riskante Rohstoffprojekte in kaum erforschten Meeresgebieten.

04.12.2025 – Norwegens Regierung hat entschieden, in den kommenden vier Jahren keine Gelder für den Tiefseebergbau zur Verfügung zu stellen. Damit liegt auch die geplante Lizenzvergabe für die Bergbau-Areale in der Arktis auf Eis, die Norwegen zuvor in Aussicht gestellt hatte. NGOs sehen die Entscheidung im Rahmen der parlamentarischen Haushaltsdebatte als Rückzugssignal an die Rohstoffindustrie.

“Norwegens Tiefseebergbau-Industrie wird der Riegel vorgeschoben. Diese Entscheidung ist die einzig richtige, um die Tiefsee, den letzten weitgehend unberührten Lebensraum der Erde, vor der Zerstörung zu schützen“, freut sich Greenpeace-Meeresexpertin Franziska Saalmann über die positive Kehrtwende.

Rohstoffe in der Arktis abbauen?

Ende 2024 fror Norwegen seine Pläne für Lizenzen zum Rohstoffabbau in der Tiefsee überraschend bis Ende 2025 ein. Anfang des Jahres hatte das norwegische Parlament erstmals grünes Licht für Tiefseebergbau in einem Arktis-Areal in seinen Hoheitsgewässern gegeben. In einem rund 281.200 Quadratkilometer großen Gebiet um die arktische Inselgruppe Svalbard sollten Möglichkeiten eines kommerziellen Abbaus von Mangan- und Kobaltkrusten erkundet werden.

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Heute endet die Generalversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde in Jamaika. Die Staaten geben die Hoheit über die Tiefsee noch nicht auf – trotz des Vorpreschens von US-Präsident Trump. Auf einen Mining-Code hat man sich nicht geeinigt.

Greenpeace kritisierte daraufhin in einer Analyse fehlende Regulierungen und unzureichende Umweltprüfungen im norwegischen „Seabed Minerals Act“. Die Folgeabschätzung entspreche nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen des Meeresbodenmineraliengesetzes und sei als Entscheidungsgrundlage zur Öffnung der Gebiete für den Tiefseebergbau untauglich. Der WWF Norwegen reichte rechtliche Schritte gegen seine Regierung ein.

Rohstoffhunger

Das zunehmende Interesse am Tiefseebergbau hängt wohl auch mit der steigenden Nachfrage nach bestimmten Metallen und Mineralien zusammen, die für Digitalisierung und die grüne Wende unabdingbar sind. Kupfer, Mangan, Kobalt und Lithium stehen alle auf der Liste strategisch wichtiger Rohstoffe der EU.

Die Europäische Kommission hat sich allerdings gegen Tiefseebergbau ausgesprochen. Auch der Critical Raw Materials Act, der Rohstoffabbau in der EU fördern soll, erkennt Tiefseebergbauvorhaben nicht als strategische Projekte an. Die Europäische Investmentbank will ebenfalls nicht in Tiefseebergbauprojekte investieren, da diese nicht mit Umwelt- und Klimazielen vereinbar seien. Vor Norwegens Vorstoß hatten zudem bereits knapp 120 EU-Abgeordnete Norwegen in einem offenen Brief aufgerufen, sich von dem Vorhaben abzuwenden.

Unbekannte Tiefen

Die Tiefsee gilt als am wenigsten erforschtes Gebiet der Erde. Sie beginnt ab 200 Metern unter dem Meer. Tiefseeboden macht mehr als die Hälfte der Erdoberfläche aus, von dem bisher lediglich 0,01 Prozent erkundet wurde. Bei Explorationen finden Forscher regelmäßig unbekannte Tier- und Pflanzenarten.

Forscher bestätigen, dass Tiefseebergbau den Ökosystemen erheblichen Schaden zufügen würde, von dem sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit über Jahrhunderte nicht erholen. Es besteht Einigkeit darüber, dass zu wenig über die Ökosysteme der Tiefsee bekannt ist, um umweltschonende Verfahren für den Tiefseebergbau zu entwickeln.

Der kommerzielle Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee ist noch nirgendwo auf der Welt erlaubt. 800 Meeresbiologen und -experten fordern seit Jahren mit Unterstützung zahlreicher NGOs sowie bisher 32 von 169 Mitgliedern der Internationalen Meeresbehörde (ISA) einen Stopp der geplanten Tiefseebergbauvorhaben in internationalen Gewässern.

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Das Erbe der Menschheit ausbeuten

Die internationale Tiefsee und ihre Rohstoffe wurden von der internationalen Staatengemeinschaft zum gemeinsamen Erbe der Menschheit erklärt. Die Internationale Meeresbehörde verhandelt seit einigen Jahren mit Hochdruck über die Zukunft des Tiefseebergbaus. Der Druck stieg im vergangenen Jahr, da explizite Anträge eingegangen waren, denen die ISA eine Antwort schuldig blieb.

Anfang des Jahres stieg der Druck weiter, da US-Präsident Donald Trump Anspruch auf die internationale Tiefsee erhob. Eine Executive Order erlaubt es Unternehmen wie der Metals Company (TMC), Anträge für den Rohstoffabbau am Meeresboden internationaler Gewässer zu stellen. Trump setzt sich damit über die Internationale Gemeinschaft und das Völkerrecht hinweg. Ein von TMC gestellter Antrag wird in den USA bearbeitet, die Folgen sind noch unklar.

Keine konsequente Absage aus Deutschland

Deutschland setzt sich offiziell für eine vorsorgliche Pause zur Erforschung der Tiefsee ein. Dies ist sogar im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung festgehalten. Ganz uninteressiert am Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee ist die Bundesregierung jedoch nicht. So besitzt Deutschland etwa zwei Explorationslizenzen für ein 75.000 Quadratkilometer großes Gebiet mit Manganknollen im Zentralpazifik in der Clarion-Clipperton-Zone.

„Erst kürzlich hat die Bundesregierung das Forschungsprojekt Deep Sea Sampling 2 bewilligt, an dem auch das Unternehmen Bauer beteiligt ist. Die Bundesregierung finanziert damit die Entwicklung von Abbaumaschinen für Metalle an unterseeischen Vulkanen mit, statt sich konsequent gegen alle Tiefseebergbaupläne auszusprechen“, kritisiert Saalmann. „Diese Forschungsgelder sollten stattdessen in die Erkundung der Tiefseeökosysteme und ihrer Funktionen fließen.” Deutschland müsse nun auch erkennen, dass Tiefseebergbau keine Zukunft habe. jb

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