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MeeresschutzEin Zeichen gegen Tiefseebergbau

Greenpeace Protest gegen Tiefseebergbau, Berlin 2025
Ein Zeichen gegen Tiefseebergbau: Greenpeace positioniert einen zehn Meter großer Oktopus am Spreeufer vor dem Reichstag in Berlin (Bild: Petra Franke).

Heute endet die Generalversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde in Jamaika. Die Staaten geben die Hoheit über die Tiefsee noch nicht auf – trotz des Vorpreschens von US-Präsident Trump. Auf einen Mining-Code hat man sich nicht geeinigt.

25.07.2025 – Heute endet nach knapp drei Wochen die jährliche Generalversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Jamaika. Hauptthema der Verhandlungen zwischen den 169 Staaten und der EU war die mögliche kommerzielle Ausbeutung des Meeresbodens.

Erbe der Menschheit

Die Tiefsee gilt dem Völkerrecht nach als Erbe der Menschheit und gehört keinem Land, sondern allen Menschen der Erde gleichermaßen. Die ISA, die 1994 durch das Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) gegründet wurde, verwaltet dieses Erbe.

Tiefseebergbau wird derzeit noch nirgendwo auf der Welt kommerziell betrieben. Seit Jahrzehnten diskutieren Staaten, ob, und wenn ja, unter welchen Bedingungen ein Rohstoffabbau in der Tiefsee zugelassen werden soll. Der Druck stieg im vergangenen Jahr, da explizite Anträge eingegangen waren, denen die ISA eine Antwort schuldig blieb.

Pause heißt nicht Stopp

Umweltschutzorganisationen, eine wachsende Länderkoalition sowie Forscher fordern seit langem ein Moratorium gegen den geplanten Tiefseebergbau. Deutschland setzt sich derzeit zwar für eine sogenannte vorsorgliche Pause bei der Erlaubnis von Tiefseebergbauaktivität ein. In dessen Rahmen dürfen Unternehmen allerdings weiterhin einen geplanten Tiefseebergbau vorbereiten und beispielsweise Abbaumaschinen testen. Derzeit gibt es 31 solcher Erkundungsprojekte. Auch Deutschland besitzt zwei Explorationslizenzen für ein 75.000 Quadratkilometer großes Gebiet mit Manganknollen im Zentralpazifik in der Clarion-Clipperton-Zone.

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Gemeinsam mit der Deep Sea Conservation Coalition forderte Greenpeace Umweltminister Carsten Schneider (SPD) und die Bundesregierung bereits im Vorfeld in einem Brief auf, sich bei der ISA-Konferenz deutlicher gegen Tiefseebergbau und für eine allgemeine Grundsatzregelung zum Schutz der Meeresumwelt einzusetzen. Letztere zielt darauf ab, Maßnahmen und Regelungen zu etablieren, um die Tiefsee vor Zerstörung zu bewahren. Die deutsche Delegation war ohne Umweltminister Schneider vor Ort.

„Es braucht ein klares Bekenntnis der Bundesregierung gegen den Start von Tiefseebergbau, um unumkehrbare Schäden am Meeresboden zu verhindern”, sagt Anna Saito, Greenpeace-Expertin für Tiefseebergbau. “Sie muss sich für ein globales Moratorium einsetzen, das die Ausbeutung der Tiefsee stoppt. Wir müssen jetzt diesen noch unberührten Lebensraum vor überhasteten, zerstörerischen Eingriffen schützen. Deshalb darf auch das umstrittene Regelwerk – der Mining Code – nicht vorangetrieben und verabschiedet werden.“

Trump regiert an internationalen Abkommen vorbei

Eine gemeinsame Position der ISA-Staaten zu einem Mining Code bzw. einem Moratorium ist in den vergangenen Monaten umso dringlicher geworden. Anfang Mai unterzeichnete US-Präsident Trump eine Executive Order, die es Unternehmen wie der Metals Company (TMC) erlauben soll, Rohstoffe am Meeresboden der Tiefsee internationaler Gewässer abzubauen. Er setzt sich damit über die Internationale Gemeinschaft und das Völkerrecht hinweg.

“Trump und TMC versuchen, mit ihrem Vorstoß die ISA unter Druck zu setzen”, so Saito. “Lassen sich die Mitgliedsstaaten auf dieses Spiel ein, öffnen sie der Ausbeutung der Tiefsee Tür und Tor. Gerade jetzt, da einzelne Regierungen versuchen, internationale Institutionen zu schwächen oder gar zu ignorieren, braucht es eine starke ISA. Die internationale Zusammenarbeit zum Schutz der Meere darf nicht ausgehebelt werden.”

Keine Abbauregeln für Tiefseerohstoffe

Die Ratssitzung der Internationalen Meeresbodenbehörde endete bereits am vergangenen Montag ohne Einigung auf einen Mining Code. Soweit zog die Umweltschutzorganisation Greenpeace eine positive Bilanz: Der Versuch, Transparenzstandards zu verwässern, sei gescheitert, und die ISA habe ihre Rolle als zuständige Instanz für die Tiefsee bekräftigt.

“Die ISA hat Rückgrat gezeigt – und sich gegen die Tiefseebergbauindustrie und Regierungen wie der US-amerikanischen unter Trump behauptet“, zeigt sich Franziska Saalmann, Meeresbiologin bei Greenpeace, ermutigt. Diskussionen um ein nachhaltiges Regelwerk seien fadenscheinig. „Es ist nicht möglich, ein Regelwerk für Tiefseebergbau aufzustellen, das diesen extrem empfindlichen Lebensraum schont. Diese Ausbeutung des Meeresbodens bedeutet unter allen vorstellbaren Umständen Zerstörung und Artensterben.“ Es gilt abzuwarten, ob die heute endende Vollversammlung diesen Kurs weiter stärkt.

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Forscher warnen vor der Ausbeutung eines der noch unberührtesten und kaum erforschten Gegenden der Erde. Die Knollen selbst bieten zahlreichen Arten einen Lebensraum, die bei deren Abbau wohl aussterben würden. Die Erforschung der Manganknollen hatte zuletzt eine erstaunliche Erkenntnis hervorgebracht. Eine Studie verschiedener Institute, unter anderem des Geomar, der Universität Bremen und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat gezeigt, dass die Manganknollen in der Clarion–Clipperton Zone an der Sauerstoffproduktion für das Ökosystem der Tiefsee beteiligt sind. Die Entdeckung stellt den Konsens über Sauerstoffproduktion und möglicherweise die Frage, wie Leben auf der Erde begonnen hat, auf den Kopf.

Fraglicher Nutzen

Die Tiefsee beginnt 200 Metern unter dem Meeresspiegel. Nachdem das Interesse lange verhalten war, meldeten in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen Explorationslizenzen bei der ISA an. Besonders begehrt ist die Clarion-Clipperton-Zone im Zentralpazifik. In 3000 bis 6000 Metern Tiefe lagern Felder voller polymetallischer Knollen, auch Manganknollen genannt. Einige darin enthaltene Rohstoffe werden für die Digitalisierung sowie die Energiewende zunehmend nachgefragt. Unternehmen wie TMC argumentieren, der Tiefseebergbau sei notwendig, um die grüne Wirtschaftswende zu schaffen.

Diese Argumentation ist allerdings auch ganz ungeachtet von Umweltzerstörung und Nachhaltigkeitsbedenken solcher Vorhaben fraglich. Der Abbau in 3000 bis 6000 Metern Tiefe ist mit hohen und schwer kalkulierbaren Kosten verbunden. Zwar wird Abbautechnik für den kommerziellen Tiefseebergbau seit einigen Jahren getestet. Unklar ist, ob sie langfristig funktioniert und sich wirtschaftlich umsetzen lässt.

Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie stellt in Frage, ob das von Unternehmen begehrte Mangan in den prognostizierten Zeitrahmen einen ausreichenden Absatzmarkt finden würde. Die begehrten Rohstoffe Nickel, Kupfer und Kobalt machen wiederum gerade einmal drei Prozent des Volumens der Knollen aus. Andere Rohstoffe, für die eine Knappheit prognostiziert werden, wie Lithium und Graphit kommen in den Knollen gar nicht vor. Mangan, Kobalt und Nickel könnten zwar gefördert werden, doch relevante Mengen seien vor 2030 kaum umsetzbar. Forscher fanden zudem heraus, dass die Manganknollen radioaktiv strahlen. Bei einem Abbau müsste demnach eine mögliche Gesundheitsgefährdung beachtet sowie die Rohstoffe entsprechend dekontaminiert werden – was die Abbaukosten weiter erhöhen dürfte. jb

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