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EU will Nutzung von Palmöl in Biosprit verbieten

Eine Palmöl-Fabrik im malaysischen Bundesstaat Sabah im Nordosten der Insel Borneo.(Foto: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:District-Kunak_Sabah_IOI-Baturong-Palm-Oil-Mill-02.jpg" target="_blank">© CEphoto, Uwe Aranas / wikimedia.org</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank">CC BY-SA 3.0</a>)
Eine Palmöl-Fabrik im malaysischen Bundesstaat Sabah im Nordosten der Insel Borneo.(Foto: © CEphoto, Uwe Aranas / wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

Um den Import vom Palmöl einzuschränken, will das EU-Parlament ab 2021 den umstrittenen Rohstoff als Basis von Biokraftstoffen verbieten. Die großen Exporteure Malaysia und Indonesien wollen sich das nicht bieten lassen und drohen mit Gegenmaßnahmen.

23.01.2018 – Für viele Stunden sieht man nichts anderes als riesige, nicht enden wollenden Palmölplantagen. Wer schon mit dem Bus durch Indonesien oder Malaysia gereist ist, kennt diesen verstörenden Anblick. Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen und ist wohl das umstrittenste Exportgut der beiden südostasiatischen Länder. Verwendet wird es nicht nur in Lebens- oder Waschmitteln, sondern auch als Energiequelle in Biokraftstoffen. Um die äußerst ertragsreichen Plantagen immer weiter ausdehnen zu können, werden Regenwälder im großen Umfang zerstört. Oftmals kommt es auch zu Brandrodungen. Davon sind inzwischen immer mehr Tierarten wie die stark bedrohten Orang-Utans betroffen.

Mit einem Anteil an der Palmöl-Weltproduktion von über 85 Prozent sind Indonesien und Malaysia die beiden wichtigsten Produktionsländer. Doch schon bald könnte den beiden Hauptexporteuren ein deutlicher Dämpfer drohen. Nach Indien ist die EU schließlich der zweitwichtigste Markt für den Export des Rohstoffs. In der vergangenen Woche hat das Europäische Parlament allerdings entschieden, die Nachfrage nach Palmöl zukünftig deutlich einzuschränken. Im Rahmen der Novellierung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie stimmten die Abgeordneten dafür, dass Palmöl ab 2021 nicht mehr als Basis von Biokraftstoffen verwendet werden darf.

Kritiker eines möglichen Palmöl-Verbots bemängeln jedoch, dass Europas Umweltschutz nicht auf Kosten kleiner Landwirtschaftsbetriebe in Schwellenländern ausgetragen werden sollte. Schließlich werde ein erheblicher Teil der Ölpalmen von Kleinbauern gepflanzt. „Die Palmen haben sich in Indonesien und Malaysia als eines der stärksten Instrumente zur Armutsbekämpfung herausgestellt“, sagt Ahmad Ibrahim, Forscher an der Academy of Sciences Malaysia, dem Handelsblatt.

Negative Umweltfolgen durch Palmöl besonders groß

Die Regierungen von Malaysia und Indonesien haben inzwischen ihren Unmut über die Entscheidung des Europäischen Parlaments geäußert. Sie bezeichnen ein potenzielles Verbot von Palmöl als Basis von Biosprit als unfair und sehen sogar den freie Handel gefährdet. Schließlich gebe es mit dem Anbau von Sojapflanzen auch andere Nutzpflanzen, die ihren Teil zur Abholzung von Regenwäldern beitragen. Dass die Palmölindustrie jedoch besonders zerstörerisch ist und der dichte Rauch illegaler Brandrodungen an manchen Tagen sogar den Flugverkehr lahmlegt, scheinen die Politiker dabei auszublenden. Im Vergleich zu Soja- oder Rapsöl sind die negativen Umweltfolgen beim Palmöl mit Abstand am größten.

Trotzdem warnt Malaysias Plantagenminister Mah Siew Keong laut dem Handelsblatt die Europäer vor ökonomischer Vergeltung, indem zukünftig der Kauf europäischer Produkte vermieden werden könnte. „Europa droht ein Handelskrieg“, titelte das Handelsblatt bereits. Mit der Abstimmung des EU-Parlaments ist ein mögliches Verbot allerdings noch nicht endgültig entschieden. In einem nächsten Schritt muss nun auch noch der Europäische Rat der Entscheidung zustimmen. jk


Kommentare

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Isabel Gros 16.01.2019, 12:33:58

+108 Gut Antworten

Die Palmölproblematik mit all ihren ökologischen Konsequenzen für Tiere, Einwohner und weltweites Klima sollte viel mehr In die Öffentlichkeit gebracht werden. Ich verlange dieses Verbot für Palmöl in Biodiesel. Es kann nicht sein, dass Menschen ihr Haus, ihre Familie brutal und Tiere ihren Lebensraum verlieren, nur damit wir Biokraftstoffe tanken können. Entweder werden diese Menschen vertrieben oder sie müssen und harten Bedingungen auf den Plantagen arbeiten.

Daneben wünsche ich mir eine unmissverständliche Kennzeichnung auf Etiketten von Nahrungsmitteln und Kosmetika, ob Palmöl enthalten ist oder nicht. Wir brauchen die Regenwälder, wenn wir auf diesem Planeten noch möglichst lange leben wollen und das müssen wir, denn es gibt keinen Planeten B.


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