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Fischbestände haben sich halbiert

Fischschwarm. (Bild: © Harald Schottner/ pixelio.de)
Fischschwarm. (Bild: © Harald Schottner/ pixelio.de)

Ein genauer Blick auf die Meeresbewohner zeigt: Die Lage ist in den letzten Jahrzehnten verheerend geworden. Machen wir weiter wie bisher, werden sich die Ozeane in einen kargen, lebensarmen Ort verwandeln. Umkehr ist geboten – und nicht in Sicht.

26.09.2015 – Der neue Report über die weltweiten Fischbestände der Umweltorganisation WWF legt erschreckende Zahlen offen: Demnach haben sie sich zwischen 1970 und 2010 mehr als halbiert. Besonders schlecht steht es um die Populationen von Thunfischen, Makrelen und Bonitos, die den Experten zufolge in diesem Zeitraum gar einen Verlust von 74 Prozent verzeichnen. Der klare Hauptgrund ist dem „Living Blue Planet Report“ zufolge der zunehmende Appetit der Menschen auf Fisch. Aber auch der Klimawandel und die Umweltverschmutzung machen den Meeresbewohnern zu schaffen. WWF-Chef Marco Lambertini bezeichnet die aktuelle Entwicklung als dramatisch.

Unter der starken Überfischung leiden nicht nur Speisefische. Auch Schildkröten, Delfine und viele weitere Arten verfangen sich in den Netzen. Zudem werden wichtige Lebensräume der Tiere, etwa Seegraswiesen, Mangrovenwälder und Korallenriffe, zunehmend zerstört. Besonders gefährdet – unter anderem auch durch die zunehmende Versauerung der Ozeane aufgrund des Klimawandels – sind Korallenriffe. Sie machen weniger als 0,1 Prozent der globalen Meeresfläche aus – das entspricht etwa der halben Gebietsgröße Frankreichs. Dennoch beherbergen diese unglaublichen Ökosysteme über 25 Prozent aller marinen Tierarten. Drei Viertel der Korallenbestände sind gefährdet. Halten die Entwicklungen an wie bisher, könnten die letzten Korallenriffe bis 2050 verschwunden sein, so die Schätzung der Experten.

Auch weniger bekannte Spezies wie etwa Seegurken, die als aktive Recycler von Nährstoffen in Ökosystemen eine zentrale Rolle spielen, sind überfischt. Die Tiere werden in rund 70 Ländern gehandelt und gelten in Asien als Delikatesse. Wo sie plötzlich fehlen, schlagen sie ein Loch in die Lebensgemeinschaften. Gebiete, in denen sie bereits ausgerottet wurden, sind auch für etliche andere Organismen unbewohnbar geworden, da die Exkremente der Seegurken Nährstoffe enthalten, die etwa von Korallen oder Algen aufgenommen werden. Im Meeresgebiet um die Galapagos-Inseln wurde der Seegurkenbestand praktisch ausgelöscht, im Roten Meer ist die Population auf einen Restbestand von sechs Prozent geschrumpft.

Der Report besagt auch, dass genaue Zahlen in einigen Fällen kaum feststellbar sind. So könnte bei der Familie der Rochen und Haie die wirkliche Anzahl getöteter Tiere drei- oder viermal größer sein als bislang angenommen. Der WWF warnt, dass sehr dringlicher Handlungsbedarf besteht. Ein Ende der Überfischung ist allerdings nicht in Sicht – ganz im Gegenteil: Der weltweite durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum an Fisch ist von 9,9 Kilogramm in den 60er Jahren auf 19,2 Kilogramm im Jahr 2012 angestiegen. Und auch sämtliche weiteren Bedrohungen der Meeresbewohner – Klimawandel, Vermüllung, Zerstörung der Lebensräume – nehmen drastisch zu. rr


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