Milliardenrisiko im Riff: Fossiler Ausbau bedroht das Korallendreieck

Ein zivilgesellschaftliches Bündnis warnt Versicherer vor der Absicherung neuer LNG-Projekte im südostasiatischen Korallendreieck. Die industrielle Expansion gefährdet den artenreichen Amazonas der Meere und birgt erhebliche finanzielle Risiken.
04.05.2026 – Der Ausbau von Infrastrukturen für Flüssigerdgas (LNG) gefährdet das Korallendreieck in Südostasien, eine der ökologisch wertvollsten Regionen der Erde. In einem offenen Brief an die weltweit führenden Versicherungs- und Rückversicherungskonzerne warnt ein breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und betroffenen Gemeinschaften davor, neue fossile Projekte in diesem Hotspot der Biodiversität abzusichern. Neben unkalkulierbaren ökologischen Schäden berge das Vorhaben erhebliche wirtschaftliche Risiken für Versicherer, heißt es in einem Briefing von Insure Our Future.
Ein einzigartiger Lebensraum unter fossilem Druck
Die Region steht vor einer beispiellosen fossilen Expansion. 19 LNG-Terminals sind bereits in Betrieb, 15 davon in einem Umkreis von weniger als 10 Kilometern um empfindlichen Meeresökosysteme. Geplant sind mehr als 30 neue Projekte, die die regionale Importkapazität um 80 Prozent steigern könnten. Die Fläche der Offshore-Öl- und Gasfelder soll zudem von derzeit einem Prozent auf ganze 16 Prozent anwachsen.
Die für die Öl- und Gasexploration und -förderung freigegebenen Gebiete überschneiden sich mit mehr als 210.000 Quadratkilometern Naturschutzgebiet. Insgesamt überlappen sie sich mit 24 Prozent der Korallenriffe, 22 Prozent der Seegraswiesen und 37 Prozent der Mangroven-Ökosysteme in der Region. Die Meeresökosysteme, die bereits durch die steigenden Wassertemperaturen gefährdet sind, geraten durch den Fossilausbau zusätzlich unter immensen Druck.
Die für die Öl- und Gasexploration und -förderung freigegebenen Gebiete überschneiden sich mit mehr als 210.000 Quadratkilometern Naturschutzgebiet. Insgesamt überlappen sie sich mit 24 Prozent der Korallenriffe, 22 Prozent der Seegraswiesen und 37 Prozent der Mangroven-Ökosysteme in der Region. Die Meeresökosysteme, die bereits durch die steigenden Wassertemperaturen gefährdet sind, geraten durch den Fossilausbau zusätzlich unter immensen Druck.
Der Amazonas der Meere
Das Korallendreieck erstreckt sich über sechs Nationen, darunter Indonesien, die Philippinen und Papua-Neuguinea. Es ist die Heimat von 76 Prozent aller weltweiten Korallenarten und sichert den Lebensunterhalt von über 360 Millionen Menschen. Mangroven und Riffe fungieren als natürlicher Küstenschutz, dessen Wert auf rund 855 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.
Meeresbewohner wie Korallen produzieren zudem bisher unbekannte Stoffe, die Forscher als Grundlage neuartiger Medikamente wähnen. Dies ergab eine groß angelegt Analyse aus tausenden Proben des Forschungsschiffs Tara, das über zehn Jahre im Rahmen der Tara Coral Expedition durch den Pazifik kreuzte. „Mit jedem verlorenen Riff verlieren wir potenziell einzigartige mikrobiell erzeugte Wirkstoffe, noch bevor wir überhaupt wissen, dass sie existieren“, sagt Christian Voolstra, Co-Leiter der Tara Coral Expedition. Er betont, dass der Schutz von Korallenriffen auch eine Investition in zukünftige medizinische und biotechnologische Innovationen sei – aber das Zeitfenster sich rapide schließe.
Die Illusion von LNG als Brückentechnologie
Flüssigerdgas wird noch immer häufig als sauberere Alternative zur Kohle und als Brückentechnologie dargestellt. Systematische Methanleckagen entlang der gesamten Lieferkette können LNG jedoch sogar zu einer schlechteren Wahl für das Klima machen als Kohle. Damit steht der Ausbau im direkten Widerspruch zum globalen 1,5°C-Ziel und den Netto-Null-Zusagen vieler Finanzakteure. Ein Großteil der im Bau befindlichen Projekte wird zudem in einer klimaneutralen Welt schlicht nicht mehr notwendig sein – was sie zu einer schlechten Investition macht.
Wertlose Vermögenswerte
Neben den ökologischen Folgen drohen die Anlagen, zu Stranded Assets zu werden, also zu Investitionen, die aufgrund der Klimawende und sinkender Nachfrage vorzeitig an Wert verlieren, warnt die Internationale Energieagentur (IEA). Weltweit werden kapitalintensive Überkapazitäten der LNG-Infrastruktur aufgebaut. Der Wettbewerb durch günstige Erneuerbare werde dabei unterschätzt und die Diskrepanz zwischen der Lebensdauer der Anlagen und den versicherbaren Risikozeiträumen immer größer.
Fast drei Viertel der derzeit im Bau befindlichen LNG-Projekte laufen Gefahr, in einem 1,5°C-Szenario wertlos zu werden. In Asien stehe Gas-Infrastruktur im Wert von 379 Milliarden US-Dollar auf dem Spiel, warnt das Bündnis. In den letzten zehn Jahren wurden 65 Prozent der geplanten Importkapazitäten in Südasien gestoppt oder storniert – mit steigender Tendenz.
Im Gegensatz dazu erweisen sich Erneuerbare Energien als stabilere und kostengünstigere Alternative. Das Potenzial für Solar- und Windenergie in Südostasien übersteigt die derzeitige Stromerzeugung um das 55-fache. Erneuerbare können regionale Energiesicherheit schaffen – unabhängig von fossilen Märkten. Die ASEAN-Staaten – Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam – habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 45 Prozent an installierter Stromkapazität aus erneuerbaren Quellen zu erreichen.
Forderung nach einem konsequenten Rückzug
Das Netzwerk appelliert an die Vorstände großer Versicherungshäuser, das Korallendreieck zur verbindlichen No-Go-Zone für fossile Projekte zu erklären. Neben dem Schutz der Biodiversität wird auch die Einhaltung von Menschenrechten und die Selbstbestimmung indigener Völker eingefordert. Ein Ende der Versicherung für neue Gasinfrastrukturen sei eine notwendige Maßnahme des Risikomanagements, um systemische Verluste zu minimieren. Da sich das Zeitfenster für wirksamen Naturschutz rasch schließt, sehen die Unterzeichner die Versicherungsbranche in der Pflicht, Führungsstärke zu beweisen und Kapitalströme konsequent in gerechte und nachhaltige Energiequellen umzulenken. jb





















































