Erntebilanz 2026Geringere Ernten durch Dürre

Sojabohnenfeld
Dürre und Hitzewellen sorgen für schlechtere Ernte in Deutschland (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Hitzewellen, geringer Niederschlag und Schädlinge schmälern die Ernte 2026. Der Bauernverband fordert finanzielle Hilfen, Umweltverbände eine krisenfeste Agrarpolitik und mehr Maßnahmen für Klimaresilienz.

19.08.2026 – Die Erntebilanz des Deutschen Bauernverbands (DBV) für das laufende Jahr zeigt sinkende Ernten und Einnahmen bei steigenden Kosten für Landwirte. Hitze und Trockenheit haben der Landwirtschaft schwer zugesetzt, und es wird mit sinkenden Erträgen insbesondere bei Getreide, Äpfeln und Kartoffeln gerechnet. Besonders Süd- und Westdeutschland litt unter zu wenig Regen und in Folge zu schwachen Erträgen oder Missernten. Eine akute Knappheit ist laut dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) allerdings nicht zu erwarten.

Der DBV verlangt Sofortmaßnahmen wie Zuschüsse für Düngemittel, während NGOs mehr Klimaresilienz und Umweltschutz in der Landwirtschaft fordern, um die Ernährungssicherheit langfristig zu sichern.

Dürre mindert Ernte

Die Getreideernte fällt mit geschätzt 41,9 Millionen Tonnen unterdurchschnittlich aus und liegt rund sieben Prozent niedriger als im Vorjahr. Grund sind das trockene Frühjahr, eine Hitzewelle Ende Juni, die zur sogenannten Notreife führte sowie starker Schädlingsbefall. Der Ertrag pro Hektar beim Winterraps brach sogar um 20 Prozent ein. Als einzige Kultur konnte die Wintergerste das Vorjahresniveau halten, da sie vor der Hitzewelle ausgereift war.

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Die Obst- und Gemüseernte dürfte gemischt ausfallen. Bei Kartoffeln wird ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis erwartet. Die Ernte von 934.000 Tonnen Äpfel liegt fast 53.000 Tonnen unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Ernte von Pflaumen und Zwetschgen fällt hingegen mit 49.300 Tonnen voraussichtlich deutlich besser aus. Zwar liegt diese Erntemenge 3,9 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, doch noch immer 11,5 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt.

Die Dürre führt neben einer geringeren Ernte zum direkten Verzehr auch zu weniger Winterfutter für Nutztiere. Gras wächst auf gemähten Wiesen nicht nach und bei Silomais gibt es erhebliche Ausfälle. Der DBV warnt, dass Landwirte gezwungen werden könnten, Tierbestände zu verkleinern.

Ernteausfälle in 2024 und 2026

Im Vorjahresvergleich sieht das Ernteergebnis schlecht aus. 2025 war mit rund 45 Millionen Tonnen Getreide, knapp einer Millionen Tonnen Äpfel, und einer guten Einfuhr von Kartoffeln ein sehr gutes Erntejahr. 2024 war hingegen mit einer Getreideernte von nur 39 Millionen Tonnen ähnlich trübe.

Landwirtschaft fordert Soforthilfen

Der Bauernverband fordert mehr finanzielle Hilfe, u.a. sofortige Steuersenkung auf Agrardiesel, vorgezogene EU-Direktzahlungen und 180 Millionen Euro Düngemittelhilfen. Die Europäische Union hatte Ende Juli beschlossen, Landwirte mit insgesamt 540 Millionen Euro zu entlasten, da Düngemittelpreise in Folge des Iran-Kriegs stark gestiegen sind. Auf Deutschland entfallen davon rund 60 Millionen Euro. 180 Millionen würde den von der EU für nationale Parlamente gelassenen Spielraum für Aufstockung maximal ausnutzen. Bisher wurde das freigegebene Geld in Deutschland noch nicht verteilt oder ausgezahlt.

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Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer will die Zahlen zu Ernteeinbußen amtlich prüfen lassen. Er hat außerdem angekündigt, dass in der kommenden GAP-Periode ab 2027 der Spielraum für Direktzahlungen mit 4,7 Milliarden jährlich voll ausgeschöpft werden soll.

Agrarpolitik auf Klimaresilienz ausrichten

Umwelt- und Klima-NGOs wie Greenpeace und der NABU warnen davor, die Folgen des Klimawandels mit mehr Fossilem begegnen zu wollen. „Das ist eine neue Realität – und sie braucht neue Antworten“, sagt Pierre Johannes, Teamleiter Landnutzung im NABU-Bundesverband. Der NABU fordert, die Agrarpolitik konsequent auf Klimaanpassung und Resilienz auszurichten. Die Agrarförderung müsse gezielt Anreize für widerstandsfähige Betriebe schaffen – etwa für mehr Vielfalt auf den Äckern, humusreiche Böden und einen besseren Wasserrückhalt. „Das wird mit einer weiterhin auf die pauschalen Flächenprämien zentrierten Gemeinsamen Agrarpolitik nicht funktionieren“, sagt Johannes.

„Die Landwirtschaft spürt die Erderhitzung härter als jede andere Branche. Deshalb braucht sie Schutz und gezielte Hilfe bei der Anpassung an die neuen Bedingungen. Wenn Kanzler Merz die unübersehbaren Folgen der Klimakrise aber nur beobachtet und Landwirtschaftsminister Rainer zur Dürre lediglich einfällt, er könne es nicht regnen lassen, dann werden beide ihrer Verantwortung für die existentiell bedrohten Landwirt:innen nicht gerecht“, gibt Greenpeace-Agrarexperte Matthias Lambrecht zu denken. Auch der Bauernverband müsse sich fragen lassen, ob er mit Forderungen nach höheren Subventionen für fossilen Diesel, nach staatlich verbilligtem Kunstdünger oder mit der Blockade des Umbaus der Tierhaltung noch die Interessen der bäuerlichen Betriebe vertrete. jb

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