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Geschlechtsbestimmung im Ei

Das massenhafte Umbringen männlicher Küken könnte bald ein Ende finden: Die Forschung zur Geschlechtsbestimmung im Ei ist laut den Universitäten Leipzig und Dresden gut vorangekommen. (Bild: © Timo Klostermeier/ pixelio.de)
Das massenhafte Umbringen männlicher Küken könnte bald ein Ende finden: Die Forschung zur Geschlechtsbestimmung im Ei ist laut den Universitäten Leipzig und Dresden gut vorangekommen. (Bild: © Timo Klostermeier/ pixelio.de)

Frisch geschlüpfte Hähnchen aus Legehennen-Linien sind für die Geflügelwirtschaft unnütz. Doch das millionenfache brutale Töten männlicher Küken könnte bald ein Ende haben. Die Forschung zur Geschlechtsbestimmung im Ei ist weit fortgeschritten.

04.06.2015 – Jedes Jahr werden in Deutschland rund 45 Millionen frisch geschlüpfte Hähnchen aus Legehennen-Linien lebend in eine Art Häcksler geworfen, wo sie von rotierenden Messern umgebracht werden. Erlaubt ist auch die Tötung mit CO2. Das massenhafte Umbringen männlicher Küken könnte bald ein Ende finden: Die Forschung zur Geschlechtsbestimmung im Ei ist laut den Universitäten Leipzig und Dresden gut vorangekommen. „Die vielleicht schwierigste Etappe, eine geeignete Methode zu finden, haben wir jetzt erreicht", bestätigte Professorin Dr. Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns von der Universität Leipzig. In der Methodenforschung habe sich zum gegenwärtigen Stand die „In Ovo-Geschlechtsbestimmung“ mittels Nah-Infrarot-Raman-Spektroskopie (NIR) am vielversprechendsten herauskristallisiert. „Zudem bieten spektroskopische Methoden den Vorteil, befruchtete, etwa 72 Stunden bebrütete Hühnereier testen zu können", so Krautwald-Junghanns.“

Die spektroskopische Geschlechtsbestimmung macht sich dabei die unterschiedliche Größe der Geschlechtschromosomen von männlichen und weiblichen Hühnern zunutze. Bereits nach dreitägiger Bebrütung entwickeln sich kleine Blutgefäße, die sich für eine Geschlechtsdiagnose nutzen lassen. Eingesetzt wird die Ramanspektroskopie im nahinfraroten Wellenlängenbereich, deren großer Vorteil unter anderem die kontaktlose Untersuchung ist. Dadurch entfällt auch die Reinigung und Desinfektion beziehungsweise der Ersatz von Geräten oder Geräteteilen nach jeder Messung, so dass nur geringe laufende Verbrauchskosten entstehen. Eine Geschlechtsbestimmung dauert gegenwärtig etwa 15 bis 20 Sekunden pro Ei. Die Forscher gehen davon aus, dass künftig Zeiten deutlich unter zehn Sekunden möglich sind.

Im nächsten Schritt wollen sie das NIR-Verfahren durch die Entwicklung eines voll automatischen Geräte-Prototyps für den breiten Einsatz optimieren. Parallel zu der Entwicklung des Geräteprototypen laufen schon jetzt Praxisversuche mit der Methode, die sicherstellen sollen, dass aus den „weiblich“ bestimmten Eiern dann Küken schlüpfen, die als Legehennen genauso leistungsfähig sind wie nicht geschlechtsbestimmte. Sobald eine Automatisierung der Geschlechtsbestimmung im Hühnerei erreicht ist, müssen dann die Unternehmen in die serienmäßige Entwicklung der Geräte investieren und diese sukzessive einsetzen. Allerdings wird bereits Kritik der Industrie laut: Das Verfahren sei zu aufwendig und zu teuer. Dennoch will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt es laut eigenem Bekunden durchsetzen. Ziel sei es, bis 2017 darauf umzustellen, so der Minister. rr


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