Menü öffnen

Gewässerversalzung: Auswirkungen wurden unterschätzt

Blick von der Werrabrücke bei Werleshausen. Die Umweltminister mehrerer Bundesländer planen ein schrittweises Entsalzen der Werra. (Foto: © Hejkal, https://de.wikipedia.org/wiki/Main-Werra-Kanal#/media/File:Werra_bei_Werleshausen.jpg, CC BY-SA 2.0)
Blick von der Werrabrücke bei Werleshausen. Die Umweltminister mehrerer Bundesländer planen ein schrittweises Entsalzen der Werra. (Foto: © Hejkal, https://de.wikipedia.org/wiki/Main-Werra-Kanal#/media/File:Werra_bei_Werleshausen.jpg, CC BY-SA 2.0)

Die Kali-Industrie trägt in Deutschland maßgeblich zur Versalzung unserer Gewässer bei – die Folgen wurden jahrelang unterschätzt. Mehrere Bundesländer wollen nun mit einem Masterplan zur Salzreduzierung die Probleme in den Griff bekommen.

13.03.2016 – Das Bergbauunternehmen K+S AG geriet kürzlich erneut in die Kritik, weil es die Werra mit salzhaltigen Abwässern stark verunreinigt hatte. Forscher haben nun Ursachen und Lösungen für die Versalzung von Gewässern zusammengetragen sowie ein Konzept zur Salzregulierung vorgeschlagen. Zeitgleich planen die Umweltminister mehrerer Bundesländer ein schrittweises Entsalzen der Weser und der Werra. Ermöglicht werden soll dies unter anderem durch die Rückführung konzentrierter Salzreste in alte Bergwerke sowie durch die Abdeckung von Salzhalden.

„Künftig könnte auch Fracking zu einem erheblichen Anstieg an salzbelasteten Abwässern führen“, so Ralf Schäfer von der Universität Koblenz-Landau. Das durch einen Unfall ausgetretene Fracking-Abwasser hatte bereits im vergangenen Jahr zum starken Versalzen der Landschaft von North Dakota geführt. Auch wenn es unterschiedliche Regularien und Grenzwerte gebe, sei die Umsetzung in der Praxis bisher unzureichend. Neben dem industriellen Einfluss auf die weltweite Gewässerversalzung, spielen auch der Klimawandel sowie die steigende Nachfrage nach Trinkwasser eine große Rolle.

Gewässertypische Tierarten wie die Eintags- oder die Köcherfliege sind relativ salzempfindlich und können durch zu stark versalzene Gewässer vermehrt sterben. Es verringert sich nicht nur die Biodiversität rund um die Flüsse, auch Ökosystemdienstleistungen wie das Bereitstellen von Trinkwasser nehmen ab. Eine massenhafte Entwicklung von salzrobusten Tierarten, Algen und Wasserpflanzen sowie die Einwanderung gebietsfremder Arten werden dagegen begünstigt.

EU führt gegen Deutschland bereits ein Vertragsverletzungsverfahren

Der von den Bundesländern angestoßene Plan zur Entsalzung der beiden Flüsse kommt zwar spät, aber gerade noch rechtzeitig, um rechtliche Konsequenzen abwenden zu können. Denn die EU-Kommission hat gegen Deutschland bereits ein Vertragsverletzungsverfahren aufgrund des Verstoßes gegen europäische Wasserschutzbestimmungen eingeleitet.

Die hessische Umweltministerin Priska Hinz steht dem Verfahren dennoch gelassen gegenüber. Sie habe ähnlich wie die Bundesregierung einen guten und ständigen Austausch mit der Generaldirektion Umwelt in Brüssel, so Hinz gegenüber dem Deutschlandfunk. „Und die letzten Zeichen stehen sehr gut“, so Hinz.

Abgesehen von der Zustimmung aus Brüssel ist allerdings noch offen, ob das Land Niedersachsen dem Plan zur Salzreduzierung zustimmen wird. So ist etwa der Bau der „Oberweser-Pipeline“ sehr umstritten, mit der industrielle Abwässer von der besonders stark belasteten Werra in die Weser umgeleitet werden sollen. Das Vorhaben wird vor allem in Niedersachsen stark kritisiert. Das hessische Kabinett wird aller Voraussicht nach wie bereits Thüringen und Bremen dem Bewirtschaftungsplan Salz der Flussgebietsgemeinschaft Weser dennoch zustimmen.

Phänomen der Wasserversalzung ist schon lange bekannt

Die Versalzung von Gewässern ist eigentlich keine unbekannte Problematik. „Das Phänomen ist bekannt, es wird bisher allerdings kaum beachtet“, so Landschaftsökologe Schäfer. Nach Meinung der Wissenschaftler liegt das daran, dass die Versalzung anderen Problemen wie der Abwasserreinigung oder der landwirtschaftlichen Nährstoffeinträge zugeschrieben wurden. Sowohl die Landwirtschaft als auch der Ressourcenabbau sind wichtige wirtschaftliche Bereiche. „Deren starke Akteure dürften an einer strikten Regulierung allerdings kaum ein Interesse haben“, so Oliver Frör, Professor für Umweltökonomie an der Universität Koblenz-Landau.

Die Wissenschaftler schlagen unterschiedliche Strategien zur weltweiten Entsalzung der Gewässer vor. Bereits durch das Reduzieren des Wassereinsatzes in der Landwirtschaft sowie durch Alternativen zum Streusalz ließe sich die Belastung deutlich reduzieren. Die durch die Kali-Industrie entstehenden salzhaltigen Abwässer könnten beispielsweise durch Eindampfen behandelt werden. In Kläranlagen wäre ein Verfahren zur Entsalzung möglich, das die Salzfracht aus städtischen Gebieten reduziert. jk


Mehr zum Thema


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

unwichtig nichtposten 19.03.2016, 10:51:55

das thema gewässerversalzung hat genauso wenig mit suedlink zu tun wie ttip..... also fehl am platz in diesem verteiler


Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft