Landwirtschaft: Grasland weltweit verschwindet zugunsten von Weideflächen

Nicht nur Wälder, sondern auch Grasländer und Feuchtgebiete werden weltweit in Acker- und Weideflächen umgewandelt, und das sogar viermal so schnell wie Wälder. Forscher mahnen den Schutz dieser ökologisch wertvollen Gebiete an.
25.03.2026 –Grasländer sind weit mehr als nur „grüne Flächen“ – sie gehören zu den oft unbeachteten Leistungsträgern unseres Planeten. Etwa 20 bis 35 Prozent des weltweit gebundenen Kohlenstoffs werden in diesen Ökosystemen gespeichert. Ein internationales Team hat nun erstmals analysiert zu welchem Zweck und wie schnell natürliche Nicht-Wald-Ökosysteme in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden. Die Forschenden untersuchen, wo und in welchem Ausmaß zwischen 2005 und 2020 Grasland und Ackerflächen in ehemals natürliche Nicht-Wald-Ökosysteme vorgedrungen sind, welche landwirtschaftlichen Produkte damit verbunden waren, wofür und wo sie letztlich genutzt wurden. Als ‚natürliche Nicht-Wald-Ökosysteme‘ bezeichnen die Forschenden alle Flächen, die keine Acker- oder Weideflächen sind, nicht kahl liegen und eine Vegetationshöhe von weniger als fünf Metern aufweisen, der gängige Schwellenwert für die Baumhöhe im Wald.
Der Befund: Diese Ökosysteme werden in alarmierendem Tempo in Weide- und Ackerflächen umgewandelt. Haupttreiber sind die Nachfrage sowohl auf dem Binnenmarkt als auch international nach verschiedenen Agrarprodukten, vor allem Fleisch, Getreide, Nüsse und Ölsaaten.
Grasland verschwindet weltweit
Die Auswertung zeigt, dass innerhalb der untersuchten 15 Jahre Grasland und Feuchtgebiete fast viermal so schnell umgewandelt wurden wie Flächen mit Baumbestand. Brasilien steht mit 13 Prozent der betroffenen Fläche weltweit an der Spitze, gefolgt von Russland, Indien, China und den USA mit jeweils etwa sechs Prozent.
„Die Triebkräfte der Umwandlung von Nicht-Wald-Ökosystemen in Ackerland liegen in den Ländern, in denen die auf den umgewandelten Flächen angebauten Produkte konsumiert werden – sei es als Nahrungsmittel, Tierfutter oder für andere Zwecke wie Bioenergie. Einige Pflanzen, beispielsweise Reis und Gemüse werden direkt als Nahrungsmittel verzehrt, andere, wie Soja, Mais oder Raps dienen häufig als Tierfutter, und wieder andere werden vor allem für Bioenergie verwendet“, fasst Erstautorin Siyi Kan vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurtzusammen. Weltweit entfielen 54 Prozent der Ackerflächenumwandlung auf Nahrungsmittelproduktion. 34 Prozent der Ackerflächenumwandlung wurden für Tierfutter verwendet, wobei dieser Anteil in Brasilien, Argentinien, den USA, China und der EU sogar über 50 Prozent lag.
Circa 20 Prozent der globalen Ackerflächen wurden für Exportproduktion umgewandelt, bei Futterpflanzen wie Soja und Mais waren es sogar 32 Prozent. In Brasilien und Argentinien wurden rund 70 Prozent der umgewandelten Ackerflächen insgesamt und etwa 80 Prozent der Flächen für Futter für Exportproduktion genutzt. Dies zeige deutlich die starke Verknüpfung der landwirtschaftlichen Produktion mit dem Konsum in wohlhabenden und schnell wachsenden Volkswirtschaften.
Naturschutz darf nicht am Waldrand stoppen
„Unsere Ergebnisse zeigen, welche Risiken die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen für einzelne Regionen mit sich bringt, welche natürlichen Nicht-Wald-Ökosysteme besonders schutzbedürftig sind und wo man entlang globaler Lieferketten ansetzen kann. Da sich politische Maßnahmen bisher vor allem auf den Schutz von Wäldern konzentrieren, wächst der Druck auf andere ökologisch wichtige, aber oft übersehene Lebensräume wie Grasländer und offene Feuchtgebiete. Um zu verhindern, dass sich dieser Nutzungsdruck einfach auf andere Ökosysteme verlagert, braucht es besser abgestimmte politische Maßnahmen sowie mehr Verantwortung von Produzierenden und Konsumenten in international vernetzten Lieferketten“, appelliert Siyi Kan.
Denn: Ob als Wasserspeicher, Schutz vor Bodenerosion oder Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten: Grasländer liefern wichtige Ökosystemleistungen, von denen sowohl lokale Gemeinschaften als auch das globale Klima unmittelbar profitieren. pf



















































