Foto: Per Schorn

Nachgefragt 23.03.2026

„Grundlage für Gesundheit, Bildung und Würde“

Mit dem Weltwassertag am 22. März lenken die Vereinten Nationen den Blick auf die essenziellste Ressource allen Lebens. Neven Subotic weiß, wie es ist, wenn sauberes Wasser fehlt – und was man dagegen tun kann. Auch in Zeiten der Erderwärmung.

Neven Subotic, Ex-Fußball-Profi, Gründer und Stiftungsvorstand der well:fair foundation


Nachgefragt 23.03.2026

„Grundlage für Gesundheit, Bildung und Würde“

Mit dem Weltwassertag am 22. März lenken die Vereinten Nationen den Blick auf die essenziellste Ressource allen Lebens. Neven Subotic weiß, wie es ist, wenn sauberes Wasser fehlt – und was man dagegen tun kann. Auch in Zeiten der Erderwärmung.

Foto: Per Schorn

Neven Subotic, Ex-Fußball-Profi, Gründer und Stiftungsvorstand der well:fair foundation



Neven, die Vereinten Nationen rufen jedes Jahr den 22. März als Weltwassertag aus. Aufgrund Deiner Stiftungsarbeit weißt Du, welche Folgen es hat, wenn sauberes Wasser als elementare Lebensgrundlage knapp wird. Welches ist Deine eindrücklichste Erfahrung oder Erinnerung?

Es gibt viele Momente, die sich einprägen. Besonders eindrücklich war für mich einer meiner ersten Besuche in Äthiopien. Dort habe ich gesehen, wie Kinder mehrere Kilometer laufen mussten, nur um Wasser zu holen, Wasser, das oft nicht einmal sauber war. Gleichzeitig habe ich erlebt, was passiert, wenn sich das ändert: Wenn eine Wasserstelle gebaut wird und plötzlich Zeit für Schule entsteht, wenn Krankheiten zurückgehen und sich ganze Gemeinden entwickeln können. Diese direkte Wirkung zu sehen, hat mich tief geprägt und bestätigt, warum diese Arbeit so wichtig ist.

Wer Deiner Stiftung Geld spendet, unterstützt damit Projekte in Äthiopien, Kenia und Tansania. Inwiefern sind die Folgen der Erderwärmung dort zu spüren, vielleicht mehr als in Europa?

In vielen Regionen Ostafrikas sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits sehr deutlich spürbar. Regenzeiten verschieben sich, bleiben ganz aus, oder es kommt zu Überschwemmungen und anderen extremen Wetterereignissen. Für Menschen, die ohnehin nur begrenzten Zugang zu Wasser haben, verschärft das die Situation erheblich. Wenn Quellen versiegen oder Brunnen nicht mehr zuverlässig funktionieren, betrifft das direkt Gesundheit, Ernährung und Bildung. In Europa spüren wir die Veränderungen auch, aber in vielen Regionen Afrikas geht es oft unmittelbar um die Existenzgrundlage.

Gegründet hast Du die Stiftung im November 2012. So etwas passiert nicht von jetzt auf gleich. Welcher Impuls, welche Vorgeschichte lag Deinem Engagement zugrunde?

Der Impuls entstand schon einige Jahre früher. Während meiner Fußballkarriere habe ich mich immer stärker mit globaler Ungleichheit beschäftigt und mich gefragt, welche Verantwortung ich selbst tragen kann. Ich habe zwar immer Charity gemacht, aber nie genug, um dieses innere Gefühl zu besänftigen. Dann fand ich nach viel Recherche den Kern so vieler Probleme: Wasser. Oder eben fehlender Zugang zu Wasser. Der fehlende Zugang zu sauberem Wasser hat mich beschäftigt, weil er so viele andere Probleme nach sich zieht. Irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht nur darüber nachdenken wollte, sondern konkret etwas aufbauen wollte. Aus dieser Überzeugung heraus ist die Stiftung entstanden. Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene sind elementare Grundlagen und lebenswichtige Menschenrechte. Sie stellen ein Fundament dar, welches zwingend notwendig ist für ein Leben mit Gesundheit, Bildung und damit einer selbstbestimmten Zukunft in Menschenwürde.

Eure Projekte tragen den Namen WASH – Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene. Gibt es typische Herausforderungen, die immer wieder neu zu überwinden sind? Und was hast Du für den Alltag in Dortmund möglicherweise lernen können?

Die größte Herausforderung ist oft, nachhaltige Lösungen zu schaffen. Es geht nicht nur darum, eine Wasserstelle zu bauen, sondern sicherzustellen, dass sie langfristig funktioniert. Das bedeutet: Gemeinden einbeziehen, Wartungssysteme aufbauen, lokale Verantwortung stärken. Für mich persönlich hat diese Arbeit den Blick auf viele Dinge verändert. Selbstverständliches – wie sauberes Wasser aus dem Hahn – nehme ich heute bewusster wahr. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie viel möglich ist, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Und das ist cool. Aber trotzdem haben 696 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang dazu. Und deswegen ist es wichtig, selbst Verantwortung zu übernehmen.

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Wie oft im Jahr bist Du vor Ort? Oder liegt Dein Fokus mittlerweile eher im Bereich von Führungsaufgaben, Öffentlichkeitsarbeit und ähnlichem?

Gerade in den ersten Jahren war ich sehr häufig vor Ort, weil es mir wichtig war, die Projekte und die Menschen persönlich kennenzulernen. Heute liegt mein Fokus stärker auf der strategischen Entwicklung der Stiftung, auf Partnerschaften und darauf, unsere Arbeit sichtbarer zu machen. Trotzdem versuche ich weiterhin, regelmäßig in die Projektregionen zu reisen, weil der direkte Austausch mit den Teams und den Gemeinden für mich sehr wertvoll bleibt.

Jürgen Klopp hat im Vorwort zu Deinem Buch („Alles geben“, 2023) Deine Zweikampfstärke auf dem Platz und Deinen Gerechtigkeitssinn hervorgehoben. Hast Du Dich darin wiedererkannt, und welche Rolle spielen diese Eigenschaften für Deine heutige Arbeit?

Ein Stück weit habe ich mich darin schon wiedererkannt. Auf dem Fußballplatz ging es für mich immer darum, Verantwortung zu übernehmen und konsequent zu sein. Und diszipliniert. Disziplin wurde mir von klein auf beigebracht. Diese Haltung hilft mir heute auch in der Stiftungsarbeit. Wenn man langfristige Veränderungen erreichen will, braucht es Ausdauer, Disziplin und einen klaren inneren Antrieb. Insofern sehe ich durchaus Parallelen zwischen meiner Zeit als Sportler und meiner heutigen Arbeit.

Welche Pläne hast Du für die kommenden Monate?

Unser Ziel bleibt es, möglichst vielen Menschen langfristigen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen zu ermöglichen. Dafür arbeiten wir daran, bestehende Projekte weiterzuentwickeln und neue Partnerschaften aufzubauen. Gleichzeitig möchten wir noch stärker vermitteln, warum Wasser eine so zentrale Grundlage für Gesundheit, Bildung und Würde ist. Denn nachhaltige Veränderung entsteht nicht nur vor Ort, sondern auch durch Bewusstsein und Engagement hier. Und davon braucht es mehr. Ich freue mich über jede und jeden, die uns unterstützt. Danke.

Das Gespräch führte Benedikt Brüne.

Neven Subotic, Ex-Fußball-Profi u.a. bei Mainz 05, Borussia Dortmund und dem 1.FC Köln, hat im November 2012 die well:fair foundation gegründet, die er gemeinsam mit Shari Malzahn leitet. Im Rahmen von Projekten in Äthiopien, Kenia und Tansania hat die Stiftung seitdem 953 Wasserentnahmestellen fertiggestellt. Weitere 376 sind in Arbeit. Zudem hat die Stiftung 93 Sanitäranlagen für Jungen, Mädchen und Lehrerkräfte errichtet.

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