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Atomenergie und KriegHarsche Kritik an Uranlieferungen aus Russland

Plakat an einem Zaun, Protestaktion des BBU: Weltweite Stilllegung aller Atomanlagen – sofort. BBU
Die Anti-Atombewegung fordert ein Ende der Uranimporte aus Russland nach Deutschland und die Stilllegung der Atomanlage in Lingen. (Foto: © BBU)

Die Brennelemente-Fabrik in Lingen hält an Uranimporten aus Russland fest. Das BAFA genehmigt wieder Transporte. Lieferant ist der am Krieg gegen die Ukraine beteiligte Staatskonzern Rosatom. Umweltorganisationen fordern Transparenz beim Thema Uran.

19.09.2023 – Das Atommüll-Bundesamt BASE hat mit Zustimmung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) 40 weitere Urantransporte aus Russland zur Brennelemente-Fabrik im niedersächsischen Lingen genehmigt, berichtet die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. Die Anlage im Emsland beliefert atomare Kraftwerke in ganz Europa, darunter auch Hochrisikoreaktoren in Belgien. Im Februar 2022 forderte bereits ein Bündnis der Anti-Atom-Bewegung die Bundesregierung auf, Uranlieferungen aus Russland zu stoppen. Brennelemente in Deutschland zu produzieren, ermögliche Russland u. a., EU-Sanktionen im Atombereich zu entgehen. Rosatom sei zudem auch in militärische Atomprojekte involviert.

Die erste Uran-Lieferung erfolgte bereits in der vergangenen Woche. „Die skrupellose Geschäftemacherei der Atomfabrik Lingen mit dem Kreml muss endlich ein Ende haben“, kommentieren Julian Bothe von der bundesweiten Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und Alexander Vent vom Bündnis AGiEL den Vorgang. „Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine hat die Brennelemente-Fabrik im Emsland bereits achtmal Uran aus Russland importiert. Jede Uran-Lieferung beschert dem Kriegstreiber Putin weitere Deviseneinnahmen. Alle Atomkraftwerke, die weiterhin Brennelemente aus Lingen beziehen, und alle Stromkund:innen, die den daraus erzeugten Atomstrom kaufen, unterstützen damit aktiv den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine“, mahnen die Bündnispartner an.

Die bisherige Genehmigung für die Importe war Ende Mai ausgelaufen, berichtet .ausgestrahlt. Dass die deutschen Behörden anderthalb Jahre nach Beginn des Krieges nun grünes Licht für bis zu 40 weitere Uran-Lieferungen gegeben haben, sei beschämend.

Das gelte umso mehr, als die fortgesetzten Uranimporte aus Russland nach Lingen nur der Auftakt zur geplanten großen Atom-Kooperation mit dem direkt dem Kreml unterstellten russischen Staatskonzern Rosatom wären. Denn in einem Joint Venture mit Rosatom wolle die Atom-Fabrik die Brennelemente-Produktion in Lingen sogar noch ausweiten – ungeachtet der aktiven Beteiligung ihres Geschäftspartners am Krieg gegen die Ukraine, berichtet die NGO.

Die Atomkraftgegner appellieren daher an die Bundesregierung, diesen Plänen nicht weiter tatenlos zuzusehen. „Sie muss die Atom-Geschäfte mit Rosatom unterbinden, den Ausbau der Brennelemente-Fabrik Lingen verhindern und diese endlich schließen,“ fordert das Bündnis der Anti-Atombewegung.

Intransparenz nimmt zu

Regelmäßig und über Jahre hinweg gab die NRW-Atomaufsicht in Düsseldorf unter SPD- und FDP Führung bekannt, welche Mengen an Uranmüll in Form von abgereicherten Uranhexafluorid in dem Freiluftlager der Gronauer Urananreicherungsanlage lagerten, berichten die NGOs weiter. Doch in einem Brief vom 01.09.23 an die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland teilte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, die auch die NRW-Atomaufsicht leitet, mit, dass die Betreiber-Firma Urenco die Anzahl der lagernden Fässer nun zum Betriebsgeheimnis erklärt habe und die Atomaufsicht deswegen keine Auskunft mehr geben könne.

Ein Großteil der Fässer, ca. 45.000 Tonnen, wurde bis 2020 nach Russland exportiert, ein kleinerer Teil wurde an andere Urenco-Standorte zum Beispiel in Groß-Britannien verbracht, berichtet .ausgestrahlt. Die Gronauer Lagerhalle für das weniger gefährliche Uranoxid werde bis heute nicht genutzt. Ob und wie viel Uranhexafluorid derzeit in Gronau lagert, sei ebenso unklar wie die Umwandlung in Uranoxid und der Beginn der Einlagerung in die Gronauer Halle.

„Die Entsorgung des Gronauer Uranmülls ist weiterhin völlig offen, ein solches Fass hat in Russland einen tödlichen Unfall verursacht und die Gronauer Uranmüllhalle würde bei den bisherigen Mengen schnell voll sein. Insbesondere da Urenco angekündigt hat, die Produktion am Standort Gronau künftig von 3700t Urantrennarbeit auf die genehmigten 4500t Urantrennarbeit pro Jahr zu steigern“, berichtet Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und zeigt sich empört: „Statt transparent nach Lösungen zu suchen und die Uranmüllproduktion zu beenden, wird nun die Geheimniskrämerei unter der grünen Wirtschaftsministerin weiter ausgebaut.“.

Offenbar solle so verschleiert werden, vermutet das Anti-Atom-Bündnis, ob und wann das abgereicherte Uranhexafluorid zu Uranoxid umgewandelt und in der Gronauer Halle eingelagert wird. Denn wenn das abgereicherte Uranhexafluorid einmal in Uranoxid umgewandelt wurde, wäre eine Wiederanreicherung wegen der erneut notwendigen Rückumwandlung nahezu ausgeschlossen, erläutert Dütting – „damit wäre das Märchen vom abgereicherten Uran als Wertstoff endgültig aufgeflogen.“

Bislang überlasse die NRW-Atomaufsicht mit Verweis auf Bundes-Gesetze dem Urenco-Konzern die Einstufung, ob abgereichertes Uran Wertstoff oder Atommüll ist. „Von einer schwarz-grünen Landesregierung und einer Grünen Landesatomaufsicht erwarten wir konkrete Schritte zur Vermeidung von weiterem Atommüll und einen transparenten, auf Sicherheit ausgerichteten Umgang mit dem bestehenden Atommüll – auch in der Gronauer Urananreicherungsanlage“ so Dütting.

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