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Stadtplanung in FinnlandHelsinki: Weniger Autobahn für mehr Lebensqualität

Der Winter in Helsinki ist teilweise so kalt, dass die Meeresbucht in der finnischen Hauptstadt zufriert und wie eine Brücke zur Verbindung zwischen den Stadtteilen wird. (Foto: © Ninara / flickr.com, CC BY 2.0)

Um Helsinki lebenswerter zu gestalten, will die Stadt alle Autobahnabschnitte, die in die Stadt reichen, abreißen. Stattdessen sollen verkehrsberuhigte Straßen und Wohnanlagen entstehen. Doch es gibt Widerstand von der staatlichen Verkehrsbehörde.

04.04.2018 – Aus Nord, Ost und West schlängeln sich die Autobahnen Finnlands bis in die Hauptstadt des Landes vor. Und sie machen nicht vor den Toren Helsinkis halt. Die Valtatie 3, die A3 Finnlands, führt vom Norden des Landes kommend bis in die Innenstadt. Dessen Ausläufer reicht bis zum Hauptbahnhof der Stadt mitten im Zentrum. Insgesamt sieben der Hauptverkehrsadern des skandinavischen Landes führen bislang tief in die Stadt an der Ostsee. Doch damit soll nach dem Willen von Stadtplanern bald Schluss sein. Nach ihren Plänen sollen die letzten Autobahn-Kilometer im Stadtzentrum abgerissen werden und an ihrer Stelle breite Boulevards entstehen, mit Platz für Freizeitaktivitäten, neuen Straßenbahnlinien und Fahrradwegen, aber mit möglichst wenig Raum für Autos.

Mit dem Wegfall von verkehrsreichen Straßen soll auch neuer attraktiver Wohnraum entstehen. Platz für 250.000 Menschen zusätzlich sieht die beliebte Metropole in den nächsten Jahren vor. Doch die Pläne einfach umsetzen, darf die Stadt nicht. Das nationale Straßennetz untersteht der staatlichen Verkehrsbehörde Finnlands, welche die Teilabschnitte der Autobahnen gerne halten würde. Für vier der geplanten sieben Teilabrisse bekam die Verkehrsbehörde im Januar vor dem Verwaltungsgericht Recht. Die Stadt Helsinki hat dagegen Berufung eingelegt und will nun erstmal mit den drei genehmigten Teilabschnitten für neue lebenswerte Boulevards beginnen.

Grüne Politik in Helsinki

Seit 2015 untersteht die staatliche Verkehrsbehörde einer wirtschaftsliberalen und konservativen bis rechtspopulistischen Regierung, dessen Verantwortliche bislang nicht hinsichtlich einer grünen Agenda auffielen. Fossile Brennstoffe und Atomenergie machen einen gewichtigen Teil der finnischen Energieversorgung aus und das Land hat im europäischen Vergleich einen der höchsten CO2-Emissionen pro Kopf. Doch in Helsinki sind die Verhältnisse andere. Während der Vihreät De Grona, der Grüne Bund, auf nationaler Ebene keine entscheidende Rolle spielt und zuletzt bei 8,5 Prozent der Stimmen lag, kamen sie bei den letzten Kommunalwahlen von Helsinki auf 21 Prozent und stellen mit Anni Sinnemaki die Verantwortliche Helsinkis für den Stadtraum.

Das Streben nach einer sauberen Stadt   

„Wir wollen jedem die Möglichkeit geben, bequem ohne Auto zu leben“, sagt Sinnemaki gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Als eine der vier HilfsbürgermeisterInnen trägt sie die Verantwortung für das zukünftige Stadtbild Helsinkis und treibt die Pläne für eine urbane Vision ohne verstopfte Straßen und verpestete Luft voran.

„Der urbane Lebensstill ist beliebter geworden“, sagt sie. Bis 2050 rechnen die Stadtplaner mit zwei Millionen Einwohnern. Bislang sind es etwa 650.000 Menschen, und die sollen sich in Zukunft möglichst klimaneutral durch die Stadt bewegen. Der Anteil von 22 Prozent Autofahrten an der gesamten Mobilität Helsinkis soll immer weiter zurückgeschraubt werden. Eine neue Brücke, vom östlichen Stadtteil Laajasalo über die Meeresbucht ins Zentrum der Stadt, wird ganz für dieses neue Mobilitätskonzept stehen. Die Kruunusillat, die königliche Brücke, soll 2023 eröffnen und die längste Brücke Finnlands sein. Fahren dürfen dann auf ihr jedoch keine Autos. Die Brücke wird Fußgängern, Fahrradfahrern und der Straßenbahn vorbehalten sein. mf


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