Indonesien/Sumatra: Illegale Abholzung hat Erdrutsche und Sturzbäche verschärft

Natürliche Wälder abzuholzen, birgt enorme Risiken. Der Zyklon, der Ende letzten Jahres in Sumatra auf Land traf, war auch deshalb so verheerend, weil er zahlreiche Erdrutsche an Berghängen verursachte und tausende Baumstämme in die Täler spülte.
16.01.2026 – Im November 2025 suchten die Zyklone Senyar und Ditwah Südostasien heim, mit verheerenden Folgen für die Menschen in Malaysia, Thailand, Indonesien und Sri Lanka. Eine der am stärksten von Sturzfluten und Erdrutschen betroffenen Regionen war Tapanuli in Nord-Sumatra. Auf den Fotos, die die Auswirkungen des Hochwassers in der Region zeigen, sind immer wieder riesige Mengen an Baumstämmen zu sehen, deren genaue Herkunft unklar ist.
Die Umweltschutzorganisation Client Earth, die seit Jahren weltweit illegale Abholzungen aufdeckt, hat gemeinsam mit der indonesischen NGO Auriga Nusantara Rodungen in dem Gebiet analysiert und sieht es als erwiesen an, dass Abholzungen die Wucht der Zerstörung verschärft haben.
Ein tödlicher Strom von Holz
Von allen indonesischen Inseln war Sumatra in den letzten Jahrzehnten am stärksten von Abholzung betroffen und verlor zwischen 1990 und 2020 fast die Hälfte seines Waldes. Der Großteil wurde gefällt, um Platz für Palmöl oder Holzplantagen zur Herstellung von Zellstoff und Papier zu schaffen.
Weil natürliche Wälder Niederschlag besser aufnehmen und den Boden stabilisieren, sind sie besser gegen Starkregen gewappnet. Abgeholzte Gebiete und Baumplantagen sind bei extremen Wettern stärker von Erdrutschen und Überschwemmungen betroffen.
Die indonesische Regierung selbst hat auf die umfangreiche Abholzung auf Sumatra als Schlüsselfaktor für die jüngste Katastrophe hingewiesen. Umweltminister Hanif Faisol Nurofiq erklärte gegenüber der New York Times, dass das Unwetter auch menschengemachte Ursachen habe. Präsident Prabowo Subianto wurde in Bezug auf die Katastrophe mit den Worten zitiert: „Wir müssen wirklich Abholzung und Waldzerstörung verhindern.“ Während eines Besuchs in den betroffenen Gebieten Nordsumatras erklärte er, dass die Regierung gegen illegale Holzfällerei vorgehen wolle.
Anfang Dezember 2025 gab Umweltminister Nurofiq bekannt, dass sein Büro Beweise darüber besitze, dass die Aktivitäten von acht Unternehmen möglicherweise zu den Erdrutschen und Überschwemmungen im Raum Tapanuli beigetragen haben. Anschließend ordnete der Präsident eine Prüfung und Bewertung des Holzplantagenunternehmens PT Toba Pulp Lestari (PT TPL) an, das mehrere große Landflächen in Nord-Sumatra kontrolliert.
Die Nachforschungen von Earthsight und Auriga zeigten, dass große Flächen geschützten Urwaldes und Orang-Utan-Lebensraums an steilen Hängen innerhalb eines Teils der PT TPL-Konzession illegal gerodet wurden. Die Organisationen analysierten Satellitenbilder im Einzugsgebiet des Flusses Batang Toru im Jahr vor der Katastrophe und identifizierten drei Holzeinschläge, die vor kurzem erfolgt sein müssen. Einer dieser Holzeinschläge befindet sich in einem Gebiet, für das PT Toba Pulp Lestari eine Konzession hat. Das Unternehmen entwickelt Eukalyptus-Plantagen und verarbeitet das Holz in seiner Zellstofffabrik zu Fasern.
Earthsight und Auriga stellten fest, dass zwischen März 2021 und dem 1. Dezember 2025 insgesamt 758 Hektar unberührten natürlichen Hochlandwaldes im Aek Raja-Block der Konzession der PT TPL gerodet wurden. Die Abholzungen haben sich auf weitere 125 Hektar über die Konzessionsgrenzen hinaus ausgeweitet.
Insgesamt wurde ein Gebiet, das mehr als 2,5-mal so groß ist wie der Central Park in New York, geräumt. Nach mehreren Jahren in gleichmäßigem Tempo beschleunigte sich die Rodung in den Wochen vor der Katastrophe, wobei täglich mehr als ein Fußballfeld-großes Waldstück mit Bulldozern abgeholzt wurde. Satellitenbilder vom 1. Dezember unmittelbar nach dem Zyklon zeigen, dass sich massive Erdrutsche in unmittelbarer Nähe der jüngsten Fällungen ereigneten.
Weil das Gelände steil ist und deshalb besonders von Erdrutschen bedroht, sind dort normalerweise keine Rodungen erlaubt. Die beobachtete Aktivität ist daher nicht nur zerstörerisch: Sie scheint völlig illegal zu sein.
PT TPL hat das Gebiet 2024 sogar selbst bewertet und festgestellt, dass das Gebiet aufgrund seiner Topografie stark erosionsgefährdet ist innerhalb des Lizenzgebiets national bedeutsame Vorkommen bedrohter Arten zu finden sind. Der Batang-Toru-Orang-Utan findet hier geeigneten Lebensraum, eine einzigartige Art, die nur im Batang-Toru-Ökosystem vorkommt.
PT TPL bestreitet, dass Erdrutsche oder Überschwemmungen auf die Aktivitäten des Unternehmens zurückzuführen sind. PT TPL betonte außerdem, dass es keine natürlichen Wälder abholzt, alle relevanten Vorschriften einhält und Wälder mit hohem Schutzwert schützt.
Vorwürfe sind nicht neu
Abholzung in diesem Gebiet wurde bereits zuvor aufgedeckt: Im Juli 2024 berichtete die NGO Rainforest Action Network (RAN) über die Waldrodung in diesem Teil der PT Toba Pulp Lestari-Konzession. Im Jahr 2024 teilte PT TPL mit, dass es sich bei der Aktivität um illegales Eindringen und illegale Holzeinschlag durch Dritte handele, und dass dies 2023 den zuständigen Behörden gemeldet wurde.
Im Dezember 2025 führten Earthsight und Auriga Felduntersuchungen vor Ort durch. Dokumentiert wurde Holzeinschlag an extrem steilen Hängen, was nach indonesischem Recht verboten ist. Außerdem fanden die Prüfer schwere Maschinen und neben der Straße gestapelte tropische Baumstämme, die keine Markierungen aufwiesen, was auf illegale Fällung hindeutet.
Hochauflösende Satellitenbilder vom September 2025 zeigen außerdem, dass einige illegal abgeholzte Waldflächen inzwischen durch Monokultur-Baumpflanzungen ersetzt wurden – was für illegale Holzfäller sehr ungewöhnlich wäre. Selbst wenn die Rodungen illegal durch Dritte erfolgt sind, liegt es in der rechtlichen Verantwortung von PT TPL, solche Aktivitäten innerhalb seiner Konzession zu verhindern.
Hinweise aus anderen Quellen deuten darauf hin, dass das Unternehmen nicht nur die Bekämpfung illegaler Aktivitäten vernachlässigt, sondern möglicherweise illegalen Holzeinschlag zulässt und dann davon profitiert, wenn die Behörden grünes Licht geben, das betroffene Gebiet mit Monokulturen wiederaufzuforsten. So kann das Unternehmen seine Plantagen erweitern, während es weiterhin behauptet, keinen natürlichen Wald zerstört zu haben.
Belege dafür finden sich im jährlichen Managementplan von PT TPL sowie in einem Prüfungsbericht von 2024, der im indonesischen Holzlegalitätssicherungssystem SVLK erstellt wurde. Beide Dokumente beziehen sich auf Wiederherstellungs- oder Anreicherungs-Aktivitäten (nämlich die Anpflanzung von Monokulturen) durch PT TPL in geschützten Waldgebieten innerhalb der Konzession des Unternehmens. Keines der Dokumente erklärt, warum diese geschützten Wälder eine solche Wiederherstellung benötigen, illegale Abholzung durch einen mysteriösen Dritten könnte dafür ursächlich sein.
Wo waren die Behörden in all dem? Wenn es stimmt, dass PT TPL sie bereits 2023 auf illegale Abholzung aufmerksam gemacht hat, warum wurde die Operation dann nicht gestoppt? Warum haben die Behörden nicht gehandelt? Warum hat PT TPL sie nicht weiter dazu gedrängt?
Earthsight und Auriga fragten PT TPL, welche Behörden kontaktiert und welche Nachverfolgungsmaßnahmen unternommen wurden. Das Unternehmen berichtete von einer Meldung an die Forstverwaltung, erwähnte keine weitere Kommunikation und gab keine weiteren Informationen.
„Die Anti-Korruptionskommission muss untersuchen, warum die Behörden das ignoriert haben“, sagt Timer Manurung, Vorsitzender von Auriga Nusantara. „Es ist schwer zu glauben, dass ein Vorfall dieser Größenordnung über vier Jahre hinweg stattfinden konnte, ohne das Wissen oder die Beteiligung von PT Toba Pulp Lestari und den örtlichen Behörden.“
Unterdessen wurde PT Toba Pulp Lestari wiederholt der Menschenrechtsverletzungen in seinen Konflikten mit lokalen Gemeinden beschuldigt. Beim jüngsten Vorfall im September 2025 verletzten Sicherheitskräfte der PT TPL mehr als 30 Mitglieder der indigenen Gemeinschaft Ompu Mamontang Laut Ambarita, die in der Nähe des Tobasees Land bewirtschafteten.
Die Spur der Lieferkette
Earthsight verfolgte die Spur des Holzes, das durch die Zerstörung natürlicher Wälder in der PT TPL-Konzession gewonnen wurde. In den offiziellen Dokumenten der Papiermühle von PT TPL von 2021 bis 2024 wurde kein Verbrauch von natürlichem Waldholz angegeben. Aber auch kein anderes Sägewerk hat in seinen Dokumenten verzeichnet, dieses Holz erhalten zu haben. Das deutet laut Earthsight darauf hin, dass die Stämme undeklariert in die Lieferketten des Unternehmens eingedrungen sind.
Wohin der Holzzellstoff aus der Mühle von PT TPL gebracht wird, ist dagegen klarer. Vierundsechzig Prozent der Rohstoffe, die das Werk verwendet, stammen aus der eigenen Monokultur-Holzplantage in Nord-Sumatra. 98 Prozent der Umsätze werden mit PT Asia Pacific Rayon (APR) erzielt, Teil der Royal Golden Eagle (RGE) Gruppe, einem der größten Plantagen- und Forstunternehmen Indonesiens.
APR verfügt über ein Werk mit einer Kapazität von 325.000 Tonnen in Riau, Sumatra, das Viskose-Rayonfasern produziert, die zur Herstellung von Stoffen verwendet werden. Der Jahresbericht 2024 von APR bestätigt, dass 43 Prozent der Rohstoffe aus Toba Pulp Lestari stammen.
Viskosefasern für die Bekleidungsindustrie
Die Produktion von Rayon-Fasern für Kleidung ist ein Hauptverbraucher von Holz, jährlich werden laut der NGO Canopy rund 200 Millionen Bäume als Viskose in der Textilindustrie verarbeitet. APR – einer der größten Rayon-Hersteller der Welt – belegte im Hot Button Report 2025 von Canopy 2025 den 27. Platz von 30 Viskosefaserproduzenten in Sachen Nachhaltigkeit.
Aus Zollunterlagen geht hervor, dass zwischen Januar und Oktober 2025 Viskoserayon im Wert von 232 Millionen US-Dollar aus Indonesien exportiert wurde, vorrangig in die Türkei, nach Bangladesch, Pakistan und Indien. Die Spur lässt sich weiter verfolgen zu Einzelhändlern in den USA und Europa. pf























































