Tiefseebergbau: In Zeiträumen von mehreren Menschengenerationen denken

Eine weitere Verhandlungsrunde über internationale Regeln für den Tiefseebergbau sind ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Studien liefern wichtige Erkenntnisse zu den Umweltfolgen eines kommerziellen Bergbaus am Meeresgrund.
03.08.2026 – Vergangene Woche endete eine weitere Generalversammlung der international Seabed Authority (ISA), bei der die Zukunft der Tiefsee diskutiert wird. Die Entscheidung um einen Mining Code für einen möglichen kommerziellen Tiefseebergbau wurde erneut vertagt. Auch die geplante Roadmap wurde nicht verabschiedet.
Die Tiefsee und ihre Rohstoffe wurden von der internationalen Staatengemeinschaft zum gemeinsamen Erbe der Menschheit erklärt, das seit 1994 von der ISA verwaltet wird. Seither wird diskutiert, ob und, wenn ja, unter welchen Bedingungen Rohstoffe am Meeresgrund abgebaut werden könnten. Der kommerzielle Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee ist derzeit noch nirgendwo auf der Welt erlaubt.
Experten fordern, die Pläne für den Tiefseebergbau vorsorglich zu pausieren. Zu ihnen gehören rund 800 Meeresbiologen und -experten, zahlreicher NGOs sowie bisher über 46 von 169 ISA-Staaten, inklusive der EU und Deutschland. Letztere halten allerdings selbst Explorationslizenzen.
Trump setzt sich über Völkerrecht hinweg
Die Verhandlungen um einen Mining Code für einen Tiefseeabbau in der ISA ziehen sich bereits seit Jahren. Das Unternehmen The Metals Comany (TMC) sucht nach Schlupflöchern, um den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee ohne die Zustimmung der ISA zu beginnen. US-Präsident Donald Trump gab dem Unternehmen zuletzt Rückendeckung mit einer Executive Order. Anträge für den Rohstoffabbau am Meeresboden in internationalen Gewässern sollte demnach unabhängig von der ISA in den USA möglich sein. Ein im Frühjahr 2026 von TMC gestellter Antrag wird in den USA bearbeitet, die Folgen sind noch unklar.
Klage gegen ISA gescheitert
Die ISA hat daraufhin Ermittlungen wegen möglicher Vertragsverstöße eingeleitet. TMC und dessen Unternehmens-Töchter NORI und TOML verklagten anschließend ihrerseits die ISA vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg. Ziel war wohl, die laufenden Ermittlungen der Behörde aussetzen zu lassen und ein mögliches Einfrieren von Erkundungslizenzen zu verhindern.
Inzwischen ist klar, dass der Klage nicht stattgegeben wird, und die ISA-Untersuchungen zu möglicher Vertragsverletzungen durch die TMC-Tochterunternehmen NORI und TOML fortsetzen kann.
Lizenzvertrag für die Erkundung von Manganknollen verlängert
Gleichzeitig wurde der Lizenzvertrag des TMC-Tochterunternehmens NORI für die Erkundung von Manganknollen in der Clarion-Clipperton-Zone um fünf Jahre verlängert. Greenpeace-Meeresexpertin Daniela von Schaper hält die Entscheidung für einen folgenschweren Fehler, der die Fähigkeit der Regulierungsbehörde, die Einhaltung grundlegender Vorschriften durchzusetzen, ernsthaft infrage stellt.
"Hier wurde ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen. Richtig wäre gewesen, die Lizenzen zu kündigen, um ein deutliches Signal gegen rechtswidriges Handeln zu setzen. Stattdessen knickt die ISA bei einer aggressiven Klage gegen sie ein“, kritisiert Schaper. Um die Tiefsee vor der zerstörerischen Ausbeutung gieriger Konzerne zu schützen, sei ein sofortiges Moratorium für den Tiefseebergbau dringlicher denn je.
Schäden in der Tiefsee sind permanent
Inzwischen ist klar, dass die Tiefsee sich von langfristigen physischen Eingriffen langfristig nicht regenerieren würden. So konnten Studien etwa zeigen, dass physische Veränderung des Meeresbodens auch Jahrzehnte nach ersten Testabbauversuchen nachweisbar bleiben. Bei den komplexen Folgen auf das gesamte Ökosystem bleiben weiterhin Fragen offen.
„Die ersten Daten zu Umweltauswirkungen von Knollenkollektortests in der Clarion-Clipperton-Zone unterstützen die vorangegangenen Studien und Modellierungen, dass die Auswirkungen in den Abbaugebieten für die Prozesse im Meeresboden langfristig, das heißt für Jahrhunderte bis Jahrtausende, und für das spezifische Manganknollenhabitat permanent sein werden“, sagt Matthias Haeckel,Wissenschaftler im Forschungsbereich Marine Biogeochemie, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), und Koordinator des Europäischen Forschungsprojekts Mining Impact.Es sei auch klar, dass es zusätzlich zu Umweltschäden durch die Sedimentwolke und deren Ablagerung in der nahen Umgebung der Abbaugebiete kommen würde.
Zeiträume von mehreren Menschengenerationen
Für die Versorgung mit kritischen Metallrohstoffen wird der Tiefseebergbau zudem nur in geringem Maße beitragen können. Ob und welche Mengen überhaupt wirtschaftlich umgesetzt werden könnten, ist hochumstritten. „Manganknollen können in geringem Umfang zur Deckung des prognostizierten globalen Bedarfs an Kobalt und Nickel beitragen“, sagt Haeckel. Bei der Versorgung mit Kupfer werde die Rolle des Tiefseebergbaus vernachlässigbar bleiben. Die Konzentration an Seltenen Erden sei in den Manganknollen zu gering.
„Diese Unsicherheiten und die Zeiträume, bis solche Schäden in der Tiefsee feststellbar sein werden, werden unterschätzt, weil wir dabei über Zeiträume von mehreren Menschengenerationen sprechen“, erklärt Haeckel. „Mir fehlt eine umfassende Debatte zu den Möglichkeiten einer nachhaltigeren Nutzung von Rohstoffen im Zusammenhang von Klimaveränderung, Energiewende, Mobilität, Digitalisierung, Tiefseebergbau, Biodiversität und so weiter. Dies ist komplex, aber es hängt miteinander zusammen.“ jb


















































