Global-Witness-Bericht 2026: Indigene Gemeinschaften vor Rohstoffhunger schützen

124 Menschen starben 2025 beim Schutz von Land und Natur – die meisten Indigene. Bergbau ist die tödlichste Branche. Doch Gemeinschaften lernen auch, sich kollektiv selbst zu schützen.
21.09.2026 – 124 Menschen wurden 2025 weltweit getötet, weil sie ihr Land, ihre Wälder oder natürliche Ressourcen verteidigten. Das zeigt der neue Jahresbericht Collective power: The struggle for protection for land and environmental defenders der Menschenrechtsorganisation Global Witness. Fast drei Viertel aller Opfer waren Indigene oder Kleinbauern und -bäuerinnen. Seit Beginn der Erhebung 2012 zählt die Organisation damit 2.375 Todesfälle und Verschwundene weltweit.
Weniger Tote, aber keine Entwarnung
Auf den ersten Blick wirkt die Zahl wie eine Verbesserung: 2024 wurden noch 142 Tötungen registriert, 2023 sogar 196. Global Witness warnt jedoch ausdrücklich davor, die Zahlen als positiven Trend zu verstehen. Denn von den 15 Ländern, in denen 2025 Tötungen dokumentiert wurden, stufte der Freiheitsindex CIVICUS Monitor zehn als repressiv ein, Nicaragua sogar als geschlossen – die restriktivste Kategorie. Gerade dort, wo zivilgesellschaftliche Räume am stärksten eingeschränkt sind, dürfte die Dunkelziffer besonders hoch sein.
Der Bericht sieht zudem eine Verlagerung der Repression, weg von offener Gewalt, hin zu Kriminalisierung, Rufmordkampagnen in sozialen Medien und sogenannten Foreign-Agent-Gesetzen, die 2025 unter anderem in Mittel- und Osteuropa sowie in Peru, Ecuador und El Salvador eingeführt oder verschärft wurden.
Lateinamerika bleibt der gefährlichste Kontinent
85 Prozent aller weltweit dokumentierten Tötungen entfielen 2025 auf Lateinamerika. Kolumbien führt die Statistik mit 39 Fällen an – ein Rückgang von 48 im Vorjahr. Allein 13 davon geschahen im Department Cauca, das mit insgesamt 171 dokumentierten Fällen seit 2012 die höchste Zahl aller Departments aufweist. Brasilien verzeichnete mit 26 Tötungen eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr, konzentriert auf die Amazonas-Bundesstaaten Rondônia und Pará. Auch Honduras traf es mit 12 Fällen doppelt so hart wie 2024 – zehn davon allein im Department Colón, wo ausschließlich Kleinbauern und -bäuerinnen betroffen waren und in allen Fällen Verbindungen zum organisierten Verbrechen vermutet werden.
Rohstoffhunger als Treiber
Bergbau ist mit elf dokumentierten Tötungsfällen 2025 der tödlichste Wirtschaftssektor – vier davon allein auf den Philippinen, je zwei in Peru und je einer in Indien und der DR Kongo. Insgesamt gehen mehr als die Hälfte aller Tötungen auf Landkonflikte zurück, die Agrarindustrie war für sechs weitere verantwortlich, davon die Hälfte an Nicaraguas Karibikküste, wo die indigenen Völker der Miskitu, Mayangna und Rama betroffen sind.
Die Auflösung von USAID im vergangenen Jahr traf u.a. gezielt Programme, die Indigene bei der eigenständigen Verwaltung ihres Landes unterstützten. Die globale Entwicklungshilfe ist 2025 laut OECD um 23 Prozent eingebrochen – der größte je verzeichnete Rückgang.
Gemeinschaften kollektiv schützen
Gemeinschaften können sich jedoch auch erfolgreich selbst schützen. Ein Beispiel ist die 2022 gegründete Indigenous Guard der Kakataibo in Peru. Aus wenigen Dutzend Freiwilligen ist eine Gruppe mit heute mehr als 150 Mitgliedern und Stützpunkten in zehn Gemeinden geworden. Sie patrouilliert das Territorium, dokumentiert illegalen Kokain-Anbau und Landraub und sucht den Dialog mit Verantwortlichen, bevor alles eskaliert.
Die Hälfte des sechsköpfigen Führungsgremiums der Guard sind Frauen, die gezielt Themen wie geschlechtsspezifische Gewalt und politische Teilhabe von Frauen vorantreiben. 2025 fand das erste Treffen indigener Frauen-Guards im Amazonasgebiet statt.
Die Kakataibo lernen zudem von anderen indigenen Guard-Netzwerken in der Region, etwa von der Shipibo-Guard, ebenfalls in Peru, und ähnlichen Gruppen in Kolumbien. Bei grenzüberschreitenden Treffen tauschen sich die Gruppen über Strategien zum Schutz ihrer Territorien aus. Global Witness fordert unter anderem, dass kollektive Schutzmodelle von Staaten anerkannt und finanziell unterstützt werden, anstatt sie – wie so oft – zu kriminalisieren. jb






















































