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Nachhaltiges ReisenKlimaneutral im Kleinwalsertal

Wiese, Stühle und Tische vor Bergkulisse
Im Garten des Chesa Valisa ist die Ruhe im Kleinwalsertal vollkommen. (Bild: Chesa Valisa)

Luxusurlaub und Klimaschutz schließen sich nicht aus – das beweist das Chesa Valisa im Kleinwalsertal. Das Wellnesshotel bietet nicht nur regionales Essen und klimaneutrales Wohnen, sondern ist auch eingebettet in ein nachhaltiges Mobilitätskonzept.

07.06.2022 – Die Regionalbahn von Augsburg nach Oberstdorf wird zwar von einer Diesellok gezogen, aber klimaschonender geht es nicht ins Kleinwalsertal in Österreich. Morgens um halb acht mit dem ICE aus Berlin gestartet, fährt man in etwa siebeneinhalb Stunden quer durch Deutschland, um zu erleben, wie sich ein klimaneutraler Aufenthalt in einem Alpenhotel anfühlt. Das Bio-Hotel Chesa Valisa in Hirschegg im Kleinwalsertal erwartet seine Besucher:innen nicht nur mit nachhaltigem Essen aus der Region und einem ganzheitlichen Energiekonzept, sondern ist im Kleinwalsertal auch eingebettet in eine klimaschonende Fortbewegung.

Zu den Hauptzeiten fährt alle zehn Minuten ein öffentlicher Bus von Oberstdorf aus ins Kleinwalsertal. Über andere Wege ist das Tal nicht zu erreichen. „Für uns ist es ein wesentliches Anliegen die Gäste schon vorab darauf hinzuweisen, dass sie sehr einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu uns kommen können“, sagt David Kessler, der gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester das Familien-Hotel leitet. Insgesamt fünf eng getaktete Buslinien verkehren im Kleinwalsertal. Die Gäste des Hotels erhalten für die Zeit ihres Aufenthalts eine kostenlose Fahrkarte – die Allgäu-Walser-Card – mit der sie im Sommer und Herbst auch die Bergbahnen im Tal und in Oberstdorf nutzen können. Zudem bietet das Hotel einen kostenlosen Mountainbike-Verleih an.

Im letzten Jahrhundert erstickte das Kleinwalsertal zu den Hauptverkehrszeiten noch in Staus. Doch seit in den 1990er Jahren die heute sichtbaren Veränderungen angestoßen wurden, verkehren in der touristisch attraktiven Region vergleichsweise wenige Autos. Die Ruhe im Tal ist auch auf dem Hotelgelände spürbar, gar vollkommener. Hotelterrasse und Garten laden zu Kaffee und hausgemachten Apfelstrudel ein. Im hinteren Bereich erstreckt sich der Wellnessbereich mit Saunen und Pool, sowie Massageangeboten und weiteren Behandlungen. Mehrmals am Tag laden Yogalehrer:innen zu aktiven und entspannenden Programmen ein. Besonders nach einer anstrengenden Bergwanderung lassen sich Rücken, Beine und Füße so wieder ins Gleichgewicht bringen.

Ruhe strahlen auch die Gebäude des Hotels aus. Ein fünfhundert Jahre altes Bauernhaus bildete den Ausgangspunkt für weitere Anbauten, die in typischer Vorarlberger Holzarchitektur gehalten sind. Unbehandeltes Holz wird – alten Ställen in den Bergen gleich – der Verwitterung freigegeben. „Auf der Wetterseite werden die Gebäude silbrig grau, auf der Sonnenseite braun, schwarz verbrannt. Mit diesem Prozess gibt man ein Haus, das ein Fremdkörper in der Natur ist, auf lange Sicht wieder der Natur zurück“, sagt Kessler. Im Gebäudeinneren ist in vielen Zimmern Lehm verbaut. „Lehm atmet, Lehm ist etwas Lebendiges. Im Sommer kühlt er und ersetzt jegliche Klimaanlage. Im Winter gibt er Feuchtigkeit ab. Trockene Heizungsluft und rissige Haut sind daher kein Thema bei uns“, so Kessler.

Geheizt wird im Hotel mit Sonnenergie und über ein Fernwärme-Hackschnitzel-Kraftwerk im Kleinwalsertal. Genossenschaftlich betrieben, werden in dem Kraftwerk Hackschnitzel der Walser Bauern verfeuert, die alten Wald abholzen, der angesichts des Klimawandel nicht länger überlebensfähig ist und durch widerstandsfähigeren Mischwald ersetzt wird. Dreifachverglaste Fenster sorgen zudem für eine gute Isolierung und geringen Energieaufwand. Kessler erinnert sich, wie sein Vater früher besorgt vor den Erdölpreisen saß und sich die Frage stellte, wann der richtige Zeitpunkt sei, neues Öl zum Heizen zu kaufen. Dabei ging es regelmäßig um Differenzen von vielen tausend Kronen. „Jetzt haben wir festgeschriebene Preise für die Fernwärme aus dem Hackschnitzel-Kraftwerk und zusätzliche Sonnenenergie macht das ganze noch günstiger“, sagt Kessler.

Strom und Warmwasser speisen sich ebenfalls aus mehreren Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern des Hotels. Den zusätzlichen Bedarf bezieht das Chesa Valisa von einem örtlichen Ökostromversorger. Energie, die im Hotel fast das ganze Jahr über gebraucht wird. Während in anderen Regionen der Alpen Wintersportgebiete im Sommer brachliegen, erfreut sich das Kleinwalsertal auch zwischen Juni und Oktober großer Beliebtheit. Wo im Winter Skiabfahrten locken, lassen sich im Sommer die Berge, wie der Ifen, das Walmendinger Horn und die Hammerspitze, erklimmen. Und wem der darauffolgende Abstieg zu beschwerlich ist, der oder die kann von einigen Höhenzügen mit der Gondelbahn wieder hinabfahren – kostenlos, mit der Allgäu-Walser-Card.

Wie viele andere Tourismusbetriebe im Kleinwalsertal, hat sich auch das Chesa Valisa einem sanften Tourismus verschrieben. Nachdem vor sechs Jahren die letzten Ausbauten stattfanden, beschloss Familie Kessler nicht weiter zu wachsen. „Wir sind ein familiengeführtes Haus, mit einer großen Nähe zu den Gästen. Da steckt viel Herzblut drin und dies ist nur möglich bis zu einer gewissen Anzahl an Gästen“, so David Kessler. Neu hinzugekommen sind dagegen Häuser für die Mitarbeiter:innen, ebenfalls energieeffizient erbaut und mit Solarpaneelen ausgestattet. „Mein CO2-Ausstoß ist ziemlich unter dem Durchschnitt“, sagt Attila Bougani, stellvertretender Restaurantleiter und Sommelier. Dafür sorge neben den klimaschonenden Unterkünften und Fortbewegungsmitteln auch das regionale Essen.

Wie die Gäste des Hotels, werden auch die Mitarbeiter:innen mit regionalem und saisonalem Essen versorgt. Die Verantwortung dafür trägt der Küchenchef Bernhard Schneider. „In den letzten 14 Jahren haben wir das Thema Bio, in Verbindung mit saisonalem und regionalem Essen, richtig aufblühen lassen“, sagt Schneider. Anfangs sei es schwierig gewesen, biologische Güter aus dem Tal zu beziehen, doch mit der Zeit habe sich dies geändert und viele Lebensmittelproduzenten im Tal seien auf den Zug ausgesprungen. „Wir haben angefangen mit zwei Kleinwalser Biobauern, inzwischen sind es zwölf“, so Schneider. Vegetarische und vegane Gerichte stehen inzwischen wie selbstverständlich auf der Speisekarte und werden, ebenso wie die Fleischgerichte, mit viel Raffinesse zubereitet. Ein veganes ayurvedisches Gericht etwa ist fester Bestandteil der abendlichen Speisekarte. Ein Koch dürfe nicht stehen bleiben und muss sich ständig weiterentwickeln, das mache den Beruf aber auch so attraktiv, meint Schneider.

Ganz ohne CO2-Ausstoß funktioniert auch ein nachhaltiger Hotelbetrieb wie im Chesa Valisa nicht. Mit Aufforstungsprogrammen kompensiert Familie Kessler anfallende Emissionen. Als Teil der Bio Hotels Vereinigung arbeitet das Chesa Valisa mit den CO2-Kompensationen bereits klimaneutral, mit dem Ziel im nächsten Jahr klimapositiv zu wirtschaften. Zur Bio Hotels Vereinigung gehören insgesamt rund 80 Häuser in sechs europäischen Ländern. Bei einer CO2-Bilanzierungim letzten Jahr ermittelten die Nachhaltigkeitsberater:innen von Fokus Zukunft einen CO2-Ausstoß von gerade einmal 7,5 Kg CO2 Equivalenten pro Gast und Übernachtung, die von den Hotels kompensiert werden. Das Chesa Valisa liegt sogar nur bei 2,3 Kg CO2e. Zum Vergleich: Ein konventionelles Hotel verursacht zwischen 17 und 47 kg CO2e pro Nacht.

Wie das Chesa Valisa sind viele der Bio Hotels zudem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Für die wachsende Anzahl ökologisch Reisender ein wichtiges Argument. Bei einer weltweiten Umfrage landete Deutschland beim Thema nachhaltiges Reisen auf dem ersten Platz. 22 Prozent der Deutschen gaben 2019 an, dass sie sich aufgrund des CO2-Fußabdrucks bewusst gegen eine Reise entschieden hatten. Die Umfrage zeigt aber auch, dass noch Luft nach oben besteht. Das Chesa Valisa und die Bio Hotels Vereinigung helfen dabei, die Entscheidung für eine Reise zu erleichtern. Denn ein nachhaltiger Urlaub liegt oftmals nur eine Zugfahrt entfernt. Manuel Först


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