LuftverschmutzungKunststoff liegt in der Luft

Mann mit Gasmaske vor Müllhalde
Die Welt versinkt in Plastik und die UN ringt um ein Abkommen, um die Verschmutzung einzudämmen. Derweil werden immer mehr Details zu Ausmaß und Auswirkungen von Plastik bekannt (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Mikroplastik in Meer und Seen, Luftverschmutzung durch Emissionen und Feinstaub. Die Welt braucht ein Abkommen zur Eindämmung der Plastikflut. Verlängerte Verhandlungen um ein Plastikabkommen tagen noch bis Anfang nächster Woche.

07.08.2025 – Eigentlich wollte die UN bis Ende des vergangenen Jahres ein globales Plastikabkommen erzielen. Da keine Einigung gefunden wurde, tagt die Runde derzeit erneut. Deutschland und die EU sind unter den mehr als 100 Staaten, die eine verbindliche Eindämmung der Plastikkrise fordern.

“Es braucht jetzt verbindliche globale Ziele, um die Plastikproduktion zu senken. Dazu gehören auch ein weltweites Aus für unnötiges Einwegplastik und ein Verbot gefährlicher Plastikchemikalien“, fordert Greenpeace-Plastikexperte Moritz Jäger-Roschko. „Wer den Schutz von Mensch und Umwelt ernst meint, muss jetzt konkrete Taten folgen lassen. Die Plastikkrise ist schon seit Jahren eine massive Bedrohung für Umwelt und Gesundheit. Sie lässt sich nur eindämmen, wenn wir an der Ursache des Problems ansetzen und weltweit weniger Plastik produzieren.“ Deutschland müsse sich bei den Verhandlungen genau dafür stark machen.

Die Welt versinkt in Plastik

Die Plastikproduktion wird vor allem von der fossilen Brennstoffindustrie vorangetrieben. Für die Produktion von Plastik werden derzeit allein in Deutschland fast neun Millionen Tonnen an Öl und Gas pro Jahr verbraucht.

In der Erde, im Wasser, auf Gletschern, in den Tiefseegräben der Meere ist Plastik zu finden. Die Produktion ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. Prognosen der OECD zufolge wird sie sich bis 2050 erneut verdoppeln, und ein weiteres Mal bis 2060.

Zusammen wiegt alles Plastik, das jemals produziert wurde, schon heute mehr als doppelt so viel wie die Gesamtmasse aller Land- und Meerestiere. Über die Hälfte davon ist bereits zu Müll geworden. Dieser zersetzt sich über die Jahre zu Mikroplastik, dessen Bestandteile teils giftig sind und die Organismen über Nahrung, Luft oder Wasser aufnehmen.

Verschmutzung durch Mikroplastik, Emissionen, und Feinstaub aus Produktionsanlagen

Der Müll verschmutzt nicht nur Seen, Meere, Land und Luft, auch im menschlichen Körper wird immer mehr Mikroplastik nachgewiesen. Zu direkten Gesundheitsschäden und Umweltverschmutzung kommen die Treibhausgasemissionen und folglich Klimaschäden, die die Plastikproduktion verursacht.

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Weniger Plastikmüll produzieren

Die letzte Verhandlungsrunde für ein UN-Plastikabkommen tagt in Südkorea. Wie auch bei der Klimakonferenz sind zahlreiche Lobbyisten vor Ort. Während ein Abkommen Plastikmüll reduzieren soll, wollen sie die Produktion ausbauen.

Der Bericht Every Breath You Take im Auftrag von Greenpeace zeigt auf, dass auch die Produktion von Kunststoff an sich erhebliche Luftverschmutzung mit sich bringt. Petrochemische Anlagen, die auch Stoffe für die Plastikproduktion herstellen, stoßen schädlicher Luftschadstoffe wie flüchtige organische Verbindungen (VOC), Stickoxide (NOₓ), Schwefeloxide (SOₓ) und Feinstaub (PM) aus. Die ausgewerteten Studien stellten höhere Konzentrationen dieser Schadstoffe in der Nähe von petrochemischen Anlagen fest sowie ein mit der Nähe zu den Anlagen verbundenes erhöhtes Krankheitsrisiko, einschließlich Krebs- und Atemwegserkrankungen. Die Luftverschmutzung petrochemischer Produktionsanlagen für die Kunststoff-Wertschöpfungskette wirkt sich in einem Radius von 10 km negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung vor Ort aus, schließt der Bericht. Einige Fälle seien so extrem, dass sie von der UNO als Opferzonen bezeichnet werden.

Weltweit sind über 50 Millionen Menschen in 11 Ländern gefährlicher Luftverschmutzung durch Kunststoffproduktion ausgesetzt. In den Niederlanden lebt mit einem Viertel der höchste Anteil der Bevölkerung gefährlich nahe an solchen Anlagen, die größte Anzahl mit Expositionsrisiko lebt in den USA.

Eindämmen, nicht ausweiten

Die Plastikindustrie plant, ihre Produktion bis 2050 weiter massiv auszubauen. Emissionen, Luftverschmutzung und Vermüllung würden so noch weiter zunehmen. Greenpeace fordert, die Kunststoffproduktion bis 2040 um mindestens 75 Prozent zu reduzieren, mit dem Ziel, sie ganz einzustellen.

Die fünfte UN-Verhandlungsrunde tagt noch bis zum 14. August in Geneva, Schweiz. Das Abkommen wurde über fast zehn Jahre vorbereitet. jb

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