LuftqualitätLuft nach oben bei der Luftqualität

Weißes Federgras vor blauem Himmel
Zwar hat Deutschland 2025 die EU-Grenzwerte zur Luftqualität eingehalten, doch sie liegen weiterhin – teils deutlich – über den WHO-Empfehlungen. Ab 2030 gelten strengere Vorgaben. Umweltverbände warnen vor Gesundheitsfolgen schmutziger Luft (Bild: Vlad Kutepov / Unsplash Lizenz).

Deutschland hält die EU-Grenzwerte zur Luftqualität ein, doch Ozon- und Feinstaubbelastung bleiben hoch. Ab 2030 werden die EU-Vorgaben deutlich strenger. Umweltverbände fordern konsequente Maßnahmen, um gesundheitliche Folgen zu senken.

13.02.2026 – Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland erneut alle geltenden europäischen Grenzwerte zur Luftqualität eingehalten. Die durchschnittliche Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid lag – u.a. witterungsbedingt – allerdings höher als in den Vorjahren, zeigt die vorläufige Auswertung der Messdaten der Bundesländer und des Umweltbundesamtes (UBA) von bislang rund 600 Messstationen Ende Januar 2026. Endgültige Daten stehen ab Mitte 2026 zur Verfügung.

„Mit der Einhaltung aller Grenzwerte setzt sich 2025 die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Es bedarf dennoch weiterer Anstrengungen zur Verbesserung der Luftqualität“, sagt Dirk Messner, Präsident des UBA.

Richtwerte in der EU werden ab 2030 strenger

In Deutschland gelten derzeit noch die 2008 beschlossenen Grenzwerte von 40 µg/m³ im Jahresmittel für Stickstoffdioxid und 25 µg/m³ für Feinstaub. Ab 2030 gelten die strengeren Grenzwerte der neuen europäischen Luftqualitätsrichtlinie, die Grenzwerte teilweise mehr als halbiert. Zukünftig sinkt etwa der Grenzwert von Stickstoffdioxid (NO2) von aktuell 40 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) und der Feinstaub-Grenzwert PM2,5 von aktuell 25 auf 10 µg/m³ im Jahresdurchschnitt. Die aktuellen Luftmessdaten zeigen, dass bei NO2 und PM2,5 noch erhebliche Verbesserungen notwendig sind, um die ab 2030 geltenden strengeren Grenzwerte einzuhalten. Die EU-Staaten können allerdings eine Fristenverlängerung beantragen. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass eine flächendeckende Einhaltung in Deutschland bis 2035 möglich ist.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte ihre Richtwerte 2021 aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse drastisch gesenkt, etwa für Feinstaub ??2.5 von 10 µg/m³ auf 5 µg/m³. Viele Umweltverbände sowie das Europäische Parlament kritisierten, dass die für 2030 angesetzten EU-Grenzwerte immer noch doppelt so hoch liegen wie die Empfehlungen der WHO. In der Einigung von 2024 wurden Vorgaben dahingehend verschärft, dass die Richtwerte ab 2030 alle fünf Jahre überprüft werden sollen. Ziel ist, sie langfristig an die WHO-Leitlinien anzupassen. Bis 2050 soll die Luftqualität als nicht mehr schädlich für Mensch und Umwelt gelten.

„Die neuen europäischen Grenzwerte nähern sich zwar nur schrittweise an die deutlich ambitionierteren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation an. Dennoch führt jede Verbesserung der Luftqualität dazu, dass das Gesundheitsrisiko für die Gesamtbevölkerung sinkt“, so Messner.

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Hohe Ozonbelastung im Sommer, hohe Feinstaubbelastung im Winter

Es steht zu erwarten, dass die Ozon- und Feinstaubbelastung im kommenden Jahrzehnt die Werte zumindest phasenweise noch deutlich übersteigt. Deutschlandweit lagen die Tageshöchstwerte für Ozon 2025 durchschnittlich bei 138 µg/m³ und damit weit über dem von der WHO empfohlenen maximalen 8-Stunden-Mittelwert von 100 µg/m³. Für Ozon gibt es derzeit in Deutschland keine gesetzlichen Grenz- sondern lediglich sogenannte Zielwerte.

Bodennahes Ozon wird nicht direkt ausgestoßen, sondern entsteht größtenteils durch die Reaktion von Stickoxiden und Methan unter starker Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen – Bedingungen, die durch die Klimakrise immer häufiger auftreten. Methan stammt in Deutschland vor allem aus der industriellen Tierhaltung, während Stickoxide hauptsächlich durch Verbrennungsprozesse, etwa im Verkehr, verursacht werden. Sowohl Methan als auch Stickoxide (NOx) müssten dringend stärker reduziert werden.

An kalten Tagen steigt wiederum der Energie- und Heizbedarf, was auch Emissionen in die Höhe treibt. In kalten Hochdruckwetterlagen mit wenig Wind und vertikalem Luftaustausch können sich die Schadstoffe in den unteren Luftschichten über Tage hinweg anreichern, und die Belastung deutlich steigen. Dadurch – und auch durch grenzüberschreitenden Schadstofftransport – steigt die Feinstaubbelastung (PM2,5) oft deutlich an. Im vergangenen Jahr wären etwa im Februar und März die ab 2030 anzuwendenden Grenzwerte noch deutlich überschritten worden.

Auch 2026 startete in vielen Städten Deutschlands mit noch schlechterer Luftqualität. Bis Anfang Februar 2026 wurde der zukünftige Tagesmittelgrenzwert für Feinstaub (PM2,5) in Höhe von 25 µg/m³ in einigen Städten häufiger überschritten, als es im gesamten Jahr zulässig wäre, berichtet die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Umweltorganisationen fordern mehr Maßnahmen für reine Luft

Ein Urteil des Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte bereits 2024 einer Klage der DUH stattgegeben und entschieden, dass das derzeitige Nationale Luftreinhalteprogramm unzureichend ist. Das Umweltministerium ist in Revision gegangen.

Die DUH fordert etwa eine Partikelabscheider-Pflicht für bestehende und neu installierte Holzöfen, und die klare Priorisierung von Wärmepumpen sowie die Nachrüstung oder Stilllegung aller 7,8 Millionen ‚Betrugsdiesel‘, die nach wie vor in Deutschland zugelassen sind. Auch die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die Health and Environment Alliance (HEAL) und das Centre for Planetary Health Policy (CPHP) fordern mehr Maßnahmen für bessere Luft anstatt einer Verschiebung der neuen Grenzwerte der EU-Luftqualitätsrichtlinie.

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Zu hohe Ozonwerte flächendeckend in Deutschland

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„Wenn die Bundesregierung die Einhaltung veralteter Grenzwerte als Erfolg verkauft, ist das eine gefährliche Verharmlosung der realen Gesundheitsbelastung“, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Die Bundesregierung muss endlich eine Strategie vorlegen, um die neuen und deutlich strengeren Grenzwerte bis zum Jahr 2030 sicher einzuhalten. Jede weitere Verschleppung effektiver Maßnahmen kostet Menschenleben.“

Luftverschmutzung ist das bedeutendste umweltbedingte Gesundheitsrisiko

Luftverschmutzung ist das bedeutendste umweltbedingte Gesundheitsrisiko in der europäischen Region. Für das Jahr 2019 führte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 569.000 vorzeitige Todesfälle auf Außenluftverschmutzung und 154.000 Todesfälle auf Luftverschmutzung in Innenräumen zurück. Genaue Zahlen variieren stark, je nach dem, mit welchen Schadstoffgrenzwerten gerechnet wird.

Aktuelle Studien zeigen, dass es grundsätzlich keinen Grad der Luftverschmutzung gibt, der die Gesundheit nicht beeinflusst. Vielmehr schadet verschmutzte Luft immer. Grenzwerte sollten darauf ausgerichtet sein, schwere Krankheiten und Todesfälle zu verhindern. Sie können Leben retten, chronische Krankheiten verhindern, Gesundheitskosten reduzieren und die Lebensqualität insgesamt verbessern.

Zur besseren Einordnung hat das UBA den deutschen Luftqualitätsindex (LQI) Ende letzten Jahres umfassend überarbeitet. Der Luftqualitätsindex bewertet Messdaten zu den Luftschadstoffen Feinstaub (PM2,5 und PM10), Stickstoffdioxid, Ozon und Schwefeldioxid und bewertet die Schadstoffbelastung aufgrund medizinischer Erkenntnisse in fünf Kategorien von sehr gut bis sehr schlecht. Zusammen mit Verhaltensempfehlungen soll dies vor allem Menschen mit Vorerkrankungen helfen, ihr Verhalten kurzfristig an hohe Luftschadstoffbelastungen anzupassen. jb

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