Meeresschutz: Meeresschutzgebiete weniger effektiv für den Artenschutz als gedacht

Weniger als ein Viertel der Ökosysteme in als Meeresschutzgebieten ausgewiesenen Flächen ist effektiv geschützt. Forschende betonen, dass Schutzauflagen nicht nur ausgewiesen, sondern auch kontrolliert werden müssen.
10.09.2026 – Im Rahmen des Kunming-Montreal Global Biodiversity Frameworks (CBD) sollen bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Landes- und Meeresfläche geschützt sein. Ökologisch wirksam geschützt ist einer in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichten Studie zufolge allerdings höchstens ein Viertel der Ökosysteme innerhalb von Meeresschutzgebieten. Großen Einfluss hat wohl die Fischerei. Forschende betonen, dass die Ergebnisse nicht verwundern.
Weltweit nur zwei Prozent des Meeres geschützt
In der Studie nutzten die Forschenden die Fischbiomasse als Indikator. Zu diesem Zweck werteten sie empirische Daten zu Anzahl und Größe von Fischen und Haien in 552 Meeresschutzgebietszonen weltweit aus. Ein ökologisch effektiver Schutz besteht laut der Studie in höchstens 23 Prozent der derzeit ausgewiesenen Meeresschutzgebiete (MPAs), besonders in flachen Stein- und Korallenriffen. Hochgerechnet auf alle Ozeane sind demnach nur etwa zwei Prozent wirksam geschützt.
Die empirischen Daten wurden mit einem Modell verglichen, das ein fiktives Szenario ohne Schutzauflagen simuliert. Auf dieser Basis wurde ein Schutzgebiet als effektiv eingestuft, wenn die tatsächliche Fischbiomasse mindestens doppelt so hoch war wie im ungeschützten Modell.
Leergefischt?
Die Fischerei hat – wenig überraschend – einen erheblichen Einfluss auf die Menge der Fische in Riff-Ökosystemen. Da in vielen als Schutzgebieten ausgewiesenen Zonen die Fischerei nicht vollständig verboten ist, hängt die ökologische Wirksamkeit maßgeblich von den konkreten Beschränkungen und deren lokaler Einhaltung ab.
30 Prozent der Flächen für die Biodiversität
Für das im Rahmen des Kunming-Montreal Global Biodiversity Frameworks (CBD) vereinbarte Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meeresgebiete wirksam zu erhalten und zu bewirtschaften, sieht es deutlich schlechter aus als angenommen. Die Schätzungen der Studie liegen mit weltweit zwei Prozent geschützter Flächen deutlich unter den vonH der CBD gemeldeten 9,8 Prozent.
„Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen andere Studien, die zeigen, dass wirksamer Meeresschutz nicht allein durch die Ausweisung von Schutzgebieten erreicht werden kann, sondern vor allem durch die Kontrolle und Einhaltung des Schutzes unter starker Einbindung der Nutzer“, sagt Christian Wild, Professor und Leiter der Arbeitsgruppe Marine Ökologie, Universität Bremen.Spannend sei vor allem, dass bisher die Qualität des Schutzes um das Fünffache überschätzt worden sein könnte.
„Die wichtigste Botschaft der Studie ist meiner Meinung nach, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität des Meeresschutzes entscheidend ist.“, so Wild. „Wir könnten also das ehrgeizige Hauptziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Fläche des Weltozeans zu schützen, erreichen, aber dennoch keinen wirksamen Schutz gewährleisten. Unsere Hauptaufgabe ist es also, den Schutz der Meere so zu konzeptionieren, dass die Kontrolle und Einhaltung des Schutzes hochprioritär verbessert wird, neben der Ausweisung von mehr Meeresfläche.“
Die Umsetzung des 30x30-Ziels und der Wirksamkeit der Schutzgebiets-Konzepte stehen im Fokus der 17. UN-Biodiversitätskonferenz, die vom 19. bis 30. Oktober 2026 im armenischen Jerewan stattfindet. jb





















































