Dam Removal Report: Mehr als 600 Flussbarrieren in Europa zurückgebaut

Flüsse in Europa sind vielfach verbaut; eine europäische Bewegung will das zumindest teilweise ändern und damit Süßwasserökosysteme stärken. Im letzten Jahr wurden 603 Barrieren in Flüssen zurückgebaut, ein neuer Rekord.
30.06.2026 – Der jährliche Bericht der Bewegung Dam Removal Europe zählt 603 Flussbarrieren die 2025 entfernt wurden. Damit können auf über 3.740 Kilometer Flüsse in Europa wieder ungestört fließen. Das stärkt den natürlichen Klimaschutz und die Biodiversität, verbessert die Wassersicherheit und hilft Ökosystemen sich zu erholen. Zum fünften Mal in Folge stieg die Zahl der jährlichen Rückbaumaßnahmen.
Zwei Länder entfernten 2025 offiziell ihre ersten Flussbarrieren – Island und Nordmazedonien – und erhöhten die Zahl der teilnehmenden Länder damit auf 29.
Der Erfolg der Bewegung beruht auf der wachsenden Erkenntnis, dass gesunde Flüsse eine entscheidende natürliche Infrastruktur sind – lebendige Systeme, die Hochwasserschutz, Wassersicherheit, Biodiversität und Klimawiderstandsfähigkeit bieten. Die Menschen verstehen zunehmend, dass veraltete Dämme nicht für immer bestehen müssen: Sie können – und sollten – entfernt werden, um Flüsse wiederherzustellen und Menschen, Natur und Klima zu nützen.
Zum ersten Mal war Schweden Vorreiter, mit mindestens 173 abgebauten Hindernissen, gefolgt von Finnland und Spanien, wo nationales Engagement und koordiniertes Handeln den Fortschritt beschleunigen.
Die Mehrheit der 2025 entfernten Fluss-Barrieren waren kleine, veraltete Bauwerke wie Durchlässe und Wehre. Die Maßnahmen sind oft nicht sehr kostenintensiv und bringen, wenn sie in großem Umfang durchgeführt werden, erhebliche kumulative Vorteile. Schweden entfernte insbesondere mehrere Holzstaudämme, ein Erbe der langen Geschichte der industriellen Forstwirtschaft, bei der viele Flüsse kanalisiert und aufgestaut wurden, damit Stämme flussabwärts treiben konnten.
Die Flüsse Europas sind weiterhin stark fragmentiert, wobei über 1,2 Millionen Barrieren – darunter Dämme, Wehre und Durchlässe – natürliche Prozesse stören. Viele dieser Strukturen sind veraltet, blockieren jedoch weiterhin den Wasserfluss, Sedimente und Nährstoffe und verhindern die Bewegung von Arten.
Diese Fragmentierung trägt maßgeblich zur Zerstörung des Ökosystems bei und hat eine entscheidende Rolle beim dramatischen Rückgang der Süßwasserbiodiversität gespielt, wobei laut einem aktuellen Bericht der Europäischen Kommission 42 Prozent der europäischen Süßwasserfische als vom Aussterben bedroht eingestuft werden.
„Europas Flüsse sind durch schätzungsweise 1,2 Millionen Barrieren fragmentiert – und mehr als 150.000 davon gelten bereits als veraltet. Das macht die Entfernung von Barrieren zu einem der größten ökologischen 'Easy Winners' heute“, sagte Chris Baker, Direktor von Wetlands International Europe. „Diese veralteten Barrieren bringen keinen Nutzen mehr, dennoch schädigen sie Flüsse jeden Tag, an dem sie noch stehen.“
Rückgebaute Wehre in Deutschland
In Deutschland wurden der Initiative 15 Rückbauten gemeldet. So ist in Stadtilm/Thüringen, auf Höhe der alten Lederfabrik, die Ilm nun wieder durchgängig passierbar, nachdem ein altes Wehr zurückgebaut wurde. Und auch am Wielenbach, einem Zufluss des Lech in Bayern, wurde im Dezember 2025 mit dem Rückbau eines Wehrs begonnen.
Die EU-Verordnung zur Naturwiederherstellung, die 2024 in Kraft trat, hat zum Ziel, bis 2030 mindestens 25.000 Flusskilometer wieder frei fließen zu lassen. Die Entfernung von Barrieren bleibt eines der effektivsten Werkzeuge, um dieses Ziel zu erreichen. pf
















































