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Ökologisch Bahnfahren zwischen Stuttgart und Berlin

Auf der InnoTrans 2016 stellte Locomore seinen ersten orangerot lackierten Waggon im Retrodesign vor. Baujahr 1977 und gerade deswegen ein echter Hingucker. (Foto: © Joschua Katz)
Auf der InnoTrans 2016 stellte Locomore seinen ersten orangerot lackierten Waggon im Retrodesign vor. Baujahr 1977 und gerade deswegen ein echter Hingucker. (Foto: © Joschua Katz)

Das alternative Bahnunternehmen Locomore fährt ab dem 14. Dezember 2016 täglich von Stuttgart über Frankfurt nach Berlin und nachmittags wieder zurück. Trotz eines umfangreichen Serviceangebotes unterbietet Locomore mit seinen Ticketpreisen die Deutsche Bahn und betreibt seine Loks sogar mit Ökostrom.

26.09.2016 – Angefangen hat alles im Jahr 2007. Damals wurde die Locomore GmbH & Co. KG mit dem Ziel gegründet, eine Alternative der Deutschen Bahn zu schaffen. Nur wenig später war das Team dann maßgeblich an der Realisierung des Hamburg-Köln-Express beteiligt. Recht schnell wurde den Gründern von Locomore aber bewusst, dass sie gerne mit eigenen Zügen ein völlig neues Mobilitätskonzept entwickeln möchten. Daraus entstand die Idee, zwischen der Strecke von Berlin nach Stuttgart eine komplett ökologisch und nachhaltig orientierte Fernzugverbindung einzurichten.

Im Juni 2015 kam dann alles ins Rollen. Locomore gründete eine Crowdfunding Kampagne auf der Plattform Startnext und bot zusätzlich die Möglichkeit für die Zeichnung von Nachrangdarlehen für den ökologischen Zugbetrieb an. Von diesem Zeitpunkt an war das Team von Locomore permanent in Deutschland unterwegs – auf Messen und Informationsveranstaltungen die Werbetrommel rühren, Fragen beantworten, Bedenken aus dem Weg räumen.

Der Zuspruch in der Öffentlichkeit war riesig, vielleicht sogar größer als gedacht. Derek Ladewig, Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Locomore stand unterschiedlichen Zeitungen und News-Portalen für Interviews bereit. Ende Januar 2016 verbreitete Locomore dann in einer Pressemitteilung die freudige Nachricht, die sich schon in den Wochen davor abgezeichnet hatte: Die Startnext-Fundingschwelle von 240.000 Euro wurde dank zahlreicher Unterstützer erreicht und insgesamt konnten schon damals über 505.000 Euro gesammelt werden.

Mit bis zu 200 Km/h und freiem WLAN unterwegs

Seitdem laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Alles dauert ein klein wenig länger als gedacht und ist schwieriger als erwartet. Dennoch meistert das inzwischen stark gewachsene Team von Locomore eine bürokratische Hürde nach der anderen. Acht Reisezugwagen der SRI Rail Invest GmbH wurden angemietet und für den Einsatz zwischen Berlin und Stuttgart modernisiert. Neben den klassischen Abteilwagen sind auch klimatisierte Waggons mit einem Abteil- und einem Großraumbereich vorgesehen.

Auf der InnoTrans 2016, einer internationalen Fachmesse für Bahn- und Verkehrstechnik, stellte Locomore seinen ersten orangerot lackierten Waggon im Retrodesign vor. Baujahr 1977 und gerade deswegen ein echter Hingucker. Die gesamte Innenausstattung ist dagegen komplett neu. Die bequemen Polstersitze fallen ebenso wie die Schiebetüren und –fenster ins Auge.

In den bequemen Abteilen finden sich neben vier Steckdosen auch kleine Tische, die in den Armlehnen verstaut werden können. (Foto: © Joschua Katz)

Tische und Steckdosen gibt es überall und in allen Wagen wird WLAN zur Verfügung stehen – kostenlos, versteht sich. Ein eigenes Locomore-Portal bietet während der Fahrt die Möglichkeit zum Lesen, Spielen und Stöbern. Als Partner für den Zugbetrieb hat Locomore das schwedische Eisenbahnverkehrsunternehmen Hector Rail ausgewählt. Eine Siemens-Lok wird die orangefarbenen Waggons mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Km/h ziehen. Höhere Geschwindigkeiten wären zwar technisch möglich, ökologisch aber nicht mehr vertretbar.

Ökologischer Zugbetrieb – in allen Belangen

Überhaupt zieht sich das Thema der Nachhaltigkeit und ökologischen Verträglichkeit wie ein roter Faden durch das gesamte Konzept von Locomore. Zugfahren ist ja sowieso schon eine vergleichsweise umweltschonende Möglichkeit der Fortbewegung. Das Team von Locomore versucht aber darüber hinaus, den Zugbetrieb in allen denkbaren Bereichen so ökologisch wie möglich zu gestalten. Im Bordbistro wird es ausschließlich biologisch hergestellte Produkte geben und der Kaffee ist nicht nur lecker sondern auch noch fair gehandelt.

Doch das Team von Locomore hat noch eine weitere Vision, die das gesamte Konzept abrunden soll. Die Loks von Locomore werden mit echtem Ökostrom und damit frei von CO2-Emissionen unterwegs sein.

Locomore bietet ein umfangreiches Serviceangebot

Natürlich darf bei dem Konzept des ökologischen Bahnfahrens auch nicht das Thema des Komforts auf der Strecke bleiben. Um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Fahrgäste während der Bahnfahrt befriedigen zu können, bietet Locomore unterschiedliche Serviceangebote an. Der Bahnbetrieb ist familienfreundlich gestaltet, sodass Eltern mit ihren Kindern in speziellen Abteilen Spielzeugkisten, Bücher und jede Menge Raum zum Spielen finden.

In den Businessabteilen kann dagegen ein rollendes Büro eingerichtet werden. Hier sorgen ruhige Arbeitsbedingungen und ausreichend Beinfreiheit für eine produktive Atmosphäre. Wer nur ungern sein Fahrrad zuhause lässt, kann es gegen einen geringen Aufpreis einfach mitnehmen.

Retrodesign und kleine Details wie gelbe Handgriffe an den Schiebetüren runden das Gesamtkonzept von Locomore ab. (Foto: © Joschua Katz)

Weil Bahnfahren viel mehr sein kann als eine einfache Fortbewegungsmöglichkeit, hat das Team von Locomore noch eine weitere kreative Idee entwickelt. In sogenannten Themenabteilen werden Reisende zusammengeführt, die ähnliche Interessen haben. So können nicht nur Unterhaltungen zu ganz bestimmten Themen entstehen, auch kann gemeinsam gespielt oder zusammen gearbeitet werden. Im Vorfeld muss lediglich eine entsprechende Anfrage gestellt werden und schon hat jeder die Möglichkeit, eine Reservierung für das Abteil zu tätigen. Natürlich können die Abteile aber auch für ein rollendes Meeting genutzt werden.

Ticketpreise: Locomore unterbietet die Deutsche Bahn

Auch beim Thema der Ticketpreise will sich Locomore von Beginn an auf dem Markt als eine echte Konkurrenz der Deutschen Bahn präsentieren. Die Preise beginnen bereits bei 7 Euro für kürzere Strecken, 13 Euro für mittlere und 22 Euro für lange Strecken. Dafür muss die Buchung allerdings rechtzeitig im Voraus vorgenommen werden, da die Sparangebote vom Buchungszeitpunkt abhängig sind.

Selbst wenn die Tickets jedoch sehr kurzfristig gebucht werden, liegen die Höchstpreise für die Fahrt mit Locomore stets unterhalb des BahnCard 50 Flexpreises. So kann selbst während des Fahrtantritts im Zug per Smartphone oder aber beim Bordpersonal noch ein Ticket zu fairen Preisen erworben werden. Ansonsten sind die Tickets auch über die Website von Locomore buchbar, über eine eigene Telefonhotline oder aber in ausgewählten Reisebüros. Joschua Katz


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Railfriend 09.12.2016, 20:55:31

+109 Gut Antworten

Das schreibt locomore über ihre Stromlieferverträge (Zitat):

"(nur) Anbieter (, die) keine Beteiligungen an Atom- und Kohlekraftwerken haben und sie in Neuanlagen investieren."

Soweit so gut. Zumindest bei der Deutschen Bahn ist überwiegend Grünstrom aus alten Wasserkraftanlagen im Einsatz. Mit folgenden unerfreulichen Eigenschaften:

1. Die Klimaentlastung ist hier gleich Null.

2. Ökologisch nachteilige Eingriffe in die Flussläufe

3. Wasserkraft ist wegen der Methanemission nicht klimaneutral

 

http://www.solarify.eu/2016/02/28/280-bahn-wird-noch-gruener-zweifel-und-kritik/

http://www.lachsverein.de/wasserkraft_broschuere/index.html

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-16422-2013-07-19.html


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