Russische Schattenflotte: Ölkatastrophe in Meeresschutzzone im Oman

Ein Öltanker der russischen Schattenflotte hat vor der Küste des Oman Leck geschlagen. Der Ölteppich breitet sich immer schneller aus. Greenpeace warnt vor langfristigen Folgen für Meeresökosysteme und fordert ein schnelles Eingreifen.
13.08.2026 – Im Meeresschutzgebiet vor der Küste des Oman, im Archipel der Hallaniyat-Inseln, breitet sich ein Ölteppich aus. Der Tanker Caroline Bezengi der russischen Schattenflotte war bereits am 8. Juni auf dem Weg nach Indien auf Grund gelaufen. Mutmaßlich explodierten mehrere Haftminen am Rumpf des Schiffes, woraufhin sich der Maschinenraum mit Wasser füllte.
Der Austritt von Rohöl hat sich in den vergangenen Tagen deutlich beschleunigt, zeigt eine Satellitenbildanalyse von Greenpeace Deutschland. Inzwischen habe sich das Öl über rund 600 Quadratkilometer ausgebreitet. Der Tanker war nach bisherigen Erkenntnissen voll beladen und hatte rund 800.000 Barrel Öl an Bord.
Meeresökosysteme in Gefahr
Der Tanker ist schwer zugänglich in der Nähe der unbewohnten Insel Al Qibliyah gestrandet, die Teil einer Meeresschutzzone ist. Greenpeace ruft die omanischen Behörden auf, schnellstmöglich gegenzusteuern und den ökologischen Schaden zu untersuchen. Dabei empfiehlt Greenpeace, falls notwendig internationale Unterstützung in Form von Fachwissen, Ausrüstung und Ressourcen anfordern.
„Selbst verhältnismäßig kleine Ölteppiche können langfristige Folgen für Meeresökosysteme haben, da chemische Rückstände jahrelang in den Meeressedimenten verbleiben und deren ökologische Widerstandsfähigkeit beeinträchtigen“, erklärt Hanen Keskes, Campaignerin bei Greenpeace MENA. „Da sich das Ölleck an der gestrandeten Caroline Bezengi nun beschleunigt, werden die Umweltauswirkungen schwerwiegend sein. Sie gefährden Korallenriffe, Seegraswiesen und Küstenlebensräume, die gefährdete Meeresschildkröten, zugkräftige Seevögel und Meeressäugetiere auf den Hallaniyat-Inseln unterstützen. Meeresschildkröten sind auf die Strände der Inseln zur Eiablage angewiesen, während viele Seevogelarten die Inseln als kritische Brutstätten nutzen. In den umliegenden Gewässern ist zudem der seltene Arabische-See-Buckelwal beheimatet.“
Kaum auffindbare Verantwortliche
Greenpeace warnt bereits seit einiger Zeit vor einer drohenden Ölkatastrophe durch die Schiffe der Schattenflotte, die Öl von Russland über die Ostsee und das arabische Meer nach Asien transportiert. Meist handelt es sich um alte Tanker, die ohne Flagge fahren, sich in intransparenten Besitzverhältnissen befinden, und die keinen Versicherungsschutz haben. Lekken sie Öl, ist schwer auszumachen, wer für den Schaden verantwortlich ist und aufkommen müsste. Die Umweltrisiken steigen so noch zusätzlich, da unklar ist, wer für das Eindämmen der Ölpest bezahlt.
Dieser Fall ist mit der havarierten Caroline Bezengi eingetreten. Der Tanker hatte laut Greenpeace bereits am 29. Mai seine Flaggenregistrierung in Kamerun verloren und wird seither von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) als ‚Flagge unbekannt geführt‘. Der in Shanghai ansässige Eigentümer wurde von den Omani-Behörden bereits aufgefordert, einzuschreiten, reagiert aber nicht. Greenpeace Recherchen nach ist der Tanker von keinem anerkannten P&I-Club – Protection and Indemnity Club – versichert, sondern bei einem Versicherer namens Arsenal Kyrgystan, der laut Informationen vom Oktober 2025, die Greenpeace Nordic von dänischen Behörden erhalten hat, in der Kirgisischen Republik ansässig zu sein scheint. Dabei sei unklar, ob dieser Schutz noch gültig sei und ausreichende Mittel für Notfallmaßnahmen, Aufräumarbeiten, ökologische Wiederherstellung und Entschädigungen bereitstellen wird, so Greenpeace International. Damit könnten die Umwelt- und Finanzfolgen der Ölkatastrophe allein am Oman und den betroffenen Gemeinden hängen bleiben.
Geld für Russlands Krieg gegen die Ukraine
Russland umgeht mit Hilfe der Schattenflotte die Sanktionsauflagen, die westliche Staaten wie die G7 und die EU in Reaktion auf den russischen Krieg gegen die Ukraine verhängt haben. Inzwischen listet die EU 557 Schiffe der russischen Schattenflotte, die u.a. europäische Häfen nicht anlaufen dürfen. Meist transportieren die Schiffe der Schattenflotte Öl nach China oder Indien – von wo aus es teilweise wieder auf dem europäischen Markt landet. jb























































