Sport und NachhaltigkeitOlympische Winterspiele auf wackligem Boden

BAustelle mit viel Erdaushub für eine Seilbahnstation
Eine der umstrittenen Olympia-Baustellen in den italienischen Alpen. (Foto: CIPRA/Luigi Galiazzo)

Die Alpenschutzorganisation CIPRA kritisiert den Bauboom für die olympischen Winterspiele in den italienischen Alpen. Viel Geld für Beton und Stahl sowie Straßenbau wurde ausgegeben, viele Projekte sind noch gar nicht fertig.

06.02.2026 – Trotz geologischer Bedenken, Widerstand aus der Bevölkerung und einer negativen Umweltprüfung entstand in Cortina eine neue Gondelbahn auf einem erdrutschgefährdeten Hang. Renommierte Seilbahnfirmen haben sich für das problematische Bauprojekt gar nicht erst beworben – aus gutem Grund: Erst letzten Sommer öffnete sich ein 40 Meter langer Riss quer durch den Hang. Bis zuletzt blieb unklar, ob die Seilbahn überhaupt bis zu den Winterspielen fertig wird. 

Der Bau der Seilbahnstation ist nur eines von mehreren Beispielen, die zeigen, dass die vom Olympischen Komitee in seiner Agenda von 2020 formulierten Nachhaltigkeitsziele in der Realität doch eher unter die Räder kommen. Mit eindringlichen Aussagen wenden sich Vertreter der Alpenschutzkommission CIPRA an die Öffentlichkeit, um auf die Schattenseiten des Olympia-Betriebs aufmerksam zu machen.

„Mailand-Cortina 2026 verdeutlicht die große Kluft zwischen Anspruch und Realität bei Olympischen Winterspielen. Statt nachhaltiger Entwicklung profitiert nur die Bauindustrie auf Kosten der Menschen, der Umwelt und der Natur vor Ort“, urteilt Jakob Dietachmair, Geschäftsleiter von CIPRA International.

Zwangsverwaltung statt Umweltverträglichkeit

Anfangs hatte die Stiftung Milano Cortina 2026 Umweltorganisationen zum Gespräch geladen, um die Umweltverträglichkeit aller Bauvorhaben zu bewerten. Dann kam es jedoch zum Bruch, die Stiftung stellte die Baustellen unter Zwangsverwaltung: Damit wurden mehr als die Hälfte aller Bauprojekte von einer Umweltverträglichkeitsprüfung ausgenommen.

Als Reaktion auf dieses intransparente Vorgehen entstand das Bürgernetzwerk Open Olympics 2026 mit zwanzig Partner-NGOs, darunter auch CIPRA Italien. Dem Netzwerk zufolge werden mehr als die Hälfte aller 98 geplanten Bauprojekte erst nach dem Ende der Winterspiele fertig, sie fallen für die Betreibergesellschaft der Spiele in die Kategorie „Vermächtnis“. Dabei handelt es sich meist um Straßenbauprojekte.

Insgesamt werden 3,5 Milliarden Euro investiert, drei Viertel aller Bauarbeiten werden nicht im Zeitplan fertig, manche erst mit bis zu drei Jahren Verspätung. Die letzte Baustelle soll im Jahr 2033 abgeschlossen sein. In Rekordzeit aus dem Boden gestampft wurde dagegen die umstrittene, 118 Millionen Euro teure Bobbahn von Cortina. Ursprünglich sollte die bestehende Bahn modernisiert und genutzt werden.

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Auch im Südtiroler Biathlon- und Langlaufmekka Antholz wurden trotz Widerstand der Bevölkerung 2,5 Hektar Wald in einem Naherholungsgebiet gerodet, um ein neues Speicherbecken für die Beschneiung der Langlaufloipen zu bauen. Denn alle Austragungsorte müssen zu hundert Prozent mit Kunstschnee versorgt werden. „Nun mangelt es an Wasser für die Beschneiung“, erklärt Hanspeter Staffler, Geschäftsführer von CIPRA Südtirol.

In Livigno, wo laut Bewerbung für die Freestyle-Wettbewerbe ebenfalls eine bestehende Anlage genutzt werden sollte, wurde ein Berghang komplett umgepflügt, um eine neue Geländetopografie zu schaffen.

Die CIPRA fordert in ihrem neuen Positionspapier umfassende Reformen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und den Gastgeberländern, denn diese Olympischen Spiele stünden für das Scheitern der Olympischen Agenda 2020 + 5 des IOC. pf

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