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Parallel zur Natur – Hans Arp und der Nabel

Hans Jean Arp, Menschliche Konkretion auf ovaler Schale, 1933, GKM. (©Stiftung Arp e.V., Berlin Rolandsw.- Rüdig)
Hans Jean Arp, Menschliche Konkretion auf ovaler Schale, 1933, GKM. (©Stiftung Arp e.V., Berlin Rolandsw.- Rüdig)

Eine Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum in Berlin zeigt den Avantgarde-Künstler Hans Arp von seiner grünen Seite – Kunst verstand er als einen schöpferischen Prozess, der Nabel war für ihn Symbol für die Ursprung der Form als auch die natürliche Einbindung des Menschen in den Kreislauf der Natur.

22.07.2015 – Die Retrospektive Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde im Georg Kolbe Museum in Berlin ist einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts gewidmet. Als Mitbegründer des Dadaismus, als Wegbereiter des Surrealismus und als radikale Künstlerfigur war er maßgeblich an der Entwicklung der modernen abstrakten Kunst beteiligt. Die Ausstellung zeigt zudem, dass Arp auch als Vordenker der grünen Bewegung gesehen werden kann.

Anders als viele seiner Kollegen suchte er in der Abstraktion seiner Kunst eine Verbindung zur Natur. Hans Arp entwickelte eine neuartige und abstrakte Formensprache, deren fließende Linien organisch wirkten, ohne eine Anbindung an den Naturalismus zu haben. Kunst verstand er als einen schöpferischen Prozess, der parallel zur Natur entsteht.

Arp machte sich Wachstumsprozesse der Natur und deren Gesetzmäßigkeiten zu Eigen, nicht um abzubilden, sondern um selbst zu bilden; Natur und Kunst sah er als eigenständige, aber verbundene Teile einer Einheit. Wie er selbst sagte, betrachtete er „das ganze Universum als Kunst“. Den Kern seines eigenen künstlerischen Universums sah Arp im Symbol des Nabels, den er sowohl als den Ursprung der bildnerischen Form deutete, wie auch als Zeichen für die Bindung des Menschen an den natürlichen Kreislauf der Natur.

Kein Zufall, dass auf dem Monte Vertiá, einem der Pionierorte der Natur- und Ökobewegung, heute eine große Skulptur von Hans Arp steht. Mit der für ihn charakteristischen Formensprache nimmt er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Sonderstellung ein, die bis in das 21. Jahrhundert wirkt. Biomorphe Ansätze haben sich in der zeitgenössischen Kunst zu einem Schwerpunktthema entwickelt. Die fortschreitende Technisierung unseres Alltags, die Folgen der Umweltzerstörung sowie neue Erkenntnisse über biologische Zusammenhänge von Wachstumsprozessen lassen die Denk- und Werkentwürfe von Hans Arp in einem neuen Licht erscheinen.

Biografie zu Hans Arp

1886 wurde Hans Arp (der sich außerhalb des deutschen Sprachraumes Jean Arp nannte) in Straßburg als Sohn eines deutschen Zigarettenfabrikanten und einer Elsässerin geboren. Als Dichter, Maler und Bildhauer war er sowohl in der deutschen wie in der französischen Kultur zuhause und von früh auf überzeugter Pazifist und politischer Künstler.

Als Exilant rief er 1916 während des Ersten Weltkrieges in Zürich unter anderem mit dem Schriftsteller Hugo Ball den Dadaismus aus und lernte hier seine spätere Frau, die Künstlerin Sophie Taeuber-Arp kennen, mit der er intensiv zusammenarbeitete (sie starb 1943). Er bildete ab 1919 zusammen mit den Malern Max Ernst und Johannes Theobald Baargeld die Kölner Dada-Gruppe. In den frühen 1920er-Jahren wandte er sich dem abstrakten Surrealismus zu (er lebte ab 1926 als französischer Staatsbürger in Meudon-Clamart bei Paris) und war Teil wichtiger avantgardistischer Vereinigungen und Netzwerke abstrakter Künstler.

Er stand in engem Kontakt mit Avantgardisten wie Kurt Schwitters oder Theo van Doesburg und veröffentlichte 1925 zusammen mit El Lissitzky den berühmten Band „Die Kunstismen“, eine Bestandsaufnahme der diversen simultanen Strömungen der Avantgarde zwischen 1914 und 1924, die den Versuch unternahm, die aktuellsten Entwicklungen in der Kunst zu publizieren.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich lebte Hans Arp 1940 zunächst im noch nicht besetzten Grasse/Südfrankreich und emigrierte von dort 1942 in die Schweiz. Nach dem Krieg lebte er, der mittlerweile äußerst erfolgreich geworden war, in Meudon-Clamart und in Locarno. Arp verstarb 1966 an einem Herzinfarkt in Basel und wurde in Locarno bestattet.

HANS ARP. DER NABEL DER AVANTGARDE
Georg Kolbe Museum, Berlin
/Westend
28. Juni bis 11. Oktober 2015
Öffnungszeiten Di.-So. 10-18 Uhr
www.georg-kolbe-museum.de


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