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Wege zu einer nachhaltigeren LandwirtschaftPestizide einsparen

Traktor versprüht Pestizide, Bauer trägt Maske
Es werden noch immer zu viele Pestizide versprüht. Eine Initiative der DBU zeigt wirksame Alternativen auf (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Weniger Pestizide, mehr Artenvielfalt – eine DBU-Initiative zeigt wirksame Alternativen, um chemische Pestizide zu reduzieren.

28.07.2026 – Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel gilt als eine der Hauptursachen für den Rückgang der Biodiversität in Agrarlandschaften. Pestizidrückstände in Böden haben einen deutlich negativen Einfluss auf die Biodiversität von Bodenorganismen. Der Zusammenhang ist bereits seit Jahrzehnten bekannt – reduziert wurde der Einsatz von Pestiziden in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren nicht.

Im Schnitt werden jährlich rund 4,1 Kilogramm Pflanzenschutzmittel pro Hektar auf deutschen Äckern ausgebracht. Das entspricht etwa 30.000 Tonnen Wirkstoff bzw. rund 90.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel pro Jahr.

Pestizide vermeiden, aber wie?

Die Folgen für Bodenfruchtbarkeit und Ernten sind offensichtlich, und die Nachfrage nach Alternativen wächst. Um praxistaugliche, die Umwelt weniger belastende Methoden für den Pflanzenschutz zu testen, hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Januar 2020 die Förderinitiative Pestizidvermeidung ins Leben gerufen.

Die DBU hat elf Projekte ausgewählt – von Blühwiesen bis chemiefreien Wegen, das Wachstum von Unkraut zu hemmen – und mit rund drei Millionen Euro gefördert. Das Öko-Institut hat die Ergebnisse anhand von Nachhaltigkeitskriterien und Hürden wie Finanzierbarkeit, Ressourcenverbrauch und Arbeitsaufwand bewertet. Die Untersuchungen zeigen, dass sich pestizidarme und nicht-chemische Methoden nicht nur für die Biodiversität lohnen, sondern auch wirtschaftlich. Wie solche umweltschonenden Alternativen in der Praxis aussehen, zeigen beispielhaft drei Projekte, die von der DBU untersucht wurden.

Rollwiesen für Nützlinge

Die Staatsschule für Gartenbau Stuttgart-Hohenheim hat eine vorgefertigte Matte aus Hanffasern und Schafwolle entwickelt, die mit Substrat und Saatgut bestückt auf Ackerflächen ausgerollt wird. Die aufwachsenden Blühstreifen von ca. 25 Quadratmeter pro Hektar locken gezielt Nützlinge an, die Schädlinge dezimieren. Im Kopfsalat-Anbau konnte der Insektizideinsatz dadurch um bis zu zwei Drittel gesenkt werden, während die Artenvielfalt zunahm.

„Die Gräser- und Blumenmischung ist so zusammengestellt, dass sie gezielt Nützlinge fördert, die die Schädlinge der Nutzpflanzen regulieren“, erklärt Öko-Institut-Mitarbeiter Lars Albus.  „Auch der Mehraufwand an Arbeit und Ressourcen ist gering, da gleichzeitig Zeit, Betriebsmittel und Arbeitsgänge durch die Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes gespart werden.“

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Heißes Wasser gegen Beikräuter

Das Startup Tiefgrün precision weeding setzt auf eine Kombination aus Kamera und künstlicher Intelligenz, um das Wachstum von ‚Unkraut‘ mit heißem Wasser zu hemmen. Die Nutzpflanzen bleiben unversehrt, während das heiße Wasser gezielt auf Beikräuter gesprüht wird. Bei vergleichsweise geringem Wasserverbrauch konnten Beikräuter im Karottenanbau so deutlich eingedämmt werden.

Spezielle Mulchschichten gegen Beikräuter

Das Technologie- und Förderzentrum Straubing hat aus natürlichen Bestandteilen einen biologischen Mulch entwickelt, der das Auskeimen von Unkraut unterdrückt, die Nutzpflanzen jedoch durchwachsen lässt. Der Mulch funktioniert – enthielt zunächst jedoch zu viel Rapsöl, das als Rohstoff problematisch werden könnte. Die Rezeptur konnte jedoch problemlos angepasst und ein großer Teil des Öls durch Wasser ersetzt werden.

„Zielkonflikte erschweren oft die Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft“, erklärt DBU-Referent Dr. Hans-Christian Schaefer. „Mit vergleichbaren Nachhaltigkeitsbilanzen der alten und neuen Verfahren können wir häufig aufzeigen, dass die Zielkonflikte auflösbar sind und so Landwirtinnen und Landwirte von nachhaltigen Lösungen überzeugen.“

Politischer Rückwärtsgang für die Agrarwende

Ob sich solche innovativen Methoden flächendeckend durchsetzen können, hängt jedoch stark vom politischen Rahmen ab – und hier schlagen Umweltverbände Alarm. Denn politisch geht es derzeit in die entgegengesetzte Richtung.

Die EU plant, die Zulassung von Pestiziden zu ‚vereinfachen‘ – also zu lockern. Die Zulassung von Pestiziden wird normalerweise etwa alle 15 Jahre überprüft. Denn nicht selten zeigen sich nach längerer Anwendung zuvor unbekannte Folgen bestimmter Wirkstoffe, oder sie werden von der Forschung anders bewertet und eingeordnet. Diese reguläre Überprüfung plant die EU nun abzuschaffen. Wird das Gesetzespaket Omnibus X (Food-and-Feed-Omnibus) umgesetzt, könnten riskante Stoffe trotz später bekannt gewordener Gefahren für Umwelt und Gesundheit langfristig auf dem Markt bleiben.

Experten lehnen eine dauerhafte Zulassung von Pestiziden ab. Gebraucht würden mehr und realistischere Pflanzenschutzmittel-Testungen im Feld und Studien zu den häufigsten Wirkstoffkombinationen in der EU-Landwirtschaft, kommentierte etwa Christoph Scherber, Stellvertretender Generaldirektor Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels, Bonn, und Professor für Biodiversitätsmonitoring, Universität Bonn. Auch Umweltverbände kritisierten die Pläne als wirtschaftlich unsinnig, umweltschädlich und einem resilienteren Agrar- und Ernährungssystem zuwiderlaufend.

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Eigentlich will die EU den Pestizideinsatz reduzieren – nun sollen viele zeitlich unbegrenzt zugelassen und nicht mehr überprüft werden. Experten und NGOs kritisieren den Vorstoß; ein Gutachten sieht das Vorhaben als unvereinbar mit EU-Recht.

Konventioneller Dünger und chemische Pestizide basieren größtenteils auf Öl und Gas. Die starke Abhängigkeit von Dünger und Pestiziden macht den Agrarsektor somit anfälliger für internationale Fossilkrisen und geopolitische Konflikte. Diese werden schnell zur Gefahr für die Ernte und lassen Produktionskosten steigen. Ökolandbau oder zumindest ökologische Alternativen für einen Teil der Pestizide könnten die Landwirtschaft nicht nur ökologisch stabiler, sondern auch unabhängiger machen.

Deutsche Klima- und Umweltverbände äußerten sich zudem besorgt über den geplanten Abbau von Naturschutz in der GAP: Konkrete Umwelt- und Klimaziele sollen ganz wegfallen. Dies gefährdet nicht nur die Natur, sondern auch die langfristige Basis der Nahrungsmittelproduktion, die Gesundheit von Erzeugern und der gesamten Bevölkerung. Erst vor wenigen Wochen hatte auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) und der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen (WBBGR) in einer gemeinsamen Stellungnahme klargestellt, dass eine intakte Natur kein Luxus ist, sondern die wirtschaftliche Existenzabsicherung für die Höfe und Ernährungssicherheit.

Angesichts von Extremwetter, veränderten Wasserständen und Bodenerosion ist die Wiederherstellung von Ökosystemen eine essenzielle Versicherung für die Zukunft. Der Landwirtschaft, die immerhin rund 50 Prozent der Fläche Deutschlands nutzt, kommt bei der Wiederherstellung degradierter Ökosysteme zudem eine besondere Verantwortung zu. jb

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