KreislaufwirtschaftPfand gehört daneben – oder ins Pfandhaus

Pfandhaus Southside-Festival 2024 (Bild: fritz-kola)
Pfandhaus Southside-Festival 2024 (Bild: fritz-kola).

Die Initiative Pfand gehört daneben macht seit über einem Jahrzehnt auf Pfandsammler aufmerksam. Mit ihrem Pfandhaus sind auch auf Festivals unterwegs. Ziel ist, dass jedes Festival in Deutschland bald eine Lösung für anfallenden Pfand anbietet.

01.05.2025 –Die InitiativePfand gehört daneben wurde 2011 von Matthias Seeba-Gomille gestartet, einem freiberuflichen Kreativ- und Artdirektor aus Berlin. „Bei einem Spaziergang im Kiez kam ihm der Gedanke, dass es keinen Sinn macht, leere Flaschen in den Müll zu werfen, wenn ein paar Meter weiter Pfandsammler darauf warten, sie wieder herauszufischen“, erzählt Pascal Fromme, Head of Sustainability & Public Affairs bei fritz-kola, der die Initiative seit über sechs Jahren leitet. Fritz-kola hatte die Initiative, die zuvor privat geführt wurde, 2015 übernommen. Den Pfanderlös aus Aktionen spendet fritz-kola an soziale Organisationen wie Housing First, die obdachlose Menschen unterstützen.

Von Anfang an war die Initiative fast eher eine soziale Bewegung, meint Fromme. Es kooperierten besonders Startups, die den Slogan auf die Labels ihrer Getränkeflaschen druckten. Bands und Musiker machten mit, verteilten Sticker und klärten auf Konzerten auf. Seit zwei Jahren ist Pfand gehört daneben auch auf Festivals präsent, und zwar mit ihrem eigenen Pfandhaus. Auch der Ökostromversorger naturstrom hat mitgemacht und Pfandbeutel von Wildplastik, hergestellt aus eingesammeltem Plastikmüll, für das South Side Festival zur Verfügung gestellt.

Pfand gehört ins Pfandhaus

„Bisher gab es keine Lösung für umliegende Flaschen auf Festivals, viel wurde zertreten und am Ende einfach für den Müllcontainer zusammengekehrt“, erzählt Fromme. Das Pfandhaus ist eine Art kreative Kunstinstallation, bei der Festivalbesucher ihre leeren Flaschen und Dosen abgeben können. Zwei Öffnungen im Dach forderten die Treffsicherheit der Menschen heraus: Pfandgut konnte hier nicht nur abgegeben, sondern eben auch abgeworfen werden. „Um den sportlichen Ehrgeiz der Leute anzukurbeln“, grinst Fromme. Einen Gegenwert bekamen die Leute dafür nicht, „nur gutes Karma“.

Fromme war mit einem Team aus vier, fünf Leuten vor Ort, um die Pfandabgabe zu begleiten. „Wenn Leute zum Pfandhaus gekommen sind, haben wir Ihnen einen Pfandbeutel zum Mitnehmen angeboten und alles kurz erklärt: Was wir machen, was sie mit den Beuteln machen sollen (Pfand sammeln), was sie mit den Beuteln nicht machen sollen (…)“. Nach und nach füllten sich die Wände und das Dach des Hauses mit leerem Pfandgut. Die Symbolik sei bewusst gewählt, um „die Reise von der leeren Pfandflasche hin zu einer schützenden Unterkunft“ darzustellen.

Ein voller Erfolg

Die Aktion war ein voller Erfolg und das Pfandhaus bereits vor Ende des Festivals gefüllt. „Wir konnten uns fast gar nicht mehr retten vor Pfandflaschen“, freut sich Fromme. „Abends haben wir ein paar Lichter im Haus angebracht und es eingezäunt, wenn unsere offizielle Schicht zu Ende war. Die Leute haben trotzdem noch ihre Flaschen herübergeworfen.“

An den letzten zwei Abreisetagen seien dann noch besonders viele naturstrom-Pfandbeutel zurückgekommen. Innerhalb von zwei Jahren konnten so fast 100.000 Flaschen und Dosen gesammelt und mehr als 20.000 Euro für den guten Zweck gespendet werde.

Ziel sei es, dass jedes Festival in Deutschland in den nächsten Jahren eine Lösung für ihren Pfand anbiete. Ob die Menschen den Pfanderlös spendeten oder mit nach Hause nähmen, sei eher nebensächlich. „Hauptsache, die Dosen oder Flaschen landen nicht im Müll oder in der Landschaft, also in Büschen und Flüssen der meistens sehr ländlichen Gebiete, in denen Festivals stattfinden“, sagt Fromme. Seit 2021 ist die Initiative auch als "Every Bottle Helps" auch europaweit aktiv, um für Pfandsysteme zu sensibilisieren und Erfahrungen zu teilen. „Man muss das Thema positiv aufladen, mit Spaß, der gut für die Umwelt ist“, ist sich Fromme sicher. jb

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