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Roundup vor GerichtPrivatklage gegen Monsanto führt unverhofft zum Urteil

Bauern demonstrierten vor der Bayer-Zentrale gegen die Bayer-Monsanto-Fusion und gegen den Einsatz von Glyphosat auf den Äckern. (Foto: flickr / CC BY-SA 2.0)

Ein Gericht in San Francisco hat die Bayer-Tochter Monsanto erstmals zu einer hohen Geldstrafe verurteilt weil der Agrarkonzern es versäumt hat, vor dem Krebsrisiko des Roundups Glyphosat zu warnen. Geklagt hatte ein an Krebs erkrankter US-Bürger.

14.08.2018 –Es ist Premiere, dass Monsanto wegen angeblich verschleierter Risiken des Unkrautvernichters Glyphosat verurteilt wurde. Die Bayer-Aktie stürzte nach dem Urteil gegen Monsanto gleich mal um rund elf Prozent ab. Vor kurzem erst hatte der deutsche Chemiekonzern Bayer den Saatgutriesen Monsanto für rund 63 Milliarden Euro übernommen; Roundup zählt in dessen Portfolio zu den Verkaufsschlagern – das war auch für Bayer kein Geheimnis.

Die Rechtsstreitigkeiten mit Monsanto laufen bereits seit Jahren, denn es geht um die direkte Betroffenheit von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern, die dem Roundup ausgesetzt waren und den Konzern verantwortlich machen, durch Glyphosat an einer Form von Lymphdrüsenkrebs zu leiden. Ein US-Bundesrichter in Kalifornien hatte eine ganze Reihe von Privatklagen gegen das glyphosathaltige Pestizid Roundup des Bayer-Tochterunternehmens Monsanto zugelassen.

Nun hat das Gericht in San Francisco den Konzern Monsanto tatsächlich zur Zahlung von 289 Millionen Dollar Straf- und Schmerzensgeld verurteilt. Die Geschworenen folgten dabei der Argumentation der Klägeranwälte: Der Agrarkonzern habe es versäumt, vor dem Krebsrisiko des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu warnen. Geklagt hatte der US-Bürger Dewayne Johnson, der unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist und den jahrelangen Kontakt mit dem Roundup von Monsanto dafür verantwortlich macht. Der 46-jährige Johnson hatte in den Jahren 2012 bis 2015 die Grünflächen eines Schulbezirks in Kalifornien gepflegt, dabei behandelte er auch Flächen mit glyphosathaltigen Herbiziden von Monsanto. Im Jahr 2014 wurde Krebs bei dem Familienvater diagnostiziert, die Krankheit ist weit fortgeschritten. Sein Prozess wurde daher den anderen Klägern vorgezogen.

Roundup mit Glyphosat soll Verkaufsschlager bleiben

Doch Bayer und Monsanto halten an ihrem Verkaufsschlager Glyphosat fest, so ein Urteil kann sie da kaum erschüttern, während die Erschütterung an der Börse doch deutlich bemerkbar war. Monsanto kündigte selbstredend Berufung gegen das Urteil an und nannte die Produkte weiterhin „wirksame und sichere Mittel“. Schon häufig wurden in den USA Strafzahlungen bei solchen Verfahren leider revidiert. Die Bayer-Aktie sank indes nach dem Urteil rasant. Analysten bewerten die Risiken für den Konzern und seine Anteilseigner daher als hoch, zumal es eine Häufung von ähnlichen Klagen gegen Monsanto über viele Jahre gibt. Doch Monsanto-Vizepräsident Scott Partridge verweist wie üblich auf wissenschaftliche Studien und Bewertungen hin die zwar zweifelhaft sind, aber Glyphosat stets einen Freibrief geben.

Urteil kann revidiert werden, ein Erfolg bleibt es dennoch

Doch immerhin tut sich an verschiedenen Fronten etwas gegen den Glyphosat-Einsatz. Erst vor kurzem hatte in Brasilien ein Gericht eine 30-tägige Sperre für die Registrierung neuer glyphosathaltiger Produkte angekündigt, um den Gesundheitsbehörden die Zeit zu verschaffen, eine toxikologische Neubewertung vorzunehmen. Allerdings griff die  brasilianische Regierung ein und wollte den Erlass weider aufheben lassen. Die Mächte-Verhältnisse im Glyphosat-Streit sind enorm ungleich verteilt, mit der Verwendung genmanipulierter und Glyphosat resistenter Pflanzen haben sich ganze Länder abhängig gemacht und kommen aus der Gift-Spirale nicht mehr heraus, bzw. nur mit hohen Verlusten.

Die Grünen-Politikerin und frühere deutsche Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast forderte im Zusammenhang mit dem Urteil dringend ein umfassendes Anwendungsverbot von Glyphosat in Deutschland. Bei der Entscheidung auf EU-Ebene zu einer Verlängerung zum Einsatz von Glyphosat hatte vor drei Jahren allerdings ausgerechnet Deutschland – quasi in Form eines Alleingangs des damaligen CSU-Agrarministers Schmidt – seine Position geändert und so die Mehrheit für eine Verlängerung von Glyphosat in der EU ermöglicht.


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