PV-Freiflächenanlagen: Solarparks landwirtschaftlich nutzen

PV-Freiflächen bieten Schutz für Schafe, fördern die Biodiversität und regenerieren Böden. Die Flächen können dabei häufig auch landwirtschaftlich genutzt werden. Bisher erschweren jedoch rechtliche Hürden die Mehrfachnutzung.
09.04.2026 – Die Debatte um den Ausbau von PV-Freiflächenanlagen wird oft von einem vermeintlichen Nutzungskonflikt dominiert – Stromerzeugung gegen Nahrungsmittelproduktion und Naturschutz. Dabei bieten Solarparks einen messbaren landwirtschaftlichen Mehrwert und generieren Ökosystemleistungen, zeigt ein Forschungsbericht des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (bne).
Grünland im Solarpark
Bis 2040 werden laut bne rund 280.000 Hektar für PV-Freiflächenanlagen benötigt, um die deutschen Ausbauziele von rund 400 GW zu erreichen. Das Umweltbundesamt geht von deutlich moderateren 195.000 Hektar aus. Die Differenz entsteht, weil das UBA häufig mit einer höheren Effizienz der Module pro Fläche rechnet und zudem stärker auf das Potenzial von Dächern und bereits versiegelten Flächen – Parkplätze, Fassaden – setzt. Ende 2024 waren ‚nur‘ auf etwa 45.000 Hektar PV-Freiflächenanlagen installiert, der Ausbaubedarf bleibt vorläufig also so oder so hoch.
In der Studie wurde untersucht, wie sich PV-Freiflächenanlagen auf das Grünland auswirken, wobei Beobachtungen in bestehenden Solarparks mit Modellflächen kombiniert wurden. Über mehrere Vegetationsperioden hinweg wurden fünf Standorte in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Hessen und Niedersachsen untersucht. Neben Vegetationsaufnahmen sowie Messungen der Biomasse und Futterqualität lieferten Bodensensoren kontinuierliche Daten zu Feuchtigkeit, Temperatur und Lichtverhältnissen. Es wurden gezielt unterschiedliche Standorttypen, wie etwa kohlenstoffreiche oder trockene Böden, sowie verschiedene technische Anlagendesigns bezüglich Modulhöhe, Reihenabständen und Bedeckungsgrad analysiert.
Schlupfwinkel für Artenvielfalt und Bodenregeneration
Mehr als ein Drittel der derzeit aktiven PV-Freiflächenanlagen stehen auf Flächen, die zuvor landwirtschaftlich genutzt wurden. In einer intensiv genutzten Agrarlandschaft bieten die eingezäunten und extensiv gepflegten PV-Flächen wichtige Rückzugsräume für die Artenvielfalt. Gezielte Aussaat und eine durchlässige Umzäunung schaffen Lebensräume für Insekten, Reptilien und Vögel, die in der konventionellen Landwirtschaft kaum noch Platz finden. Durch den Verzicht auf Pestizide und Düngemittel sowie die ausbleibende intensive Bodenbearbeitung können Solarparks zudem zu wertvollen Regenerationsräume für ausgelaugte Böden werden.
Das bestätigt auch die Untersuchung: Im Bereich der Solarparks war der Boden durchgehend feuchter und wies geringere CO2- und Stickstoffwerte auf als in der Freifläche. Durch die technische Ausgestaltung der Anlagen entstehen unter den Modulen variablere Licht- und Feuchtigkeitsverhältnisse, die spezifische Lebensräume schaffen und die Biodiversität fördern. Biomasse nahm besonders in Gebieten zu, in denen die Pflanzen von der Beschattung durch die Module profitierten. Beweidungskonzepte und Bodenregeneration gehen zudem Hand in Hand: So dienen etwa Schafe als natürliche Rasenmäher, was nicht nur die Pflegekosten senkt, sondern auch die Artenvielfalt durch Tritt- und Verbissstellen fördert.
Schafe unter den Modulen
Auch aus ökonomischer Sicht sind Solarparks ideal für die Beweidung mit Schafen und Rindern. Die Module bieten dabei einen entscheidenden Mehrwert als Witterungsschutz, was insbesondere angesichts klimawandelbedingter Extremwetterereignisse die Ertragssicherheit erhöht. Die Tiere passen ihr Verhalten dabei kurzfristig an die Gegebenheiten an. Insbesondere Schafe nutzen den Schatten der Module in den warmen Stunden des Tages intensiv. Die Beweidung klappt selbst unter nachgeführten Modulen reibungslos und ohne Schäden an der Technik oder Verletzungen bei den Tieren.
„Die Ergebnisse zeigen, dass Grünland in PV-Freiflächenanlagen als Weideland bspw. für Schafe und Rinder geeignet ist“, sagt Robert Busch, bne-Geschäftsführer. „Die Tiere profitieren doppelt: Die Solarmodule bieten Schutz vor Sonne und Witterung. Gleichzeitig wächst dort eine größere Artenvielfalt an Vegetation als auf herkömmlichem Weideland.“
Mehrfachnutzung etablieren und anerkennen
Die Grenze zwischen klassischem Solarpark und landwirtschaftlicher Fläche seien fließend, heißt es in der Studie. Standard-PV-Freiflächenanlagen bieten ein erhebliches ökonomisches Potenzial für die Grünlandbewirtschaftung, sofern sie entsprechend geplant und bewirtschaftet werden. Im Bericht wird empfohlen, dass auch konventionelle Solarparks als landwirtschaftliche Nutzflächen anerkannt werden – ähnlich der regulatorischen Einordnung von Agri-PV-Systemen – da sie de facto die gleichen synergetischen Vorteile für die Tierhaltung und den Naturschutz bieten.
Derzeit gelten landwirtschaftliche Flächen, auf denen PV-Anlagen stehen, rechtlich als Gewerbegebiet. In Folge darf etwa dort anfallende Biomasse nicht in Biogasanlagen verwertet werden, und Landwirte können in der Regel auch keine GAP-Förderung für diese Flächen erhalten. Eine Ausnahme ist die Schafbeweidung eines Solarparks, die seit einer gerichtlichen Entscheidung 2023 als beihilfefähige landwirtschaftliche Fläche anerkannt werden kann. In der deutschen GAP-Direktzahlungsverordnung ist dies bisher jedoch noch nicht umgesetzt. Eine klare rechtliche Einordnung als landwirtschaftliche Nutzfläche würde nicht nur die Akzeptanz im Agrarsektor stärken, sondern auch eine rechtssichere Kombination von Energieerzeugung, moderner Landwirtschaft und Naturschutz ermöglichen. jb


















































