Iran-Krieg: Sorge vor Ölpest am Persischen Golf

In der blockierten Schiffspassage von Hormus sitzen dutzende Öltanker fest, die in den vergangenen Tagen teils Ziel von Angriffen waren. Eine Havarie der Ölriesen könnte eine ökologische Katastrophe auslösen, warnt Greenpeace.
12.03.2026 – Das Risiko für schwere Havarien in der blockierten Schiffspassage von Hormus ist massiv gestiegen, warnt die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Nach Angriffen der USA und Israels auf den Iran sitzen derzeit über 68 voll beladene Rohöltanker in der strategisch wichtigen Meerenge in der Krisenregion fest.
Angriffe auf Öltanker
Seit Beginn des Konflikts wurden bereits mehrere Schiffe angegriffen, darunter ein Tanker vor der Küste Kuwaits, dessen Öl seither bereits in den Golf läuft. Neben den anhaltenden Kriegshandlungen stellen auch gezielte Störungen von GPS-Positionssignalen eine Gefahr dar, da sie die Navigation der Riesentanker erschweren.
Ein nicht unerheblicher Teil der Schiffe dürfte zu Russlands Schattenflotte gehören, die Öl und Erdgas an Sanktionen vorbei schmuggeln soll. Diese Schiffe sind meist alt, schlecht gewartet und unversichert und stellen so ein zusätzliches Wirtschafts- und Umweltrisiko dar. Immer mehr Schiffe betreiben zudem GPS-Spoofing – die Fälschung der eigenen Positionsdaten, ursprünglich ein Trick der Schattenflotte – um nicht Ziel von Angriffen zu werden. Die Situation wird dadurch allerdings kaum übersichtlicher.
Vielmehr wächst die Gefahr einer Ölpest in einem der empfindlichsten Ökosysteme der Welt. Insgesamt befinden sich rund 14 Millionen Tonnen Öl an Bord der blockierten Schiffe – eine Menge, die etwa dem jährlichen Rohölverbrauch von Griechenland entspricht.
Ölpest würde für Meeresökosystem unverzichtbare Austauschroute zerstören
Mithilfe von Satellitenaufnahmen und Bewegungsmustern haben Datenexpert:innen die möglichen Auswirkungen einer Ölpest simuliert. Das GPS-Spoofing ist derzeit noch nicht einberechnet, doch an Aktualisierungen wird gearbeitet. Unter Verwendung einer Software des Norwegischen Meteorologischen Instituts berechneten sie Szenarien auf Basis aktueller Wetter- und Strömungsdaten. Dabei gingen die Analysten von einem Austritt von 50.000 Tonnen Öl aus – eine Menge, die bei einem Tankerunglück als realistischer Teilverlust der Ladung gilt. Die Ergebnisse zeigen, dass weite Teile des Persischen Golfs sowie des Golfs von Oman unmittelbar bedroht wären.
„Im Falle einer Havarie zahlen die Menschen vor Ort den Preis für völkerrechtswidrige Aggression und fossile Interessen. Ein Ölunfall würde die einzigartigen Ökosysteme und ihre Lebensgrundlage für Jahrzehnte zerstören“, sagt Nina Noelle, Greenpeace-Sprecherin. „Unsere Simulationen zeigen ein ökologisches Pulverfass: Über 68 blockierte Tanker in der Straße von Hormus sind ein enormes Risiko, das die Unsicherheit in der Region verschärft. Greenpeace fordert ein sofortiges Ende der militärischen Gewalt, die Rückkehr zum Völkerrecht und diplomatischen Lösungen.“
Die betroffenen Gewässer beherbergen einzigartige Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen, die zahlreichen Meeresbewohnern als Lebensgrundlage dienen. Da die Straße von Hormus die einzige Verbindung zum Arabischen Meer darstellt, ist sie für den Austausch von Nährstoffen und als Wanderroute für Meeressäugetiere unverzichtbar. Ein großflächiger Ölteppich würde dieses ohnehin durch Schifffahrt und Entsalzungsanlagen belastete System vermutlich unwiederbringlich zerstören.
Trinkwasserversorgung in Gefahr
Über die unmittelbaren ökologischen Schäden hinaus könnte eine Ölpest eine humanitäre Krise durch den Zusammenbruch der Trinkwasserversorgung auslösen. Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs – Kuwait, Saudi-Arabien, Qatar, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman – verfügen über kaum nennenswerte natürliche Süßwasserreserven. Hunderte Meerwasserentsalzungsanlagen erzeugen täglich mehr als 30 Millionen Kubikmeter Trinkwasser, das mehr als 100 Millionen Menschen versorgt. Ein großflächiger Ölteppich könnte die Ansaugstutzen dieser Anlagen kontaminieren oder verstopfen – mit fatalen Folgen für die Bevölkerung vor Ort. jb


















































