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Drohender „Day Zero“Stadtbevölkerung im Wassermangel

Dicht bebaute Wohnhäuser in einem städtischen Viertel mit flachen Dächern, auf denen zahlreiche blaue und gelbe Wassertanks installiert sind. Die Gebäude bestehen aus einer Mischung aus unverputztem Ziegel und verputzten Fassaden in Pastellfarben, durchzogen von Stromkabeln und Satellitenschüsseln unter einem klaren Himmel.
In der Stadt Pune in Indien, sorgen Menschen ohne Anschluss an Wasserleitungen selbst für Wasser - wie hier mit (blauen und gelben) Wassertanks auf ihren Dächern (Bild: Heinrich Zozmann / UFZ)

Viele Städte weltweit wurden aufgrund extremer Dürren bereits von Wasserknappheit heimgesucht. Bis 2050 könnte das regelmäßig ein Drittel bis Hälfte der globalen Stadtbevölkerung drohen. Dagegen gibt es Maßnahmen.

27.03.2026 – Der „Day Zero“, das Katastrophenszenario von Städten weltweit. Bezogen auf die Wasserversorgung beschreibt es den Zeitpunkt, wenn aufgrund von Knappheit große Teile der Leitungsversorgung abgeschaltet werden müssen und Wasser etwa nur noch an Ausgabestellen verteilt wird. Das südafrikanische Kapstadt etwa hatte zwischen 2015 und 2018 mit einer mehrjährigen Dürre zu kämpfen.

Das Wasser der Stadt speist sich zuvorderst aus mehreren Stauseen, deren Pegel sanken dramatisch. 2017 und 2018 gab es immer neue Restriktionen für die Bevölkerung, wie viel Liter sie am Tag konsumieren durften. In den kritischsten Zeiten waren es nur noch maximal 50 Liter pro Kopf. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Wasserverbrauch pro Tag pro Person rund 123 Liter. Ein Day Zero wurde schließlich abgewendet.

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Auch wenn Kapstadt weiterhin von einem akuten Wassermangel bedroht ist, konnte der nahende „Day Zero“ durch massive Einschnitte beim Verbrauch vorerst abgewendet werden. Die Probleme bei der Wasserversorgung bleiben allerdings bestehen.

São Paulo geriet 2015 an den Rand des Kollapses. Hunderttausende erlebten wiederkehrende Versorgungsausfälle, teils über Monate. Menschenrechtsorganisationen beschrieben die Krise als Kombination aus Regenmangel und verfehltem Management. Im indischen Chennai waren die Grundwasserreservoirs praktisch trocken. Dort mussten Haushalte und Betriebe tatsächlich auf Tanker, entfernte Zapfstellen und private Anbieter ausweichen.

Auch in Industrieländern gab und gibt es Wasserkrisen. In Barcelona lagen die Reservoirstände 2024 bei unter 16 Prozent. Es gab Restriktionen. In Melbourne waren es Anfang der 200er ebenfalls wiederholt strenge Restriktionen in Los Angeles und umliegenden Gemeinden gab es 2015 behördliche Verbrauchsreduktionen.

Arme Menschen trifft es besonders hart

Seit dem Jahr 2000 wurden weltweit mehr als 80 Großstädte von extremen Dürren und Wasserknappheit heimgesucht. Und fast immer trifft es den einkommensschwachen Teil der Bevölkerung besonders schlimm. Bis 2050 wird voraussichtlich ein Drittel bis fast die Hälfte der globalen Stadtbevölkerung mit Wasserknappheit konfrontiert sein, ein Viertel davon in Indien. Das sind zunächst die wissenschaftlichen Feststellungen eines internationalen Forschungsteams unter Leitung der Stanford University und mit Beteiligung von Ökonomen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Davon ausgehend betrachteten die Forscher:innen in einer im Fachjournal Earth's Future veröffentlichten Studie die indische Stadt Pune genauer, zeigen die Probleme auf, aber auch Lösungen, lokalen Wasserknappheiten entgegenzuwirken. Dafür arbeitete das Forschungsteam eng mit lokalen Beamten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Expertinnen und Experten sowie NGOs zusammen, um ein umfassendes Bild zu bekommen.

Pune ist die neuntgrößte Stadt Indiens mit 5 bis 7 Millionen Einwohner:innen, gelegen im Westen Indiens, im Landeinneren rund 150 Kilometer Fahrtstrecke von der größten Stadt Indiens Mumbai entfernt. Die Forscher:innen berichten von einem veralteten Wasserversorgungssystem in Pune. Mehr als eine Millionen Menschen, die in informellen Siedlungen ohne Leitungswasser leben und wachsenden Spannungen zwischen städtischen Wasserverbrauchern und einem mächtigen Agrarsektor, der von der bewässerungsintensiven Zuckerrohrproduktion dominiert wird. Laut Prognosen könnte die Einohnerzahl Punes bis 2025 auf 11 Millionen ansteigen, was die Wasserknappheit zusätzlich verschärfen würde.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Stauseen von Pune wahrscheinlich austrocknen und der Grundwasserspiegel bis Mitte dieses Jahrhunderts stark sinken wird, sollte eine mehrjährige Dürre eintreten und die Stadt ihre derzeitige Wasserpolitik beibehalten. Die meisten einkommensschwachen Einwohner würden dann mit Wasserkosten konfrontiert sein, die fast ein Fünftel ihres Einkommens ausmachen. Gleichzeitig würde ihnen weniger als die Hälfte des für grundlegende Hygiene und Gesundheit erforderlichen Wassers zur Verfügung stehen.

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Lösungen sind da

Gemeinsam mit lokalen Stakeholdern erarbeiteten die Forscher:innen aus Stanford und Leipzig aber auch Lösungen den schlimmen Szenarien entgegenzuwirken – ohne, dass dafür wesentlich mehr Wasser benötigt wird. „Die Suche nach tragfähigen Lösungen für den Umgang mit Dürren war das Ergebnis der Integration von Expertenbeiträgen aus einem bemerkenswert breiten Spektrum von Fachgebieten“, sagt Steven Gorelick, Leiter der Studie und Professor für Erdsystemwissenschaften an der Stanford University, der sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit Wasserfragen in Indien beschäftigt.

So ergab die Analyse, dass einzelne Maßnahmen zwar geringfügig helfen würden, Wasser für die einkommensschwachsten Haushalte erschwinglich zu halten, aber erst gemeinsam wirklich Wirkung entfalten. Dazu zählen: die Behebung von Lecks und die Bekämpfung von Wasserdiebstahl, die Erhöhung der Wasserpreise für die größten Verbraucher, die Begrenzung der Grundwasserentnahme, die Verdopplung der Stromkosten für das Pumpen von Grundwasser und die Umverteilung von Wasser aus einem großen Staudamm.

Die wirkungsvollste politische Änderung wäre für Pune derweil ein regulierter Markt, auf dem Landwirte Bewässerungswasser über Tanklastwagen an private Haushalte in der Stadt verkaufen können. Allein dadurch könnten die Wasserkosten für die Armen von 18 Prozent auf 4 Prozent ihres Einkommens gesenkt werden. Laut Forschungsteam könnte bei einer umfassenden Umsetzung der politischen Maßnahmen die gesamte Bevölkerung von Pune Zugang zu mindestens 40 Litern Wasser pro Tag erhalten könnte, wobei die Gesamtwasserversorgung nur um etwa 1 Prozent erhöht werden müsste.

Die Forscher:innen weisen daraufhin, dass mehrere Maßnahmen in Pune bereits umgesetzt werden. So habe die Stadt genehmigt, einen Teil des Wassers aus einem großen Stausee, das derzeit nach Mumbai fließt, umzuleiten. Beamte hätten Wasserzähler installiert und Tanklastwagen lizenziert, um die Grundlage für einen regulierten Wassertransfer aus landwirtschaftlichen Regionen zu schaffen.

„Doch selbst umfassende Maßnahmen reichen nicht aus, um alle Probleme zu lösen,“ sagt UFZ-Umweltökonom Prof. Bernd Klauer, und Co-Autor der Studie. „Besonders für die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung bleiben zusätzliche Maßnahmen notwendig wie etwa eine gezielte Notfallversorgung oder sozialpolitische Unterstützung.“ Das UFZ analysiert nun, inwieweit die Modellierungen auch auf die Wasserversorgung und mögliche Dürrefälle in Deutschland übertragen werden können. mg

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