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„The Ocean Cleanup“ startet früher als geplant

„The Ocean Cleanup“ möchte Anlagen mit kilometerlangen Fangarmen in den Weltmeeren installieren, an denen umhertreibende Kunststoffteile hängen bleiben sollen. (Foto: <a href="https://www.theoceancleanup.com/media-gallery/#&gid=1&pid=2" target="_bla
„The Ocean Cleanup“ möchte Anlagen mit kilometerlangen Fangarmen in den Weltmeeren installieren, an denen umhertreibende Kunststoffteile hängen bleiben sollen. (Foto: © Erwin Zwart / The Ocean Cleanup)

Das niederländische Startup hat der wachsenden Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll den Kampf angesagt. Ab 2018 beginnt „The Ocean Cleanup“ mit seinen Anlagen Kunststoffabfälle aus dem Meer zu sammeln. Doch es gibt auch Kritik am Verfahren.

20.05.2017 – Bereits vor einigen Jahren sorgte der junge, tauchbegeisterte Boyan Slat mit der Gründung von „The Ocean Cleanup“ und der Idee, Plastikmüll im großen Stil aus den Weltmeeren zu sammeln, für viel Aufsehen. Spätestens nach seinem Ted-Talk im Jahr 2012 war die mediale Aufmerksamkeit riesig und lenkte ein großes Interesse auf das wachsende Problem von Plastikmüll in den Weltmeeren. Das niederländische Unternehmen wollte schon damals Anlagen mit kilometerlangen Fangarmen in den Weltmeeren installieren, an denen umhertreibende Kunststoffteile hängen bleiben sollen. Anschließend soll der Plastikmüll gesammelt und recycelt werden.

Inzwischen ist aus dem kleinen Startup ein ernstzunehmendes Unternehmen geworden. Mit Investitionen von über 31 Millionen US-Dollar im Rücken ist die Finanzierung gesichert und das Team auf mehr als 60 Mitarbeiter angewachsen. Eigentlich sollte ab dem Jahr 2020 die erste richtige Anlage im Pazifik installiert werden. In dem Gebiet zwischen Asien und Nordamerika treibt in dem sogenannten „Großen Pazifischen Müllstrudel“ besonders viel Kunststoff umher. Nun gab das Unternehmen jedoch bekannt, dass bereits in der ersten Jahreshälfte von 2018 mit der Installation gestartet wird. Damit ist das niederländische Unternehmen seinem Zeitplan rund zwei Jahre voraus.

Simulation von der Installation der ersten „The Ocean Cleanup“-Anlage

Nach Angaben des Unternehmens konnte der Zeitplan nicht nur durch frische Kapitalzuflüsse unterboten werden, sondern auch durch technische Änderungen. So sollen die Anlagen nun nicht mehr wie ursprünglich geplant am Meeresboden fest verschraubt, sondern durch mehrere Anker fixiert werden. Dies mache den Betrieb nicht nur effizienter, sondern verhelfe der Anlage auch zu größerer Mobilität.

Wissenschaftler sehen „The Ocean Cleanup“ kritisch

Zurzeit verspricht das Unternehmen, innerhalb von fünf Jahren etwa die Hälfte des Plastikmülls einsammeln zu können, der im „Großen Pazifischen Müllstrudel“ umhertreibt. Kritiker bezweifeln jedoch seit Jahren, dass dies überhaupt möglich ist. Mehrere Meeresforscher haben die Machbarkeitsstudie von „The Ocean Cleanup“ daher auf biologische und technische Fragen untersucht sowie ihre kritische Meinung in unterschiedlichen Artikeln geäußert.

Dabei wird oft kritisiert, dass das Unternehmen das eigentliche Problem außer Acht lasse. Man stecke eine Menge Geld in den Versuch, den umhertreibenden Plastikmüll zu reduzieren. Dabei gelangen auch trotz den Plänen von „The Ocean Cleanup“ weiter riesige Mengen an Kunststoff in die Weltmeere. So werde zwar die Verschmutzung bekämpft, nicht aber die Ursache des vielen Plastikmülls, berichtete zum Beispiel The Inertia.

Mehr Schaden als Nutzen?

Einige Kritiker befürchten sogar, dass das Unternehmen insgesamt mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte, indem es das marine Leben wie zum Beispiel Plankton gefährdet. So empfehlen die Wissenschaftler, die Plastikabfälle eher aus Flüssen herauszufiltern, weil dadurch das marine Leben geschont werde.

Der Gründer von „The Ocean Cleanup“ Boyan Slat ist allerdings nach wie vor von seiner Idee überzeugt. Natürlich sollten die unterschiedlichen Kunststoffprodukte im Idealfall schon abgefangen werden, bevor sie überhaupt in die Weltmeere gelangen können. Trotzdem muss nun aber auch das umhertreibende Plastik aus den Meeren entfernt werden. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass laut Angaben vom Umweltbundesamt eine Plastikflasche erst nach 450 Jahren vollständig abgebaut ist, erscheint das Vorhaben daher auf jeden Fall sinnvoll. jk


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Kommentare

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Sigrid Lueber 22.05.2017, 11:47:01

+196 Gut Antworten

Dieses Projekt ist auf den ersten Blick bestechend und wäre sehr begrüssenswert, wenn das Plastikproblem so einfach gelöst werden könnte.

Ich teile die Sorge der Wissenschaftler (http://ecowatch.com/2015/09/03/rid-ocean-of-plastic/) und erachte es als problematisch, dass bei grossflächigem Abschöpfen von Plastik aus dem Meer auch Unmengen von Kleinlebewesen und Jungfischen zugrunde gehen, was ein massiver Eingriff in die marine Nahrungskette bedeutet.

Ungünstig ist auch, dass solche Projekte signalisieren, Plastikmüll könne wieder aus dem Meer entfernt werden, womit der gedankenlose Umgang mit toxisch belasteten und äusserst langlebigen Kunststoffen weiterginge wie bisher. Daher bin ich der Ansicht, dass beim Plastik grundsätzlich ein Umdenken stattfinden muss.

 

Sollte es in Zukunft eine Möglichkeit geben, Plastik selektiv aus dem Meer zu entfernen, ohne „Beifang“ – der ja auch in der Industriefischerei ein bisher unlösbares Problem darstellt – wäre ich noch so froh.


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