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PFASUmwelt und Lebensmittel mit Ewigkeitschemikalien belastet

Schild: Toxic, danger
Die Ewigkeitschemikalien PFAS sind bisher in der EU kaum reguliert und kontaminieren Umwelt und Organismen. Das soll sich ändern, fordern NGOs und die Europäische Chemikalienagentur (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Ewigkeitschemikalien sind nahezu überall: Sie reichern sich in Wasser, Böden, Pflanzen und Tieren an. Auch für Menschen sind sie gesundheitsgefährdend. In der EU sollen PFAS nun stärker reguliert werden. NGOs zeigen Kontamination auf.

25.08.2025 – Die Ewigkeitschemikalien PFAS sind bisher in der EU kaum reguliert. Das muss sich ändern, fordern u.a. der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Greenpeace. Vergangene Woche veröffentlichte die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) einen aktualisierten Vorschlag zur EU-weiten Beschränkung von PFAS.

Ewigkeitschemikalien regulieren

PFAS bezeichnet eine Gruppe von mehreren Tausend verschiedenen chemischen Substanzen. Sie sind wasser-, öl- und schmutzabweisend und werden in den verschiedensten Bereichen verwendet, von Textilien über Lebensmittelverpackungen bis hin zu Pestiziden und Arzneimitteln. In der Umwelt werden sie kaum abgebaut, sondern akkumulieren sich in Umwelt und Organismen. Sie sind zudem äußerst mobil und verbreiten sich über Luft- und Gewässer bis in weit entlegene Gegenden.

Einige PFAS sind bereits in niedriger Konzentration toxisch und schädigen etwa das menschliche Immunsystem oder die Schilddrüse. Verbote oder Einschränkungen gibt es bisher jedoch nur für wenige PFAS, für die meisten existieren keine Risikoanalysen.

Gemeinsam mit vier anderen EU-Staaten hatte Deutschland 2023 vorgeschlagen, die Verwendung und Herstellung der gesamten Substanzklasse zu verbieten. In den aktualisierten und erweiterten Vorschlag der ECHA sind über einen Zeitraum von einem halben Jahr 5600 Kommentare von mehr als 4400 interessierten Parteien eingeflossen, darunter betroffene Unternehmen, Industrieverbände, Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen, wissenschaftliche Einrichtungen, Behörden und Einzelpersonen.

Begründete Sorgen über langfristige Gesundheitsrisiken

„Für die Risikobewertung im Bereich der menschlichen Gesundheit haben sich durch die Revision keine substanziellen Änderungen ergeben“, erklärt Martin Wilks, Professor und Direktor im Ruhestand, Schweizer Zentrum für angewandte Humantoxikologie, und Titularprofessor für Toxikologie, Universität Basel, Schweiz. Die Literatur zu experimentellen und epidemiologischen Studien der vergangenen zwei Jahre hat keine grundlegend neuen Erkenntnisse erbracht. Im Bereich der Exposition zeigen verschiedenste Monitoring-Studien, dass die PFAS-Belastung bereits jetzt in vielen Fällen oberhalb der als sicher erachteten Grenzwerte liegt, zum Beispiel der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in 2020 etablierten tolerablen wöchentlichen Aufnahmemenge (TWI).“

Daher bleibe die Schlussfolgerung der ECHA unverändert bestehen, dass es begründete Sorgen über langfristige Gesundheitsrisiken für den Menschen gibt, insbesondere angesichts der kontinuierlich zunehmenden, kumulativen Exposition. Das gemeinsame Vorkommen von verschiedensten PFAS und die sich daraus ergebende Möglichkeit von gemeinsamer Exposition und Mischungstoxizität erhöhe diese Sorge. Oberstes Gebot bleibe deshalb nach wie vor die Minimierung der Exposition.

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„Im Ergebnis bestätigt sich, dass der Beschränkungsvorschlag wissenschaftlich gut begründet ist“, stimmt Thorsten Reemtsma, Professor und Leiter des Departments Analytik, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig zu. Im politischen Raum werde es wichtig sein, den wissenschaftlichen Impuls aufzunehmen und nicht zu viele Ausnahmen zuzulassen und Schlupflöcher zu schaffen. „Ohne klaren regulatorischen Druck wird die dringend notwendige Substitution von PFAS in der Breite nicht erfolgen und auch keine nennenswerte Verringerung der Belastung der Umwelt und der Bevölkerung mit PFAS erreicht werden“, warnt Reemtsma.

Nur wenige PFAS bisher reguliert

Bisher wurden in der EU lediglich zwei Substanzen der PFAS eingeschränkt, PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) und PFOA (Perfluoroctansäure). Beide sind nachweislich stark gesundheitsschädlich. Seit 2009 ist PFOS in der EU stark reguliert, 2010 wurde es in die Verbotsliste der Stockholm-Konvention aufgenommen. Seit 2015 wird es in Deutschland offiziell nicht mehr produziert. Bei Stichproben in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg fand die Umweltschutzorganisation Greenpeace jedoch noch Ende 2024 PFOS-Werte, die ein Sechsfaches über der Umweltqualitätsnorm für PFOS lagen.

Anfang des Jahres warnte Greenpeace zudem vor erhöhten PFAS-Werten im Meeresschaum an deutschen Nord- und Ostseestränden. In neun Stichproben von November 2024 und Januar 2025 auf Norderney, Sylt, in Sankt Peter-Ording, Boltenhagen und Kühlungsborn wurden deutlich erhöhte PFAS-Werte gefunden. Bei allen Proben lagen diese zwischen 290-fach und 3777-fach über dem dänischen Grenzwert für Badegewässer von 40 Nanogramm (ng) pro Liter. In Dänemark und den Niederlanden gibt es anders als in Deutschland bereits offizielle Grenzwerte und Monitoring für PFAS-Werte im Meeresschaum sowie ausdrückliche Dekontaminationsempfehlungen.

Ab dem kommenden Jahr gelten in Deutschland Trinkwassergrenzwerte von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe der 20 am häufigsten vorkommenden PFAS (PFAS-20). Erst 2024 hatte eine BUND-Analyse Ewigkeitschemikalien Leitungs- und Mineralwasserproben nachgewiesen. Für vier der verbreitetsten PFAS gibt es in der EU zudem empfohlene Lebensmittelgrenzwerte der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die Summe der vier PFAS sollte demnach nicht über 4,4 ng je Kilogramm Körpergewicht und Woche liegen. Zuletzt wertete der BUND gemeinsam mit der französischen NGO Générations Futures systematisch Testdaten der EFSA aus. Demnach sind insbesondere tierische Lebensmittel mit PFAS belastet: 69 Prozent des Fisches, 55 Prozent der Innereien (Leber u.a.) und der Muscheln und 39 Prozent der Hühnereier.  Mit einer Belastung von nur sieben Prozent mit einer der vier getesteten PFAS war Gemüse am geringsten belastet.

Greenpeace und BUND fordern einen vollständigen Ausstieg aus Produktion und Verwendung der PFAS. Der BUND setzt 2030 als Ausstiegsdatum an. jb

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