TOP-THEMA
EEG-Novelle







Agrarministerkonferenz Frühjahr 2026Umweltverbände fordern zukunftsfähige Landwirtschaft

Grünes Feld
Umweltverbände fordern GAP-Reform, mehr Naturschutz und schärfere Pestizidregeln (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Zur Agrarministerkonferenz wächst der Druck auf Bund und Länder. Umweltverbände fordern eine Reform der GAP ab 2028, mehr Geld für Agrarnaturschutz, eine mutige Naturwiederherstellung und strengere Pestizidregeln.

20.03.2026 –Zur Agrarministerkonferenz im bayerischen Bad Reichenhall fordern mehrere Umweltverbände einen deutlich ambitionierteren Kurs in der Agrarpolitik. Im Mittelpunkt stehen die künftige Ausrichtung der EU-Agrarförderung ab 2028, die Umsetzung der EU-Naturwiederherstellungsverordnung und der Umgang mit dem Pestizidrecht.

„Die Agrarminister:innen müssen jetzt die Weichen stellen, damit Landwirtschaft, vitale Wälder und Natur gleichermaßen Zukunft haben“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Die Vorschläge der EU-Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 sichern kein verlässliches Mindestbudget für den Agrarnaturschutz. Doch ohne klare finanzielle Grundlagen für freiwillige Maßnahmen und Kooperationen lässt die Politik die Landwirt:innen im Stich. Öffentliches Geld muss konsequent für öffentliche Leistungen und die Zukunft des Sektors eingesetzt werden. Andernfalls hat die GAP keine Zukunft.“

Gemeinwohlleistungen fördern statt pauschale Flächenprämien zahlen

Die Verbände sprechen sich dafür aus, die Gemeinsame Agrarpolitik der EU grundlegend neu auszurichten. Noch immer wird ein großer Teil der Gelder als pauschale Flächenprämie verteilt, ohne dass damit ausreichend messbare Fortschritte für Natur, Klima oder kleine bäuerliche Betriebe verbunden sind.

„Gerade in Bayern sehen wir, wie stark Landwirtschaft und Artenvielfalt miteinander verflochten sind“, sagt Norbert Schäffer, Vorsitzender des bayerischen Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV). „Wenn Feldvögel, Insekten und strukturreiche Landschaften verschwinden, verliert auch die Landwirtschaft ihre ökologische Grundlage. Eine zukunftsfähige Agrarpolitik muss deshalb gezielt diejenigen Betriebe stärken, die sich für Natur- und Klimaschutz engagieren.“

Die Verbände fordern, dass Landwirt:innen stärker für konkrete Leistungen für Klima, Erhalt der Artenvielfalt und eine krisenfestere Produktion unterstützt werden. Fördermittel sollten an konkrete öffentliche Leistungen geknüpft werden, anstatt vor allem über pauschale Flächenzahlungen verteilt zu werden. Notwendig seien zudem ein verbindlich gesichertes Budget für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen und europäische Mindeststandards.

Naturwiederherstellung zügig umsetzen

Letztere sind auch relevant, um die EU-Naturwiederherstellungsverordnung umzusetzen. Diese verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, geschädigte Ökosysteme schrittweise zu verbessern und ihre ökologische Funktionsfähigkeit wiederherzustellen.

„Die Naturwiederherstellungsverordnung ist eine große Chance für die Land- oder Forstwirtschaft: Sie bietet Rückhalt, um geschädigte Natur wiederherzustellen und die natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern. Zugleich gibt sie der Entwicklung lebenswerter ländlicher Räume Priorität und sichert eine stabile Landwirtschaft. Diese ist auf genug Wasser, fruchtbare Böden und Bestäuber angewiesen“, so Krüger. „Auch unsere Wälder profitieren davon, wenn wir sie widerstandsfähiger gegen Klimastress, Schädlinge und Extremwetter machen.“

Mehr zum Thema

Nachgefragt

Freiheit des Saatguts ist Freiheit des Lebens

Vandana Shiva setzt sich seit Jahrzehnten für ökologische Landwirtschaft, Saatgutfreiheit und Ernährungssouveränität ein. Ein Gespräch über Freiheit, lebendige Ökonomien und ein Leben in Einklang mit der Erde.

Vandana Shiva ist eine weltweit renommierte indische Aktivistin, Ökofeministin, Physikerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises.

Vandana Shiva (Bild: Kartikey Shiva)

Wie genau die Vorgaben in Deutschland umgesetzt werden, ist noch offen. Die Verordnung setzt vor allem Ziele auf Ebene des Mitgliedstaats und lässt Spielraum bei der konkreten Ausgestaltung. Nun komme es darauf an, einen tragfähigen deutschen Wiederherstellungsplan vorzulegen, der auf den Vorschlägen der Länder aufbaut.

„Alle Bundesländer haben es selbst in der Hand, die Verordnung bürokratiearm und entlang der jeweiligen Stärken und Bedarfe umzusetzen“, sagt Schäffer. „Gerade Bayern sollte die Chance nutzen: Die Verordnung kann dem Waldumbau erheblichen Rückenwind geben. Sie ermöglicht beispielsweise deutlich mehr Spielraum für den Aufbau vielfältiger und widerstandsfähiger Mischwälder – gut für die Artenvielfalt und wichtig für die wirtschaftliche Stabilität der Forstbetriebe.“

Fossile Abhängigkeit abbauen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert weiterhin mehr Unabhängigkeit von Importen und fossilen Rohstoffen. Der Agrarsektor ist nach wie vor stark auf Dünger und Pestizide angewiesen, die auf Öl und Gas basieren. Internationale Krisen und geopolitische Konflikte wirken sich deshalb schnell auf Produktionskosten und letztlich auf die Preise im Supermarkt aus.

„In Zeiten von steigenden Preisen für Energie, die konventionell notwendige Betriebsmittel wie Pestizide und fossile Düngemittel verteuern, müssen wir unsere Landwirtschaft auf eigene Füße stellen“, fordert Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender. „Wir müssen unabhängiger von Betriebsmittel-Importen werden. Bislang sind unsere Produktionsketten zum Nachteil aller abhängig von internationalen Preisschwankungen. Öffentliche Gelder müssen deshalb noch viel stärker als bisher für den Umbau zu einer resilienten, vom Weltmarkt unabhängigen und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft eingesetzt werden. Nur das hat Zukunft.“

Verbilligter Agrardiesel, eine Absenkung des Mindestlohns oder Importe könnten der deutschen Landwirtschaft auf Dauer nicht helfen. Der Ökolandbau könne hingegen noch viel mehr dazu beitragen, die Landwirtschaft stabiler und unabhängiger aufzustellen, und ein resilienteres Agrar- und Ernährungssystem zu schaffen. Patente auf Pflanzen für Lebensmittel und Wildpflanzen lehnt der BUND klar ab.

Streit um Pestizidrecht

Die Umweltverbände kritisieren zudem EU-Pläne, die Zulassung von Pestiziden zu vereinfachen. Eine solche Lockerung sei wirtschaftlich nicht sinnvoll und würde dem Umweltschutz im Agrarsektor weiter schaden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Agrarminister der Länder zu einer klaren Ablehnung einer Aufweichung des EU-Pestizidzulassungsrechts auf.

Hintergrund ist das Gesetzespaket Omnibus X (Food-and-Feed-Omnibus), das versieht, dass fortlaufende Überprüfungen für Pestizidwirkstoffe künftig wegfallen. Riskante Stoffe könnten so trotz bekannter Gefahren für Umwelt und Gesundheit langfristig auf dem Markt bleiben.

Mehr zum Thema

Nahaufnahme Sojabohnen-Pflanzen werden mit Pestizid besprüht
Ackergifte

EU will Pestizide zeitlich unbegrenzt zulassen

Eigentlich will die EU den Pestizideinsatz reduzieren – nun sollen viele zeitlich unbegrenzt zugelassen und nicht mehr überprüft werden. Experten und NGOs kritisieren den Vorstoß; ein Gutachten sieht das Vorhaben als unvereinbar mit EU-Recht.

„Mit der massiven Unterstützung einiger Agrarminister für das Gesetzespaket – darunter Brandenburg und Sachsen, die einen noch radikaleren Rückbau der Schutzstandards fordern – wird kein harmloser Bürokratieabbau, sondern ein gefährlicher Angriff auf das europäische Pflanzenschutzrecht verfolgt“, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Unter dem Deckmantel der ‚Vereinfachung‘ sollen zentrale Schutzstandards für Umwelt, Artenvielfalt und Gesundheit ausgehöhlt werden.“

Die geplanten Änderungen seien kein Beitrag zu einem besseren Vollzug, sondern ein Angriff auf das europäische Vorsorgeprinzip. „Wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Risiken von Pestiziden künftig nicht mehr berücksichtigt und Wirkstoffe praktisch dauerhaft genehmigt werden, zahlen am Ende Umwelt, Artenvielfalt und Verbraucherinnen und Verbraucher den Preis“, warnt Resch.

Weichen für die Landwirtschaft stellen

Die Agrarministerkonferenz ist das zentrale Gremium, in dem sich die Bundesländer und der Bund über agrarpolitische Fragen abstimmen. Auf der Tagesordnung stehen regelmäßig Themen wie EU-Agrarförderung, Tierwohl, Pflanzenschutz, Bürokratieabbau, ländliche Entwicklung und Verbraucherschutz.

Auch wenn die Beschlüsse nicht immer unmittelbar verbindlich sind, gelten sie oft als richtungsweisend für spätere Entscheidungen in der Agrarpolitik. Die Umweltverbände fordern die Agrarminister:innen auf, Umweltleistungen zu honorieren, einen Wiederherstellungsplan für die Natur aufzustellen und klare Grenzen beim Pestizideinsatz zu ziehen. Nur so können der Umbau zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährungssicherheit gelingen. Julia Broich

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen