Fraunhofer auf der IFAT Munich 2026Water, Energy, Circularity – Technologien für eine resiliente Zukunft

Pflanzen in Töpfen unter rosa Licht
Laborversuche zur Pflanzenverträglichkeit im Rahmen des abonocare-Clusters (Foto: © Fraunhofer IGB)

Von der Schwermetallentfernung über Rohstoffrückgewinnung seltener Metalle bis hin zum Recycling von Windkraftanlagen – auf der IFAT Munich präsentieren Fraunhofer Forscher wegweisende Lösungen für die nachhaltige Wasser- und Rohstoffwirtschaft.

30.04.2026 –  Unter dem Motto „Water, Energy, Circularity – Green Technology for a Resilient Future“ zeigen acht Fraunhofer-Institute auf der IFAT Munich 2026 in Halle B2, Stand 115 vom 4. bis 7. Mai, wie aus Abwasser Wertstoffe, aus Elektroschrott Schlüsselrohstoffe und aus linearen Prozessen geschlossene Kreisläufe werden. Denn die Herausforderungen sind gewaltig: Spurenstoffe belasten unsere Gewässer, wertvolle Metalle gehen in Abfallströmen verloren, und der Druck auf Wasserressourcen nimmt weltweit zu. Die Fraunhofer-Gesellschaft und mit ihr die Fraunhofer-Allianz SysWasser präsentieren Lösungen entlang des gesamten Wasserkreislaufs – von der Wasseranalytik bis zur Abwasserbehandlung und -wiederverwendung.

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Eine Auswahl der Fraunhofer-Exponate

Vierte Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination

Arzneimittelrückstände, Reinigungsmittel, Röntgenkontrastmittel – anthropogene Spurenstoffe belasten zunehmend unsere Gewässer und das Grundwasser. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT zeigt eine innovative Kombination aus Adsorption, Desorption und Konzentration der Spurenstoffe. „Durch die Regenerierbarkeit der Adsorberharze vor Ort können wir den Energie- und Ressourcenverbrauch der Spurenstoffelimination deutlich senken und am Ende des Prozesses ein hochkonzentriertes Spurenstoffkonzentrat entsorgen“, erklärt Dr. Lukas Rüller vom Fraunhofer UMSICHT. Das Verfahren soll Betriebskosten und CO₂-Fußabdruck gleichermaßen reduzieren. In der EU wird die vierte Reinigungsstufe gestaffelt nach Anlagengröße bis spätestens 2045 verpflichtend sein – allein in Deutschland betrifft dies rund 9000 Kläranlagen.

Neue Lösungen für Wertschöpfung aus organischen Reststoffen

Die Produktion künstlicher Düngemittel ist sehr energie- und CO₂-intensiv, während zugleich große Mengen an Nährstoffen in Gülle, Gärresten und Klärschlamm ungenutzt bleiben und bei Überdüngung Böden, Gewässer und Grundwasser belasten. Neben diesen landwirtschaftlichen Reststoffen fallen auch in zahlreichen anderen Branchen wie Bioökonomie, Lebensmittel-, Papier- und Holzindustrie organische Reststoffe an, die oftmals nicht genutzt werden.

Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS arbeitet deshalb als Koordinator des abonocare-Clusters – eines interdisziplinären Innovationsnetzwerks aus Mitteldeutschland – daran, Wertschöpfungsketten aus organischen Reststoffen industriell zu skalieren. An den Schnittstellen von Industrie, Bioökonomie, Anlagenbau, Landwirtschaft sowie Forschungseinrichtungen vernetzt es Akteure, fördert den Technologietransfer und unterstützt die Entwicklung marktfähiger Lösungen. Mit praxisnahen Projekten, gezielten Weiterbildungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit werden regionale Wertschöpfungsketten gestärkt und wird die Transformation hin zu einer ressourceneffizienten Wirtschaft unterstützt.

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Biomining – Mikroorganismen als Rohstoffquelle

Auch das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB befasst sich mit der Rückgewinnung von Wertstoffen wie Phosphor oder Stickstoff und stellt entsprechende Projekte wie z. B. „RoKKa – Rohstoffquelle Klärschlamm und Klimaschutz auf Kläranlagen“ vor. Auf der IFAT 2026 setzt das Institut aber insbesondere auf das Recycling von Elektroschrott: Weltweit fallen jährlich Millionen Tonnen davon an – eine unterschätzte Rohstoffquelle. Das Fraunhofer IGB stellt auf der Messe einen eigens dafür entwickelten Festbett-Umlaufreaktor aus, der sich durch einen robusten und effizienten Betrieb und einfache Bedienbarkeit auszeichnet, und präsentiert biologische Verfahren, mit denen wertvolle Metalle wie Kupfer, Zink oder Seltene Erden mithilfe von Mikroorganismen zurückgewonnen werden können.

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Das Institut setzt dabei auf vier biologische Mining-Verfahren: Beim Bioleaching mobilisieren Bakterien durch ihre speziellen Stoffwechselprozesse Metalle in Flüssigkeit. Bei der Biosorption werden die gelösten Metalle anschließend an mikrobielle Oberflächen gebunden. Alternativ können Zellen die Metalle auch aktiv aufnehmen und im Zellinneren speichern – ein Prozess, der als Bioakkumulation bezeichnet wird. Die vierte Methode, die Biofällung, überführt gelöste Metalle durch mikrobielle Prozesse in schwer lösliche Partikel, die sich leicht abtrennen lassen.

Der Vorteil: Die Verfahren benötigen keine giftigen Chemikalien und sind potenziell kostengünstig. Biomining ermöglicht die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Abfallströmen, reduziert die Abhängigkeit von Importen und stärkt die Resilienz europäischer Lieferketten.

Recycling von Rotorblättern

Das EU-Projekt RECREATE entwickelt innovative Technologien für die Wiederverwendung von Verbundwerkstoff-Komponenten, insbesondere für Windkraftrotorblätter. Ziel ist es, die Wiederverwendung profitabler zu gestalten und durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe die Nachhaltigkeit zu steigern. Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU arbeitet gemeinsam mit Partnern an wiederverwendbaren Faserverbundstrukturen eines Windkraftrotorblattes. Die Forschung konzentriert sich auf demontagegerechte Konstruktion, lösbare Klebverbindungen, zerstörungsfreie Prüfungen und Recyclingtechnologien. Das Projekt soll dazu beitragen, dass faserverstärkte Kunststoffe kreislauffähig umgestaltet und neue Anwendungen von Beginn an kreislauffähig konzipiert werden, um Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Die Recylingmöglichkeiten werden auf der IFAT an einem Ausschnitt eines echten Windrotorblattes demonstriert.

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Gemeinsam für eine zirkuläre Zukunft

Die gesellschaftliche Relevanz dieser Forschung ist relevant: In einer Welt, die zunehmend auf digitale Technologien angewiesen ist und gleichzeitig mit Wasserknappheit kämpft, bieten die Fraunhofer-Technologien Lösungen, die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit verbinden. Sie eröffnen neue Perspektiven für die Kreislaufwirtschaft, in der Abwasser und Abfälle nicht mehr entsorgt, sondern als Rohstoffquelle betrachtet werden. na

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