Hitze und Dürre: Wenn Ackerböden heißer werden als Asphalt

Extreme Hitze und Dürre in Folge der Klimakrise setzen nicht nur Menschen zu, sondern auch Ökosystemen, Landwirtschaft und städtischen Lebensräume.
07.08.2026 – Auf dem Land und in der Stadt: Die anhaltende extreme Hitze in Kombination mit geringen Niederschlägen belasten Mensch und Ökosysteme. Warum gesunde Böden und mehr Stadtgrün jetzt überlebenswichtig werden.
Hitze gefährdet Ackerflächen
Extreme Hitze und geringe Niederschläge belasten die Böden in Deutschland zunehmend. Besonders intensiv genutzte und somit ausgelaugte Agrarlandschaften sind anfällig. Nach der Ernte fehlt hier häufig die Vegetationsdecke, wodurch sich die Ackerflächen ungehemmt aufheizen. Unbedeckte Äcker können im Sommer Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius erreichen, also stellenweise mehr als Asphalt. Ganz anders sieht es bei bewachsenen Böden aus, die rund 30 Grad kühler bleiben, wie eine Studie im Auftrag des NABU zeigt.
„Ob ein Boden mit Pflanzen bewachsen ist oder brachliegt, macht einen enormen Unterschied für seine Temperatur, seinen Wasserhaushalt und seine Widerstandsfähigkeit “, erklärt Max Meister, NABU-Referent für regenerative Landwirtschaft. „Unsere Agrarlandschaften müssen deshalb wieder resilienter gegenüber solchen Extremereignissen werden. Dafür brauchen wir mehr dauerhafte Bodenbedeckung, vielfältige Fruchtfolgen, Humusaufbau sowie Hecken und andere Landschaftselemente, die Wasser in der Fläche halten und die Landschaft kühlen. Davon profitieren nicht nur Klima und Artenvielfalt, sondern auch die Landwirtschaft selbst: Gesunde Böden sichern langfristig Erträge und machen Betriebe widerstandsfähiger gegen Dürre und Starkregen.“
Eine höhere organische Bodensubstanz verbessert die Wasser- und Nährstoffspeicherung, wirkt Erosion entgegen und steigert die Ertragsfähigkeit. Humusreiche Böden sind widerstandsfähiger gegenüber Dürren und Starkregen und damit auch klimaresilienter.
Die Schwämme der Natur fehlen
Nicht nur intensiv genutzte Ackerböden leiden unter der Trockenheit, auch der gesamte landschaftliche Wasserhaushalt ist stark gestört. Viele natürliche Wasserspeicher wie etwa Moore, Auen und Wälder wurden über die vergangenen Jahrzehnte zerstört.
„Früher wirkten diese Ökosysteme wie ein riesiger Schwamm, der Wasser zurückhält und langsam wieder abgibt. Heute rauscht Wasser nach Starkregen schneller ab und fehlt unseren Flüssen in langen Trockenphasen“, sagt Rocco Buchta, Leiter des NABU-Instituts für Fluss- und Auenökologie in Rathenow. Um Gewässer widerstandsfähiger zu machen, müsse nicht nur über Wasserverbrauch gesprochen, sondern Landschaften wieder in die Lage versetzt werden, Wasser zu speichern. Das schütz nicht nur gegen Dürre, sondern auch gegen Hochwassergefahren.
Der NABU fordert mehr natürlichen Klimaschutz für Gewässer und Äcker und warnt, dass besonders die landwirtschaftlichen Hitzelandschaften sich ähnlich stark aufheizen wie Städte. Denn auch in urbanen Räumen treffen extreme Hitzewellen und langanhaltende Trockenheit auf geschwächte Ökosysteme.
Der Hitzeinseleffekt in der Betonwüste
In Städten führen versiegelte Flächen, Beton, dunkle Dächer und fehlende Vegetation dazu, dass sich die Umgebungsluft stark aufheizt - der sogenannte Hitzeinseleffekt. Regen läuft auf den versiegelten Flächen derweil noch schneller als in degradierten Landschaften ungenutzt ab.
Die Folgen dieser Trockenheit für die Tier- und Pflanzenwelt sind gravierend. Ganze Baumkronen vertrocknen ebenso wie flachwurzelnde Gewächse, Amphibien, Insekten und junge Vögel, die aus überhitzten Nestern springen. Gleichzeitig steigt für die menschliche Bevölkerung das gesundheitliche Risiko durch Hitzestress und eine verschlechterte Luftqualität durch Ozon und Feinstaub. So verzeichnete Deutschland im vergangenen Monat deutliche hitzebedingte Übersterblichkeit.
Parks, Bäume und Grünflächen bleiben hingegen deutlich kühler. Dabei muss auch hier gut geplant werden, denn ungünstige Bepflanzung in engen Straßenschluchten kann den Luftaustausch blockieren und den Effekt verstärken. Auch vom ausschließlichen Pflanzen von hitzeangepassten Bäumen wie Robinien oder Ginkgo ist abzuraten, da Monokulturen die Artenvielfalt weiter gefährden.
„Die Risikominimierung gelingt durch strikte Artenmischung – gemäß der 10-20-30-Regel: Maximal 10 Prozent einer Art, 20 Prozent einer Gattung und 30 Prozent einer Familie im Stadtbestand pflanzen, um Monokulturen zu vermeiden und heimische Gehölze einzubinden – und gezielte Unterpflanzung mit heimischen Wildstauden“, erklärt Dagmar Haase, Professorin, Stadt- und Landschaftsökologin, Geographisches Institut, Humboldt-Universität zu Berlin, und Gastwissenschaftlerin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig.
Vielfältiges Grün kann das Stadtklima retten
Der NABU fordert drei zentrale Maßnahmen für hitzeresiliente Städte: Mehr Grünflächen durch konsequente Entsiegelung zur natürlichen Kühlung, den Schutz von Kaltluftschneisen für den nächtlichen Luftaustausch sowie eine flächensparende Innenstadtentwicklung.
„Stadtgrün bedeutet auch wirtschaftliche Daseinsvorsorge: Es schützt Menschen vor extremer Hitze, reduziert die Folgekosten von Gesundheitsvorsorge und Klimakrise und erhält attraktive Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandorte. Wer heute am Stadtgrün spart, verschiebt die Rechnung auf morgen – und die wird deutlich höher ausfallen”, erklärt NABU-Siedlungsexperte Stefan Petzold. „In der aktuellen Debatte um schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren werden Umweltstandards jedoch häufig als Bremsklotz der Wirtschaft dargestellt, dabei ist sie ihre Grundlage. Die Debatte darf deshalb nicht lauten ‚Bauen oder Natur‘, sondern “Bauen und Natur”. Wer Bäume und Grünflächen als Hindernis für Bau- und Wirtschaftsentwicklung darstellt, verkennt ihren tatsächlichen Wert.” jb

























































