Aktionsprogramm: Wie der natürliche Klimaschutz weiterentwickelt werden soll

In Wäldern und Mooren sind hohe Emissionsminderungen möglich, aber auch diverse Interessen unter einen Hut zu bringen. In Städten geht es vor allem um Stadtgrün und Umgang mit Regenwasser. Die Politik setzt neue Akzente beim natürlichen Klimaschutz.
26.08.2026 – Mit der Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz sollen zusätzliche Maßnahmen etabliert werden, um die Klimaschutzfunktion der Ökosysteme zu schützen und zu stärken. Zu den Vorschlägen des BMUKN konnten die Verbände bis Ende letzter Woche Stellungnahmen einreichen.
Schwerpunkt Wald – neben CO2-Speicherung auch andere Klimaschutzaspekte bewerten
Agroforst, angepasste Waldbewirtschaftung, Waldmehrung und Schutz von gut angepassten Laubholzbeständen (insbesondere alten Buchenwäldern) bekommen bei der Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz eine gewisse Priorität – sie erscheinen besonders geeignet, um die Kohlenstoffentnahme durch Ökosysteme zu steigern. In den Vorschlägen des Ministeriums finden sich nicht nur Maßnahmen für Waldschutz und Kohlenstoffspeicherung im Wald, sondern auch für die Nutzungskette von Holz. Das Ziel ist, klimaresiliente und produktive Wälder zu erhalten und zu schaffen. Dem Gesamtverband Deutscher Holzhandel ist das aber noch nicht genug.
Grundsätzlich unterstützt der Verband die Kernziele des Programms, fordert in seinem Positionspapier jedoch eine stärkere Berücksichtigung der nachhaltigen Holznutzung und der gesamten Forst- und Holzwertschöpfungskette. Der Beitrag der Wälder zum Klimaschutz dürfe nicht allein auf die Kohlenstoffbindung im Wald reduziert werden. Ebenso wichtig sei es, die langfristige Kohlenstoffbindung in Holzprodukten sowie die Substitution emissionsintensiver Materialien angemessen zu berücksichtigen. Insbesondere der Holzbau leiste einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor.
Der Naturschutzbund NABU kritisiert hingegen, dass das Ziel von 100.000 Hektar Waldumbau pro Jahr aufgegeben wurde, während die Holznutzung stärker betont wird.
Wiedervernässung von Mooren – wie schnell und wie freiwillig
Entwässerte Moorböden werden im Vorschlag des Umweltministeriums als größte THG-Quelle im Landnutzungssektor genannt, deshalb bleibt die Wiedervernässung ein wichtiger Hebel. Allerdings hat das BMUKN das bisherige Minderungsziel für Moorböden von fünf auf 2,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr halbiert. Die Zwischenziele bis 2040 und 2045 sind dann recht hoch: 20 bzw. 28 Millionen Tonnen jährlich.
Die Wiedervernässung soll mit attraktiver Förderung vorangetrieben werden, besonders in Leuchtturmregionen und dort, wo große zusammenhängende Flächen restauriert werden können. Die Flächen sollen aber nicht einfach nur wieder vernässt werden, sondern möglichst nass bewirtschaftet werden. Ein Marktanreizprogramm für Paludiprodukte soll hier unterstützend wirken.
Der Bundesverband Beruflicher Naturschutz BBN fordert mehr: Insgesamt sollten die knappen Mittel stärker auf die Moor-Wiedervernässung gelenkt werden. Außerdem sollten nicht nur Paludi-Kulturen gefördert werden, sondern auch Flächen, die nach der Vernässung nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Der Verband fordert zudem einen klaren Ausstiegspfad für den Torfabbau, den das BMUKN zwar „weiter reduzieren“ will, aber restriktive Regeln bisher nicht vorsieht.
Die Interessenvertreter der Landwirtschaft stimmen den Vorhaben zur Wiedervernässung zu – wenn sie freiwillig, wirtschaftlich tragfähig und gemeinsam mit den Landwirten umgesetzt werden. Das vorgeschlagene überragende öffentliche Interesse lehnt die Landwirtschaftsseite jedoch ab, da damit die Mitgestaltung von Eigentümern und Landwirten geschwächt werde.
Kohlenstoffspeicherung auf Flächen mit mineralischen Böden ist ein weiterer Themenbereich im Programm. Hier wird unter anderem auf die verstärkte Förderung von Agroforstsystemen eingegangen.
Schwerpunkt urbane Räume – artenreiche Grünflächen, mehr Bäume und Flächen entsiegeln
Die Förderrichtlinie „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ soll erweitert werden, um zusätzlich 100.000 Hektar artenreiche Grünflächen und 300.000 zusätzliche Stadtbäume zu etablieren. Außerdem wird die Zielmarke für die zu entsiegelnde Fläche höher gelegt: von 100 Hektar auf insgesamt 400 Hektar.
Die Bundesarchitektenkammer bewertet diese erweiterten Ziele als zu gering – was die Bäume betrifft vor dem Hintergrund der EU-Wiederherstellungsverordnung zur europaweiten Pflanzung von drei Milliarden zusätzlichen Bäumen bis 2030, was die Entsiegelung betrifft mit Blick auf die jährlich neu versiegelten Flächen.
Zudem sollte Bewertung der Maßnahmen im Siedlungsbereich nicht zu stark auf die messbare Treibhausgasminderung und -entnahme verengt werden. Die vielfältigen Funktionen von Grün- und Freiflächen, entsiegelten Flächen sowie Baumbeständen muss weiterhin angemessen berücksichtigt werden.
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) bewertet positiv, dass die Bundesregierung das Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ fortführen und besser ausstatten will. Die Absenkung der Zuschusshöhen zum 1. Januar 2026 wirke jedoch kontraproduktiv und sollte rückgängig gemacht werden. Das Förderprogramm sollte stattdessen langfristig verstetigt und mittel- und langfristig unabhängig von der jeweiligen Haushaltslage aufgesetzt werden.
Weitere im BMUKN-Vorschlag genannte Handlungsfelder für den natürlichen Klimaschutz sind Meere und Küsten sowie Klimaschutz in Auen, Gewässern und der Landschaftswasserhaushalt als Gesamtsystem. pf






























































