Agroforst breiter ausrollen: Wiederherstellung der Natur nicht ohne Landwirtschaft erreichbar

Bei der Rettung degradierter Ökosysteme ist auch die Landwirtschaft in der Pflicht. Agroforstsysteme können einen wertvollen Beitrag leisten, unterstreicht das wissenschaftliche Beratungsgremium der Bundesregierung.
08.06.2026 – Die industrielle Landwirtschaft hat Böden stark in Mitleidenschaft gezogen. Die bislang in den Mitgliedstaaten der EU ergriffenen Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität, des Klimas und der natürlichen Ressourcen „haben kaum zu einer merklichen Verbesserung beigetragen“, vermerkt der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen in seiner Stellungnahme, die er dem Landwirtschaftsministerium übermittelt hat. Langfristige landwirtschaftliche Produktion geht nicht ohne funktionsfähige Ökosysteme und Biodiversität.
Neben anderen Aspekten, insbesondere dem Zusammendenken von Landwirtschaftspolitik und Wiederherstellungsbemühungen, betont das Beratergremium die besondere Verantwortung der Landwirtschaft bei der Wiederherstellung degradierter Ökosysteme. Immerhin nutzt dieser Wirtschaftszweig 50 Prozent der Fläche Deutschlands. Ohne die aktive Mitwirkung der Landwirtinnen und Landwirte seien die Ziele der Wiederherstellungsverordnung nicht erreichbar.
Gleichzeitig biete die Umsetzung der Verordnung erhebliche Chancen für die Landwirtschaft selbst – etwa durch resilientere Produktionssysteme, verbesserte Bodenfruchtbarkeit und einen stabileren Wasserhaushalt.
Die Stellungnahme verweist auf die Bedeutung vielfältig strukturierter Agrarlandschaften mit Blühflächen, Hecken, Feldgehölzen und Grünstreifen und führt Agroforstsysteme als konkrete Renaturierungsmaßnahme auf. Auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung greife diese Ziele bereits auf und sehe ausdrücklich die Förderung „naturverträglicher Agroforstsysteme“ vor.
Die Umsetzbarkeit von Agroforstwirtschaft als Renaturierungsmaßnahme ist laut der Stellungnahme ohne große ökonomische Einbußen umsetzbar. Gleichzeitig weist das Fachgremium auf bestehende Hürden hin. Landwirtinnen und Landwirte sähen insbesondere mangelnde finanzielle Unterstützung, hohe Bürokratie, rechtliche Unsicherheiten sowie hohe Investitions- und Arbeitskosten als zentrale Hemmnisse für die Umsetzbarkeit von Agroforstsystemen.
Die Expertinnen und Experten fordern daher, wirksame Maßnahmen im Rahmen der kommenden GAP-Förderperiode gezielt finanziell auszustatten und im Nationalen Wiederherstellungsplan konkret zu verankern.
Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e. V. mahnt die Harmonisierung von Agrarförderrecht und Bundesnaturschutzgesetz an und das Förderrecht stärker systemisch zu denken. Die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur integrativ und sektorübergreifend gelingen könne.
Der DeFAF verweist auf das europäische Forschungsprojekt EELAP6, das agrarökologische Praktiken wie die Agroforstwirtschaft als Bestandteil einer zukunftsfähigen Landnutzung voranbringen möchte. Es gilt Wissenslücken zu schließen, Herausforderungen zu identifizieren und neue Lösungen zu entwickeln. pf

















































