Klimakrise – Umweltverschmutzung: Zu hohe Ozonwerte flächendeckend in Deutschland

Messstationen melden deutschlandweit eine extrem hohe Ozonbelastung. Die gesundheitsschädliche Grenze ist weitgehend überschritten. Die Deutsche Umwelthilfe fordert daher Maßnahmen gegen Vorläuferstoffe aus Verkehr und industrieller Tierhaltung.
20.08.2025 – Klimakrise – Erderwärmung – Hitzewellen – Smog – Ozon: Inmitten der Hitzewelle meldeten Ozon-Messstationen vergangene Woche in ganz Deutschland gefährlich hohe Ozon-Werte. Die am stärksten belasteten Bundesländer waren Nordrhein-Westfalen (Spitzenwert: Marl, 223 µg/m³), Hessen (Spitzenwert: Frankfurt am Main, 176 µg/m³), Bayern (Spitzenwert: Neustadt an der Donau, 167 µg/m³), Niedersachsen (Spitzenwert: Braunschweig, 165 µg/m³) und Baden-Württemberg (Spitzenwert: Mannheim, 164 µg/m³). Deutschlandweit lagen die Tageshöchstwerte der 271 Messstationen durchschnittlich bei 138 µg/m³. Das liegt weit über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen maximalen 8-Stunden-Mittelwert von 100 µg/m³.
Reduktion von Methan und Stickoxiden gefordert
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt eindringlich und sieht Grenzwerte für Ozon nach WHO-Empfehlungen bis 2030 als dringend notwendig: Die Ozon-Peaks stellen eine massive Doppelbelastung für die menschliche Gesundheit sowie die wirtschaftliche Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben dar. Die DUH fordert zudem die sofortige Reduktion von Methan und Stickoxiden (NOx). Methan stammt in Deutschland vor allem aus der industriellen Tierhaltung, während Stickoxide hauptsächlich durch Verbrennungsprozesse vor allem im Verkehr verursacht werden. Dies sind die wichtigsten Vorläuferstoffe für bodennahes Ozon. Aktuell gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Grenzwerte für Ozon.
Die aktuelle Ozonbelastung muss ein Weckruf sein“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Das Reizgas Ozon ist eine ernsthafte Gesundheits- und Umweltgefahr. Es führt zu eingeschränkter Lungenfunktion und entzündlichen Reaktionen in den Atemwegen. In der Folge leiden insbesondere Kinder und ältere Menschen unter zu hohen Ozonwerten. Landwirtinnen und Landwirte erleben katastrophale Ernteausfälle, EU-weit in Milliardenhöhe. Wir fordern eine drastische Reduktion der verantwortlichen Vorläuferstoffe Methan sowie Stickoxide.“
Konkret bedeute das: „Schluss mit der industriellen Tierhaltung im Fleischexportland Deutschland, um die Methan-Emissionen zu senken, und eine konsequente Aufarbeitung von Dieselgate. Nach wie vor sind etwa acht Millionen betroffene Dieselfahrzeuge mit illegalen Abschalteinrichtungen und extrem hohen Stickoxidemissionen auf deutschen Straßen unterwegs.“
Erderwärmung befeuert Ozonbildung
Bodennahes Ozon wird nicht direkt ausgestoßen, sondern entsteht größtenteils durch die Reaktion von Stickoxiden und Methan unter starker Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen – Bedingungen, die durch die Klimakrise immer häufiger auftreten. Die DUH fordert deshalb die Reduktion der entscheidenden Ozon-Vorläuferstoffe Methan und Stickoxide. Rund drei Viertel aller Methan-Emissionen in Deutschland entstehen in der Landwirtschaft, vor allem durch die Verdauung von Rindern sowie durch die Lagerung und Ausbringung von Gülle bei der Rinder- und Schweinehaltung. Dabei produziere Deutschland mit einem Selbstversorgungsgrad von rund 120 Prozent viel mehr Fleisch, als hierzulande gegessen wird. Bei den Stickoxiden ist laut DUH der Verkehr mit 39 Prozent der größte Verursacher, insbesondere Dieselfahrzeuge.
Die Ozonwerte des offiziellen staatlichen Luftqualitätsmessnetzes werden mehrfach täglich veröffentlicht. Die hier angesprochenen Werte hat die DUH am Mittwochnachmittag, den 13. August 2025, abgerufen: https://www.umweltbund.../stationen

























































Kommentare
Arno am 21.07.2026
Leider geht die Ozonbelastung bei den üblichen Berichten über die Hitze etwas unter! Als Asthmatikerin verfolge ich die aktuellen Ozonwerte und sammle auch Tipps für besonders belastete Tage:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe-im-ueberblick/ozon
https://wellness.doktorabc.com/de/gesundheit/warum-asthma-an-hitzetagen-mehr-aufmerksamkeit-braucht/
Matthias meyer am 10.08.2026
Da irrt der liebe Herr Resch und die duh leider wieder mal ...
Stickstoffmonoxid ist notwendig um Ozon in der Nacht zu zersetzen.
Das ist einer der Gründe ,warum die Ozonbelastung auf dem Lande höher ist ,als in der Stadt. Die nox Konzentration durch wesentlich geringere Verkehrsdichte
Sorgt für schlechteren ozonabbau über Nacht.
energiezukunft vor 3 Wochen
Sehr geehrter Herr Meyer,
vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar. Wir erkennen im beschriebenen Vorgang allerdings keinen Irrtum der DUH. Es handelt sich vielmehr um zwei verschiedene Phänomene bzw. Aspekte desselben Themas Ozon in Bodennähe:
• Was im Artikel steht (Tag-Effekt / Entstehung): Der Artikel beschreibt, wie Ozon an heißen Sommertagen durch starke Sonneneinstrahlung aus Vorläuferstoffen wie Stickoxiden und Methan neu gebildet wird. Bei einer Hitzewelle und viel Verkehr oder Landwirtschaft steigen die Ozonwerte deshalb tagsüber deutschlandweit deutlich an, weil der Wind die Schadstoffe verteilt und die Sonne ungestört einstrahlt. -> Langfristig treibt NO zusammen mit Sonnenlicht und Schadstoffen die Bildung von neuem Ozon an.
• Was Ihre Erklärung beschreibt (Nacht-Effekt / Abbau): Die Erklärung bezieht sich auf die Nachtphase. Wenn keine Sonne mehr da ist, um Ozon zu produzieren, baut das vorhandene Stickstoffmonoxid (NO) das Ozon ab. Weil es in der Stadt viel mehr Verkehr und damit NO gibt, sinkt die Ozonbelastung dort nachts stärker ab als auf dem Land. -> Kurzfristig und lokal baut NO Ozon ab.
Der Artikel spricht über die alarmierenden Spitzenwerte am Tag, verursacht durch Hitze und Sonneneinstrahlung im Sommer. Ihre Erklärung zeigt, warum Ozon in ländlichen Regionen über Nacht oft langsamer abgebaut wird. Beides existiert gleichzeitig und ergänzt sich.
Weitere Quellen zum Nachlesen: https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/ozon-belastung; https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/ozon-belastung#bodennahes-ozon; https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/gesundheit/ge-i-9/indikator
Mit freundlichen Grüßen
die Redaktion