Agroforst: Zu wenige Landwirte kombinieren Ackerpflanzen mit Gehölzen

Agroforst in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen. Es werden zwar mehr landwirtschaftliche Flächen kombiniert bepflanzt und die Antragszahlen für die fortlaufende Förderung steigen. Aber die verankerten Ziele sind bei weitem nicht erreicht.
09.09.2026 – Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) meldet für das laufende Jahr eine Verdoppelung der Förderanträge, die sich auf die Öko-Regelung 3 beziehen und damit auf die laufende agroforstliche Bewirtschaftung eines bestehenden Agroforstsystems. Der Verband wertet das als klares Signal für die Wirksamkeit attraktiver Fördersätze.
Bei aller Freude über das Umdenken in der Landwirtschaft – die als Agroforst bewirtschafteten Flächen sind immer noch rar gesät. Die Beantragungen von Förderungen liegen unter zehn Prozent der politischen Ziele. Ein zentraler Engpass liegt lauf DeFAF in der weitgehend fehlenden oder unattraktiv ausgestalteten Anlagenförderung in den Bundesländern.
Zum Antragsjahr 2026 wurde der Fördersatz der Öko-Regelung 3 von zuvor 200 Euro auf 600 Euro je Hektar Gehölzflächeangehoben – ein Beschluss der Agrarministerkonferenz vom März 2025. Die Reaktion der Praxis ist eindeutig: Die Zahl der zur Förderung angemeldeten Agroforst-Streifen hat sich gegenüber 2025 verdoppelt. „Der Zusammenhang ist offensichtlich: Wenn durch die Förderung Anreize gesetzt werden, entscheiden sich Betriebe für Agroforst. Die Verdopplung zeigt, dass ein auskömmlicher, verlässlicher Fördersatz unmittelbar wirkt“, ist DeFAF-Vorstand Christian Böhm überzeugt.
Gemessen an den politischen Zielen der Bundesregierung bleibt die Inanspruchnahme jedoch gering. Der GAP-Strategieplan sah ursprünglich einen Zuwachs von bis zu 200.000 Hektar Agroforstfläche vor. Das politisch kommunizierte Ziel wurde 2024 massiv geschrumpft – auf 11.500 Hektar Agroforstgehölzfläche bis 2027. Die jetzt gemeldete tatsächliche Beantragung liegt nach wie vor bei unter 10 Prozent der bereits sehr niedrigen Planungsgröße.
Nicht nur die fehlende Umsetzung oder unattraktive Ausgestaltung in den Bundesländern wirkt hemmend. Auch die hohen bürokratischen Anforderungen haben es in sich.
Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: zu viel Bürokratie, zu niedrige Sätze
Als Beispiel für eine wenig praxistaugliche Ausgestaltung nennt der DeFAF Mecklenburg-Vorpommern: Das Verfahren sei außerordentlich aufwendig und mit einer Vielzahl von Genehmigungen verbunden. Insbesondere die verpflichtende Einbeziehung der Naturschutzbehörden führe in der Praxis zu hohem Aufwand und zusätzlichen Kosten. Gleichzeitig seien die Fördersätze im GAK-Rahmenplan zu niedrig angesetzt – in der Summe sei die Förderung damit nicht attraktiv genug, um Betriebe zur Anlage von Agroforstsystemen zu bewegen.
Brandenburg: vielversprechender Neustart – der Genehmigungsprozess wird entscheiden
Positiv dagegen Brandenburg mit einer eigenen Förderung die Anlage von Agroforstsystemen mit einem Festbetrag fördert. Bis zu 7.091 Euro pro Hektar neuer Gehölzfläche kann der Zuschuss betragen.
Die Agroforst-Landwirtin Maria Giménez aus Trebbin schätzt ein: „Ob die Förderrichtlinie Früchte trägt, entscheidet sich nun im Genehmigungsverfahren und in der Flexibilität der Behörden.“
„Eine effiziente, hinreichend ausgestattete Anlagenförderung ist die Voraussetzung dafür, dass die Bewirtschaftungsförderung überhaupt greifen kann. Beide Förderinstrumente müssen ineinandergreifen.“, betont Agroforst-Landwirt Thomas Domin aus der Nähe von Senftenberg.
Der Agroforstverband betont deshalb, dass die politischen Flächenziele für die Agroforstwirtschaft sich nur mit sehr attraktiven und vor allem unbürokratischen Förderungenerreichen lassen. Solange den Landwirten aufwendige Genehmigungsverfahren und zusätzliche Auflagen zugemutet werden und gleichzeitig niedrige Fördersätze bereitstehen, wird der Ausbau in der Fläche ausgebremst.
Agroforst-Betriebe sind widerstandsfähiger gegenüber Klimaextremen – und leisten zugleich einen erheblichen Beitrag für die Gesellschaft: Sie gestalten Landschaften so, dass Ökosysteme bei hoher Produktivität ihre Leistungen erbringen können, von Wasserrückhalt und Erosionsschutz über Bodenfruchtbarkeit und Kohlenstoffbindung bis zur Biodiversität. „Dieser Beitrag muss endlich hinreichend anerkannt und honoriert werden. Es ist schon längst nicht mehr nachvollziehbar, dass die bürokratischen Hürden für die Umsetzung von multifunktional wirkenden Bewirtschaftungsformen wie Agroforstsystemen deutlich höher sind als für die Beibehaltung einer Reinkultur mit all ihren negativen Folgen für den Ressourcen- und Umweltschutz“, lautet das Fazit von DeFAF-Vorstand Christian Böhm. pf




















































