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Klimaklage




Wasserspeicher in der LausitzZum Vorteil der LEAG

Der Braunkohletagebau Welzow-Süd
Der Tagebau Welzow-Süd (Bild: ideengrün | Markus Pichlmaier)

Der Verein Wasser Cluster Lausitz fordert Tagebaue in der Lausitz später zu Wasserspeichern umzufunktionieren, gegen die zunehmende Trockenheit in der Region. Doch der Vorschlag hätte wirtschaftliche Vorteile für den Bergbaubetreiber LEAG.

20.08.2021 – Der Osten Deutschlands leidet unter zunehmenden und langanhaltenden Trockenperioden. Zugleich gibt es immer wieder Starkregenereignisse. Solche Wetterextreme zeigen: Die Klimakrise ist in der Region bereits voll angekommen. Um Wasser bei Starkregen aufzufangen und für Trockenperioden bereitzustellen, werden in der Lausitz zusätzliche Wasserspeicher diskutiert.

Entlang der Spree gibt es bislang fünf Wasserspeicher – drei Talsperren und zwei Speicherbecken. Die Speicherbecken sind Teile von Seen, die durch die Flutung ehemaliger Tagebaue entstanden sind. Der Verein Wasser Cluster Lausitz schlägt nun vor, drei weitere ehemalige und noch im Betrieb befindliche Tagebaue als Wasserspeicher zu nutzen. Dabei handelt es sich um die bereits in Flutung befindliche Cottbuser Ostsee, dem ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord, sowie die noch aktiven Tagebaue Welzow und Nochten, deren Betrieb womöglich erst in den 2040ern eingestellt wird.

Steht hinter dem Vorschlag die LEAG?

Die Tagebaue werden vom Bergbaubetreiber LEAG betrieben, auch die Flutung des ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord liegt in der Verantwortung des Kohlekonzerns. Pikant ist: zwei Vorstände des Vereins Wasser Cluster Lausitz, Ingolf Arnold und Thomas Koch, sind langjährige leitende Mitarbeiter im Bergbaubereich der LEAG. Ebenfalls Vorstand im Verein ist Wilfried Uhlmann, der vom Umweltbundesamt, gemeinsam mit der GMB GmbH, dem Ingenieurbüro Gerstgraser, der DHI WASY GmbH und weiteren, den Auftrag erhielt, die Folgen des Braunkohleabbaus für den Wasserhaushalt in der Lausitz zu untersuchen. Es wird befürchtet, dass das Konsortium versucht, die Kosten für die Folgeschäden des Kohlebergbaus auf den Steuerzahler abzuwälzen.

Denn die GMB wiederum ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der LEAG. die DHI WASY GmbH erstellte im Auftrag der LEAG zwischen 2017 und 2019 eine Studie zur Sulfatbelastung in der Spree. Das Ingenieurbüro Gerstgraser pflegt ebenfalls enge Verbindungen zur LEAG und errichtete unter anderem für das Bergbauunternehmen ein Wasserbauwerk in der Spree. Deren Chef Christoph Gerstgraser ist Schatzmeister im Wasser Cluster Lausitz. Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg kritisierten, Gerstgraser habe bei einer Veranstaltung des Vereins an der BTU den menschengemachten Klimawandel relativiert.

Die LEAG müsste weniger zahlen

Als „entlarvend“ bezeichnet es die Welzower Stadtverordnete Hannelore Wodtke, dass der Verein Wasser Cluster Lausitz ausgerechnet drei Tagebaufolgenseen als Speicher ins Gespräch bringt, die in der Verantwortung der LEAG stehen. Der Bergbaubetreiber ist eigentlich für die Rekultivierung der Flächen ehemaliger Tagebaue verantwortlich und muss diese aus eigenen Rücklagen zahlen.

„Je größer die Seen einmal werden, umso billiger ist es für den Bergbaubetreiber, da sie weniger Landfläche herstellen müssen. Und Speicherfunktionen müssen von der Allgemeinheit getragen werden“, erläutert Wodtke, die Mitglied der Kohlekommission war und als einzige gegen den Kompromiss stimmte, da dadurch weiter Menschen in ihrer Region von Umsiedlung bedroht waren.

Auch für die Vorsitzende der Bündnisgrünen Spree-Neiße Heide Schinowsky tragen die Forderungen „die Handschrift der Kohleindustrie“. „Große Seen herzustellen ist schlichtweg billiger für den Bergbaubetreiber. Auch wenn noch nichts über die Größe der zukünftigen Seen bekannt ist, kann man davon ausgehen, dass die Vorschläge genau darauf abzielen“, sagt Schinowsky.

Dass es zusätzlicher Wasserspeicher Bedarf, um in Trockenperioden genug Reserven zu haben, damit etwa Flüsse nicht austrocknen, steht derweil auch für Schinowsky und Wodtke außer Frage. Es brauche eine breite und öffentliche Debatte, wie und welcher See zu einem Speicher werden soll. Das dürfe nicht ohne Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung und der Klimawissenschaft passieren, so Schinowsky. Laut Wodtke seien potenzielle Wasserflächen mehr als genug vorhanden, die meisten in der öffentlichen Hand. „Hier sollte zuerst die Möglichkeit der Speicherung von Wasser geprüft werden, statt den Bergbaubetreiber wieder mit Steuergeldern zu füttern“, fordert Wodtke.

Cottbuser Ostsee vollkommen ungeeignet

Wodtke hält etwa den Cottbuser Ostsee für vollkommen ungeeignet, da es sich hierbei um einen riesigen Flachwassersee handelt, mit enormen Verdunstungsflächen. Es müssten eher kleine, aber tiefe Seen als Speicher herhalten. Derweil ist die Wasserknappheit bereits spürbar. Das Flussbett der Schwarzen Elster etwa ist bereits zeitweise trocken. Auch die Flutung des ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord stockt.

Schuld daran sind vor allem Kohleabbau und -verstromung. Durch die Kohleverstromung wird CO2 emittiert, was die Globale Erwärmung weiter anheizt und im Osten Deutschlands für Hitzewellen und Dürreperioden sorgt. Zugleich entzieht der Betrieb von Braunkohletagebauen der Umgebung Wasser, da die LEAG Grundwasser abpumpt, damit die Tagebaue nicht volllaufen.

Seen und Naturschutzgebiete trocknen daher bereits aus. Das abgepumpte Wasser wiederum, oftmals mit hohen Sulfatbelastungen versehen, leitet die LEAG dann in umliegende Flüsse ab. Das gefährdet die Trinkwasserversorgung Berlin und Brandenburgs. mf

Kommentare

Banscher am 21.08.2021

Ja, jeder schiebt sich seine Wahrheit zurecht, wie er es braucht!

 

Die Gegenmeinung: "Auch Martin Socher (sächsischer Hochwasserexperte) sieht derzeit zur Flutung der Tagebaue keine richtige Alternative. Der sächsische Experte spricht aber auch von einem "massiven Mengendefizit", das beim Wasser in der Lausitz zu erwarten ist.

Zu allem Überfluss kann die Flutung auch nicht ewig hinausgeschoben werden. Wenn – wie derzeit im Ostsee – keine Gegenkraft aufgebaut wird, würden die Hänge erodieren und in die Ex-Grube abgleiten, warnte Socher in der Anhörung. Mit dem aufsteigenden Grundwasser könnten dann "riesige Trichter und Sumpflandschaften entstehen, die für nichts nutzbar sind".

 

Zudem ist die Aussage das der Wasserkluster als Handlanger der Kohleindustrie hinzustellen populistisch. Der größere Teil des Gremiums besteht aus anerkannten Wissenschaftlern. Selbst Thomas Koch begann seine beruflicher Karriere als Wissenschaftler bei der BTU. Das die Wirtschaft zur Bewältigung dieser Aufgaben mit im Boot sitzt ist doch normal, selbst wenn sie das Problem verursacht hat.

 

Und außerdem: "Die Wasserknappheit wird noch dadurch verschärft, dass mit dem Kohleausstieg nach und nach das Filterbrunnenwasser wegfällt." Martin Socher

 

Also ist der schnelle Kohleausstieg auch Teil des Problems.

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