EEG-Reform: Was sich für die Windkraft ändert

Aufgrund der EEG-Reform ändern sich zum 1. August die Förderbedingungen für Windparks. (Bild: Naturstrom AG)
Aufgrund der EEG-Reform ändern sich zum 1. August die Förderbedingungen für Windparks. (Bild: Naturstrom AG)

Die Novelle des EEG wird voraussichtlich am 1. August in Kraft treten. Projektierer, Landwirte, aber auch viele Bürger in Form von Genossenschaften haben in Windräder investiert oder planen, dies zu tun. Was genau ändert sich für die Windkraft?

20.07.2014 – Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird voraussichtlich am 1. August in Kraft treten. Windparks stellen eine entscheidende Säule der Energiewende dar. Planungszeiträume für Windkraftprojekte betragen drei bis fünf Jahre. Das alte EEG 2012 gilt noch für Anlagen, die vor dem 23. Januar 2014 genehmigt oder zugelassen wurden und die noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Projektierer, Landwirte, aber auch viele Bürger in Form von Genossenschaften haben in Windräder investiert oder planen, dies zu tun. Was genau ändert sich nun für sie?

Erlaubter Ausbau wird begrenzt
Der beschränkte Ausbaupfad für Windenergie an Land erlaubt einen jährlichen Nettozubau von 2.500 Megawatt (MW). Zum Vergleich: Der Netto-Zubau im Jahr 2013 lag bei 2.740 MW. Die Nettovorgabe von 2.500 MW pro Jahr errechnet sich aus dem Bruttozubau abzüglich der jährlich deinstallierten Windräder. Bei der Offshore-Windenergie beträgt der erlaubte Zubau bis 2020 6.500 MW Leistung und bis 2030 15.000 MW.

Neues Fördermodell bevorzugt Großinvestoren
Betreiber von Ökokraftwerken sollen nicht mehr wie bisher 20 Jahre lang eine einheitliche, feste Vergütung erhalten, sondern grüne Projekte sollen ausgeschrieben werden. Den Zuschlag erhält, wer am kostengünstigsten baut. 2015 sollen die ersten Ausschreibungsrunden als Pilotversuche für Solar-Freiflächenanlagen durchgeführt werden. Ab 2017 soll die Förderhöhe grundsätzlich auch für andere Ökokraftwerke wie etwa Windparks über Ausschreibungen ermittelt werden. Ob dabei die bisherige Akteursvielfalt erhalten bleiben kann, ist fraglich. Das Modell begünstigt größere Konzerne mit viel Grundkapital. Allerdings liegt ganz besonders im Bereich der Onshore-Windenergie die Bürgerbeteiligung mit knapp 50 Prozent sehr hoch. Es bleibt deswegen zu hoffen, dass ihre Beteiligung auch im Rahmen des Ausschreibungsmodells weiterhin ermöglicht wird. Grundsätzlich besteht mit dem neuen Modell ein höheres Investitionsrisiko.

Länderöffnungsklausel

Die Bundesländer dürfen zukünftig eine Mindestabstandsregelung für Windenergieanlagen zu bebautem Gebiet einführen, wenn sie dies möchten. Hierzu erfolgt eine Neuregelung im Baugesetzbuch. Diese Länderöffnungsklausel könnte in Bayern den weiteren Bau von Windparks stoppen: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich bereits vor Monaten für die  „10H-Regel“ stark gemacht und einen Vorschlag auf Landesebene vorgelegt. Die Forderung: Der Abstand einer Windenergieanlage zu Gebäuden soll mindestens das Zehnfache der Höhe eines Windrads betragen. Dem Bundesverband Windenergie zufolge werden, ausgehend von einer typischen Höhe von 200 Metern und somit einem Mindestabstand von 2.000 Metern, nur noch 0,05 Prozent der Landesfläche Bayerns mit Windparks bebaut werden können.

Verpflichtende Direktvermarktung
Nur noch Onshore-Anlagen bis zu einer Leistung von bis zu 500 Kilowatt erhalten künftig eine feste Einspeisevergütung. Diese Schwelle wird 2016 und 2017 weiter reduziert. Betreiber von größeren Anlagen müssen ihren Strom selbst vermarkten. Dafür erhalten sie eine sogenannte gleitende Marktprämie. Drei Boni, die nach dem bisherigen EEG ausgezahlt wurden, fallen weg: Dazu zählt der Repowering-Bonus in Höhe von 0,5 Cent pro Kilowattstunde, der Systemdienstleistungsbonus, der zuletzt bei 0,48 Cent je Kilowattstunde lag, und die Managementprämie.

Atmender Deckel
Für die Photovoltaik gibt es ihn bereits seit einiger Zeit, nun wird auch für die Windenergie an Land ein „Atmender Deckel“ eingeführt. Das bedeutet, die Vergütung hängt von der Anzahl zugebauter Neuanlagen ab. Ist der Zubau hoch, sinkt die Vergütung stärker. Generell ist ab 2016 eine Absenkung der Vergütung um 0,4 Prozent pro Quartal vorgesehen. Wird das festgelegte jährliche Ziel von 2.400 bis 2.600 MW über- oder unterschritten, so erhöht bzw. verringert sich die sogenannte Degression automatisch. rr

   

Forum

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  1. gegenwind 25.07.2014, 11:08 Uhr
    Wann begreifen Befürworter alternativer Energien endlich, dass sich die notwendige Energiewende nur mit einem Masterplan; bewerkstelligen lässt, der alle Interessen und das gesamte Know-how zusammenfasst. (s. Studie Fraunhofer-Institut). Der Zubau von WEA und Solaranlagen bringt für die Reduzierung des CO2 - Ausstoßes gar nichts, solange es keine Speichermöglichkeiten zum Ausgleich der witterungsbedingten enormen Schwankungen der Stromproduktion aus Wind und Sonne gibt.
    Die derzeitigen unsinnigen Regelungen des Handels mit CO2-Zertifikaten verhindern eine Verringerung der Stromproduktion aus (Braun)-Kohlekraftwerken.
    Fazit: erst die Voraussetzungen für die Energiewende schaffen, dann mehr Windräder bauen und nicht umgekehrt. Das jetzigen EEG-Gesetz nützt dem Klima nicht und kostet Unsummen, die für die Einsparung von Energie besser eingesetzt wären.
    Wer mir nicht glaubt, dem empfehle ich die Studie von Dipl. Phys. Karl Linnenfelser. und die Studie v
  2. gegenwind 25.07.2014, 11:08 Uhr
    Wann begreifen Befürworter alternativer Energien endlich, dass sich die notwendige Energiewende nur mit einem Masterplan; bewerkstelligen lässt, der alle Interessen und das gesamte Know-how zusammenfasst. (s. Studie Fraunhofer-Institut). Der Zubau von WEA und Solaranlagen bringt für die Reduzierung des CO2 - Ausstoßes gar nichts, solange es keine Speichermöglichkeiten zum Ausgleich der witterungsbedingten enormen Schwankungen der Stromproduktion aus Wind und Sonne gibt.
    Die derzeitigen unsinnigen Regelungen des Handels mit CO2-Zertifikaten verhindern eine Verringerung der Stromproduktion aus (Braun)-Kohlekraftwerken.
    Fazit: erst die Voraussetzungen für die Energiewende schaffen, dann mehr Windräder bauen und nicht umgekehrt. Das jetzigen EEG-Gesetz nützt dem Klima nicht und kostet Unsummen, die für die Einsparung von Energie besser eingesetzt wären.
    Wer mir nicht glaubt, dem empfehle ich die Studie von Dipl. Phys. Karl Linnenfelser. und die Studie v
  3. Korrektur 23.07.2014, 12:12 Uhr
    Nur zur Klarstellung:

    Die 2.500 MW-Nettozubau pro Jahr stellen keine feste Deckelung dar. Bei einem Überschreiten wird "lediglich" die Vergütung (Marktprämie) stärker als üblich für die nächste Periode abgesenkt. Dies reduziert natürlich die finanziellen Anreize zur Errichtung von WEA in der nächsten Periode.
  4. Energiewender 21.07.2014, 10:22 Uhr
    Wir brauchen ein dichtes Endlager: Für Gabriel und Merkel! Wann ist die nächste Demo?
  5. Windmüller 20.07.2014, 19:03 Uhr
    Bisher waren Bauern oder Bürgerenergiegenossenschaften Motor der Energiewende. In Zukunft werden Windparks oder Freiflächenphotovoltaikanlagen von den vier großen Stromkonzernen oder Hedgefonds errichtet.
    Glückwunsch Herr Gabriel !!
    Wenn man die SPD ans Ruder lässt, dann ist sie schlimmer als die FDP.
  6. Sonnenstromer 20.07.2014, 12:21 Uhr
    Juhu!!! Die Lobbyisten haben sich durchgesetzt (ironisch)
    Diese Regierung verdient den Namen nicht mehr. Sie kümmert sich nur noch um die Belange der Großindustrie, und setzt diese um. Weg mit Merkel und Gabriel !!!!!!!!!!!!!!!

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